{"id":2009,"date":"2014-09-20T19:31:13","date_gmt":"2014-09-20T17:31:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.madcham.com\/?p=2009"},"modified":"2020-05-13T21:57:00","modified_gmt":"2020-05-13T19:57:00","slug":"wildfang-oder-nachzucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.madcham.de\/de\/wildfang-oder-nachzucht\/","title":{"rendered":"Wildfang oder Nachzucht?"},"content":{"rendered":"<p class=\"dropcap\" style=\"text-align: justify;\">Wer ein Cham\u00e4leon kaufen m\u00f6chte, steht fr\u00fcher oder sp\u00e4ter vor der Wahl, ob er sich f\u00fcr eine Nachzucht (NZ) oder einen Wildfang (WF) entscheiden will. Wir sind grunds\u00e4tzlich der Meinung, dass kontrollierten Nachzuchten stets der Vorzug gegeben werden sollte. Inzwischen sind viele verschiedene Arten regul\u00e4r als Nachzucht in Deutschland erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<h4>Wildf\u00e4nge<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wildf\u00e4nge sind auf Grund des langen Transportwegs und der in aller Regel sehr suboptimalen Unterbringung (meist Beutel mit mehreren Tieren oder enge Schubf\u00e4cher) geschw\u00e4cht und oft in schlechtem Zustand, wenn sie in Deutschland eintreffen. Fast immer sind sie mit <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/parasiten\/\">Parasiten<\/a> infiziert, haben teils Verletzungen, sind dehydriert und unbekannten Alters. Bei den Importen sterben immer noch Cham\u00e4leon. Dies sollte nicht unterst\u00fctzt werden, wenn nicht zwingend n\u00f6tig. Leider gibt es bisher nur wenig umsetzbare M\u00f6glichkeiten, Wildf\u00e4nge cham\u00e4leongerecht zu importieren. \u00dcbrigens: F\u00fcr irgendeine Form h\u00f6heren Umweltbewusstseins oder gar &#8222;Artenschutz im Kleinen&#8220; sorgt der Fang wilder Cham\u00e4leons auf Madagaskar nicht. Die Tierf\u00e4nger stammen in der Regel aus extrem armen Familien, <a href=\"https:\/\/www.ecologyandsociety.org\/vol23\/iss1\/art13\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">verdienen weniger als 0,25 \u20ac pro Tag<\/a>, genie\u00dfen kein soziales Ansehen und wissen meist nicht einmal, was Artenschutz ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Problem bei Wildf\u00e4ngen ist, dass immer wieder Arten ohne CITES-Quoten importiert werden, die nie Papiere h\u00e4tten bekommen d\u00fcrfen. Das liegt bei einigen Arten an der leichten Verwechslung mit \u00e4hnlichen Arten oder daran, dass sie bis vor einigen Jahren noch zu anderen Arten gez\u00e4hlt wurden. Zum Teil werden Cham\u00e4leons aber sicherlich auch bewusst illegal unter falschem <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/haeufig-gestellte-fragen-zur-taxonomie\/\">Artnamen<\/a> exportiert. Von einigen Gro\u00dfh\u00e4ndlern au\u00dferhalb der EU ist bekannt, dass ihre &#8222;Nachzuchten&#8220; tats\u00e4chlich illegale Wildf\u00e4nge mit von offiziellen Beh\u00f6rden gef\u00e4lschten Papieren sind. Gerade beim Kauf wenig nachgezogener Cham\u00e4leonarten sollte man daher besondere Vorsicht walten und von Tieren zweifelhafter Herkunft lieber die Finger lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders bei seltener in der Terraristik gehaltene Cham\u00e4leon-Arten werden nur wenige Nachzuchten angeboten, und man ist fr\u00fcher oder sp\u00e4ter gezwungen, einen Wildfang zu erwerben. Solche Arten sollten unserer Meinung nach grunds\u00e4tzlich nur von sehr erfahrenen, langj\u00e4hrigen Cham\u00e4leonhaltern gekauft und gepflegt werden. Somit haben die Tiere die h\u00f6chste Chance, sich erfolgreich zu vermehren und den Grundstock einer stabilen Population in der Terraristik zu bilden. Au\u00dferdem sollte man sich mit Hilfe der CITES-Quoten und der aktuellen Gesetzeslage innerhalb Deutschlands und der EU dar\u00fcber informieren, ob die gew\u00fcnschte Art \u00fcberhaupt legal erworben werden kann. Unsere Website hilft bei der Kl\u00e4rung, ob die Tiere m\u00f6glicherweise nur in Schutzgebieten vorkommen, aus denen sie nicht legal entnommen werden d\u00fcrfen. Wer illegalen Handel mit Cham\u00e4leons unterst\u00fctzt, unterst\u00fctzt damit auch das Artensterben auf Madagaskar.<\/p>\n<h4>Nachzuchten<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachzuchten dagegen sind unter bekannten Bedingungen aufgezogen worden, sind stabil, das Alter ist klar, die Elterntiere k\u00f6nnen angeschaut werden und im besten Fall reduzieren mehrere vom reptilienkundigen <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/tierarztbesuch-mit-chamaeleons\/\">Tierarzt<\/a> untersuchte Kotproben die Wahrscheinlichkeit eines Parasitenbefalls. Dazu sind die Transportwege deutlich k\u00fcrzer. Meist kann man den Z\u00fcchter pers\u00f6nlich kennenlernen und sich davon \u00fcberzeugen, dass die Cham\u00e4leons vor dem Kauf gut gehalten wurden.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Was ist mit Farmzuchten?<\/h4>\n<div id=\"attachment_2011\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/mandraka-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2011\" class=\"wp-image-2011 size-medium\" src=\"https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/mandraka-1-300x185.jpg\" alt=\"Ehemalige Nachzuchtfarm\" width=\"300\" height=\"185\" srcset=\"https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/mandraka-1-300x185.jpg 300w, https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/mandraka-1.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2011\" class=\"wp-caption-text\">Ehemalige Nachzuchtfarm in Marozevo (nahe Mandraka)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter Farmzuchten (FZ) versteht man Cham\u00e4leons oder andere Reptilien, die auf Nachzucht-Farmen speziell f\u00fcr den Export aus Madagaskar gez\u00fcchtet wurden. Die Elterntiere werden der Natur entnommen, im besten Fall wird sp\u00e4ter ausschlie\u00dflich mit Nachzuchttieren weitergez\u00fcchtet. In der Realit\u00e4t sieht es auf Madagaskar so aus, dass es momentan unseres Wissens nach \u00fcberhaupt keine funktionierende Nachzuchtfarm mehr gibt. Daher handelt es sich bei als Farmzuchten deklarierten Cham\u00e4leons aus Madagaskar mit hoher Wahrscheinlichkeit um illegale Wildf\u00e4nge.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer ein Cham\u00e4leon kaufen m\u00f6chte, steht fr\u00fcher oder sp\u00e4ter vor der Wahl, ob er sich f\u00fcr eine Nachzucht (NZ) oder einen Wildfang (WF) entscheiden will. Wir sind grunds\u00e4tzlich der Meinung, dass kontrollierten Nachzuchten stets der Vorzug gegeben werden sollte. Inzwischen sind viele verschiedene Arten regul\u00e4r als Nachzucht in Deutschland erh\u00e4ltlich. Wildf\u00e4nge Wildf\u00e4nge sind auf Grund des langen Transportwegs und der in aller Regel sehr suboptimalen Unterbringung (meist Beutel mit mehreren Tieren oder enge Schubf\u00e4cher) geschw\u00e4cht und oft in schlechtem Zustand, wenn sie in Deutschland eintreffen. Fast immer sind sie mit Parasiten infiziert, haben teils Verletzungen, sind dehydriert und unbekannten Alters. Bei den Importen sterben immer noch Cham\u00e4leon. Dies sollte nicht unterst\u00fctzt werden, wenn nicht zwingend n\u00f6tig. Leider gibt es bisher nur wenig umsetzbare M\u00f6glichkeiten, Wildf\u00e4nge cham\u00e4leongerecht zu importieren. \u00dcbrigens: F\u00fcr irgendeine Form h\u00f6heren Umweltbewusstseins oder gar &#8222;Artenschutz im Kleinen&#8220; sorgt der Fang wilder Cham\u00e4leons auf Madagaskar nicht. Die Tierf\u00e4nger stammen in der Regel aus extrem armen Familien, verdienen weniger als 0,25 \u20ac pro Tag, genie\u00dfen kein soziales Ansehen und wissen meist nicht einmal, was Artenschutz ist. Ein weiteres Problem bei Wildf\u00e4ngen ist, dass immer wieder Arten ohne CITES-Quoten importiert werden, die nie Papiere h\u00e4tten bekommen d\u00fcrfen. 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