{"id":9565,"date":"2020-06-27T19:38:20","date_gmt":"2020-06-27T17:38:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.madcham.de\/?p=9565"},"modified":"2020-06-27T20:22:35","modified_gmt":"2020-06-27T18:22:35","slug":"mykosen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.madcham.de\/de\/mykosen\/","title":{"rendered":"Mykosen"},"content":{"rendered":"<h4>Mykose \u2013 was ist das?<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Mykose<\/em> ist der Fachbegriff f\u00fcr eine Pilzinfektion. Bei einer <em>Dermatomykose<\/em> handelt es sich um eine Pilzinfektion, die sich nur auf die <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/anatomie\/#Haut\">Haut<\/a> beschr\u00e4nkt. Bei <em>Organmykosen<\/em> handelt es sich um einen Pilzbefall der inneren <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/anatomie\/\">Organe<\/a> des Tieres.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Ursachen<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fakultativ pathogene Pilzsporen sind immer in der Umgebung und auf der <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/anatomie\/\">Haut<\/a> des Cham\u00e4leons zu finden. Sie werden in der Regel erst dann zu einem Problem, wenn eine <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/category\/terraristik\/erkrankungen\/\">Erkrankung<\/a> oder ein geschw\u00e4chtes Immunsystem vorliegt und dem Pilz g\u00fcnstige Bedingungen zum Wachstum bietet. M\u00f6gliche Gr\u00fcnde sind h\u00e4ufig suboptimale Haltungsbedingungen wie P\u00e4rchen- oder <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/vergesellschaftung\/\">Gruppenhaltung<\/a> von Einzelg\u00e4ngern, unzureichende <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/terrarienbeleuchtung\/\">Beleuchtung<\/a> des Terrariums oder zu hohe Luftfeuchtigkeit in Kombination mit mangelnder Bel\u00fcftung. Auch alte <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/verbrennungen\/\">Verbrennungen<\/a> oder Narben vorhergegangener Verletzungen sind oft Ausgangspunkt von Pilzinfektionen. Bei Cham\u00e4leons wurden bisher unter anderem <em>Aspergillus<\/em>, <em>Penicillium<\/em>, <em>Paecilomyces lilacinus<\/em>, <em>Phycomycetes<\/em>, <em>Mucor<\/em> und <em>Paecilomyces viridis<\/em> nachgewiesen.<\/p>\n<div id=\"attachment_9569\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9569\" class=\"wp-image-9569 size-medium\" src=\"https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Mykose-bei-Furcifer-pardalis-lokal-300x223.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Mykose-bei-Furcifer-pardalis-lokal-300x223.jpg 300w, https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Mykose-bei-Furcifer-pardalis-lokal-768x571.jpg 768w, https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Mykose-bei-Furcifer-pardalis-lokal-420x312.jpg 420w, https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Mykose-bei-Furcifer-pardalis-lokal-81x60.jpg 81w, https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Mykose-bei-Furcifer-pardalis-lokal.jpg 878w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-9569\" class=\"wp-caption-text\">Dermatomykose auf einer alten Narbe bei einem weiblichen <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/furcifer-pardalis\/\"><em>Furcifer pardalis<\/em><\/a><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt jedoch ein <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/temporaere-paarbindung\/\">paar<\/a> wenige Ausnahmen. Am bekanntesten sind ein Pilz, der aktuell den Namen <em>Chrysosporium<\/em> Anamorph von <em>Nannizziopsis vriesii<\/em> (Abk\u00fcrzung CANV) tr\u00e4gt, sowie <em>Nannizziopsis dermatitidis<\/em> und <em>Metarhizium granulomatis<\/em> (fr\u00fcher <em>Chamaeleomyces<\/em>). Bei diesen Pilzen sind in den letzten Jahren vermehrt auch gesunde Cham\u00e4leons betroffen. Studien weisen darauf hin, dass diese Pilze obligat pathogen, also immer krankmachend, f\u00fcr Cham\u00e4leons und andere Echsen sind. <em>Nannizziopsis<\/em> und <em>Metarhizium<\/em> gelten als stark infekti\u00f6s. Sie werden offenbar \u00fcber blo\u00dfen Hautkontakt bereits von Tier zu Tier \u00fcbertragen. Das bedeutet, dass auch der Cham\u00e4leonhalter selbst die infekti\u00f6sen Sporen z.B. von einer <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/wo-kaufen\/\">B\u00f6rse<\/a> mitbringen und auf das eigene Cham\u00e4leon \u00fcbertragen kann. Genauso kann ein bisher scheinbar symptomloses Cham\u00e4leon die Pilzsporen mit in sein neues Zuhause bringen. Ein weiterer Grund f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/quarantaene\/\">Quarant\u00e4ne<\/a> beim <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/wo-kaufen\/\">Kauf<\/a> neuer Cham\u00e4leons! <em>Paecilomyces<\/em> und <em>Metarhizium granulomatis<\/em> k\u00f6nnen wahrscheinlich zus\u00e4tzlich \u00fcber die Aufnahme infizierter <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/futtertiere\/\">Insekten<\/a> \u00fcbertragen werden.<\/p>\n<h4>Symptome \u2013 Was sind Anzeichen einer Pilzinfektion?<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Betroffene Hautareale verf\u00e4rben sich mit der Zeit, werden gelblich oder br\u00e4unlich, manchmal auch schmierig wei\u00dflich-grau. Die Haut kann sich blasig ver\u00e4ndern. Die ver\u00e4nderten Hautbereiche werden langsam (oft \u00fcber Monate) gr\u00f6\u00dfer oder es tauchen immer neue Stellen am ganzen K\u00f6rper auf. Seltener k\u00f6nnen auch verk\u00fcrzte <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/haeutung\/\">H\u00e4utungsintervalle<\/a> bis hin zu st\u00e4ndiger, ununterbrochener <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/haeutung\/\">H\u00e4utung<\/a> beobachtet werden. Pilzinfektionen k\u00f6nnen auch sekund\u00e4r als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen auftreten, zum Beispiel im Zuge einer <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/pododermatitis\/\">Pododermatitis<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/maulfaeule\/\">Maulf\u00e4ule<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei schweren Verl\u00e4ufen und Infektionen mit CANV oder <em>Nannizziopsis dermatitidis<\/em> kommt es meist zur Ausbildung sogenannter Granulome, Pilzknoten. Diese werden h\u00e4ufig als Knubbel auf der Haut sichtbar. Granulome in der <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/der-zungenschuss\/\">Zunge<\/a> k\u00f6nnen vor allem am Zungengrund als kleine, gelb-wei\u00dfliche Knoten sichtbar werden und das Cham\u00e4leon beim <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/der-zungenschuss\/\">Schie\u00dfen<\/a> von Insekten behindern. Gef\u00e4hrlich sind CANV und <em>Nannizziopsis dermatitidis<\/em> aber vor allem deshalb, weil sie auch andere Organe wie <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/anatomie\/#Leber_und_Gallenblase\">Leber<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/anatomie\/#Atemtrakt\">Lunge<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/anatomie\/#Herz\">Herz<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/anatomie\/#Urogenitaltrakt\">Nieren<\/a> betreffen k\u00f6nnen. Dies bleibt f\u00fcr den Halter unsichtbar, bis fortgeschrittene Organsch\u00e4den auftreten und das Cham\u00e4leon ein zunehmend schlechteres Allgemeinbefinden mit eingeschr\u00e4nkter <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/wieviel-fuettern\/\">Futteraufnahme<\/a> zeigt.<\/p>\n<h4>Diagnostik<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Regel werden betroffene Cham\u00e4leons leider sehr sp\u00e4t beim <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/tierarztbesuch-mit-chamaeleons\/\">reptilienkundigen Tierarz<\/a>t vorgestellt. Der <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/tierarztbesuch-mit-chamaeleons\/\">Tierarzt<\/a> untersucht das Tier und nimmt Tupfer von auff\u00e4lligen Hautbereichen, um sowohl Bakteriologie als auch Mykologie und Resistenztest einzuleiten. Auch wenn eine Pilzinfektion wahrscheinlich ist, kann eine sekund\u00e4re bakterielle Infektion betroffener Haut ohne Abstrich nicht ausgeschlossen werden. Bei weit fortgeschrittenen Mykosen kann eine Biopsie betroffener Hautareale in <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/tierarztbesuch-mit-chamaeleons\/\">Narkose<\/a> notwendig sein, um die Hautver\u00e4nderung von Tumoren abzugrenzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_9571\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9571\" class=\"size-medium wp-image-9571\" src=\"https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Mykose-Skelett-CANV-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Mykose-Skelett-CANV-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Mykose-Skelett-CANV-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Mykose-Skelett-CANV-420x280.jpg 420w, https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Mykose-Skelett-CANV-81x54.jpg 81w, https:\/\/www.madcham.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Mykose-Skelett-CANV.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-9571\" class=\"wp-caption-text\">Dieses Cham\u00e4leon starb an einer Infektion mit <em>Nannizziopsis dermatitidis<\/em> &#8211; zum Todeszeitpunkt waren selbst in Rippen und Wirbelforts\u00e4tzen\u00a0 Pilzgranulom zu finden<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht jeder Pilz, den man per Abstrich nachweisen kann, ist auch tats\u00e4chlich pathogen (krankmachend) f\u00fcr das Cham\u00e4leon. Daher sollte sowohl das Tupfern als auch die Auswahl eines geeigneten <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/tierarztbesuch-mit-chamaeleons\/\">Labors<\/a> und die Beurteilung des Ergebnisses stets durch einen reptilienkundigen Tierarzt erfolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Falle von CANV oder <em>Nannizziopsis dermatitidis<\/em> kann weitere Diagnostik in Form von R\u00f6ntgen-, Ultraschall- und Blutuntersuchungen sinnvoll sein. H\u00e4ufig hat dieser Pilz sich bis zur Vorstellung in der Tierarztpraxis l\u00e4ngst im gesamten K\u00f6rper des Cham\u00e4leons ausgebreitet. Man nennt dies einen systemischen Befall.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Therapie<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dermatomykosen haben nur dann gute Heilungschancen, wenn das Cham\u00e4leon bereits in einem fr\u00fchen Stadium beim reptilienkundigen <a href=\"https:\/\/www.madcham.de\/de\/tierarztbesuch-mit-chamaeleons\/\">Tierarzt<\/a> vorgestellt wird. Je kleiner das betroffene Hautareal, umso besser die Prognose. Die Behandlung von kleinen Hautarealen kann lokal mit einer oder mehrerer vom Tierarzt verschriebenen Salben erfolgen. Bei mehreren betroffenen Hautstellen oder gar systemischer Ausbreitung kann eine Behandlung mit oral eingegebenen Medikamenten notwendig werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pilzbehandlungen dauern in der Regel mehrere Wochen bis zu Monate und sollten erst beendet werden, wenn der behandelnde Tierarzt es f\u00fcr sinnvoll h\u00e4lt. Bei l\u00e4ngeren Behandlungsintervallen kann es notwendig sein, regelm\u00e4\u00dfig Blutuntersuchungen zur Kontrolle der Organwerte durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei CANV oder <em>Nannizziopsis dermatitidis<\/em> ist die Prognose leider grunds\u00e4tzlich ung\u00fcnstig. Ist die Erkrankung bereits fortgeschritten, kann sie in der Regel nicht mehr geheilt werden. H\u00e4ufig enden Infektionen bei Cham\u00e4leons bei <em>Nannizziopsis<\/em> mit massiven Einschr\u00e4nkungen der Lebensqualit\u00e4t durch schwere Organsch\u00e4den. Das Tier muss letztendlich eingeschl\u00e4fert werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mykose \u2013 was ist das? Mykose ist der Fachbegriff f\u00fcr eine Pilzinfektion. Bei einer Dermatomykose handelt es sich um eine Pilzinfektion, die sich nur auf die Haut beschr\u00e4nkt. Bei Organmykosen handelt es sich um einen Pilzbefall der inneren Organe des Tieres. Ursachen Fakultativ pathogene Pilzsporen sind immer in der Umgebung und auf der Haut des Cham\u00e4leons zu finden. Sie werden in der Regel erst dann zu einem Problem, wenn eine Erkrankung oder ein geschw\u00e4chtes Immunsystem vorliegt und dem Pilz g\u00fcnstige Bedingungen zum Wachstum bietet. M\u00f6gliche Gr\u00fcnde sind h\u00e4ufig suboptimale Haltungsbedingungen wie P\u00e4rchen- oder Gruppenhaltung von Einzelg\u00e4ngern, unzureichende Beleuchtung des Terrariums oder zu hohe Luftfeuchtigkeit in Kombination mit mangelnder Bel\u00fcftung. Auch alte Verbrennungen oder Narben vorhergegangener Verletzungen sind oft Ausgangspunkt von Pilzinfektionen. Bei Cham\u00e4leons wurden bisher unter anderem Aspergillus, Penicillium, Paecilomyces lilacinus, Phycomycetes, Mucor und Paecilomyces viridis nachgewiesen. Es gibt jedoch ein paar wenige Ausnahmen. Am bekanntesten sind ein Pilz, der aktuell den Namen Chrysosporium Anamorph von Nannizziopsis vriesii (Abk\u00fcrzung CANV) tr\u00e4gt, sowie Nannizziopsis dermatitidis und Metarhizium granulomatis (fr\u00fcher Chamaeleomyces). Bei diesen Pilzen sind in den letzten Jahren vermehrt auch gesunde Cham\u00e4leons betroffen. 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