Nierenerkrankungen
Leider sind Nierenerkrankungen bei Chamäleons sehr häufig. Warum das so ist, ist bisher nicht umfassend geklärt.
Ursachen
Es gibt sehr viele unterschiedliche Ursachen und Auslöser für Nierenerkrankungen bei Chamäleons. Gicht ist dabei eine der häufigsten. Sie ist gekennzeichnet durch einen dauerhaft erhöhten Harnsäurespiegel im Blut, der meist in Folge von Flüssigkeitsmangel und Über- und Fehlernährung mit einem Proteinüberschuss entsteht. Die Erkrankung wird hier in einem eigenen Artikel eingehend besprochen.
Etliche Vorerkrankungen wie Rachitis oder andere Osteomalazien (häufig zusammengefasst unter dem bekannteren Begriff metabolic bone diseases) können innere Organe, darunter die Nieren, langfristig schädigen. Ein Chamäleon, was als Jungtier unter einer Rachitis litt, kann später im Leben eher zu Nierenerkrankungen neigen. Auch ein chronischer Mangel an Vitamin A kann bestimmte Zellen der Nieren schädigen. Dieser Mangel kommt allerdings bei Chamäleons deutlich seltener vor als von Haltern oft angenommen.

Physiologische Farbe und Struktur der Nieren eines Furcifer pardalis
Verschleppte bakterielle Infektionen sind ebenfalls häufige Ursachen für Nierenerkrankungen bei Chamäleons. Abszesse, Maulfäule, Pododermatitis oder andere, zunächst lokal begrenzte bakterielle Infektionen werden bei Chamäleons häufig erst spät bemerkt. Je länger jedoch ein solcher Herd besteht, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Bakterien über Blutgefäße zu inneren Organen verschleppt werden. Eine sogenannte Bakteriämie, also Bakterien im Blut, kann sich dabei im schlechtesten Fall bis zu einer Sepsis, einer Blutvergiftung ausweiten. Diese kann zu massiven Organschäden unter anderem der Nieren führen.
Einige Pilzerkrankungen (Mykosen) können zu Granulomen in den Nieren führen.
Verschiedene Parasiten können in die Nieren wandern und dort zu massiven Entzündungen und Schäden führen. Zu den häufigsten Parasiten bei Chamäleons gehören Kokzidien, die in manchen Fällen zu Nierenkokzidiosen führen. Seltener befallen Einzeller wie bestimmte Geißeltierchen oder Amöben die Nieren.
Chronische Vergiftungen durch das wiederholte Fressen bestimmter Pflanzen können Nierenerkrankungen begünstigen. Viele Pflanzen in Chamäleonterrarien enthalten Oxalsäure, darunter der sehr häufig genutzte Ficus benjamini oder die teils sogar als Futterpflanze angebotene Callisia repens. Aufgenommene Oxalsäure wird im Körper des Chamäleons zu Calciumoxalat gebunden. Diese Oxalate können sich in den Nieren ablagern und dort zu Gewebeschäden führen. Es ist daher vorbeugend sinnvoll, bei Chamäleons, die sehr gerne Pflanzen fressen, solche Pflanzen aus dem Terrarium zu entfernen. In unserer Pflanzenliste ist aufgeführt, welche Pflanzen potenziell Giftstoffe enthalten können.
Deutlich seltener kommen bei Chamäleons andere Ursachen für Nierenerkrankungen vor, wie beispielswiese Nierenzysten, krankhafte Ablagerung von Kalziumsalzen im Nierengewebe (sogenannte Nephrokalzinose) oder Nierentumore.
Symptome – Was sind Anzeichen einer Nierenerkrankung?
Die ersten Anzeichen einer Nierenerkrankung entwickeln sich bei Chamäleons schleichend und anfangs noch subtil. Die Tiere werden ruhiger, bewegen sich weniger und wirken insgesamt schwächer. Später sinken die Augen ein, das Chamäleon beginnt abzumagern und Muskelmasse zu verlieren. Diese Symptome sind noch sehr unspezifisch und können auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten.
Viele Chamäleons entwickeln unter Nierenerkrankungen deutliche Kehlsacködeme, seltener Ödeme der Augenlider. Diese bestehen häufig nicht permanent, sondern kommen und gehen oft sehr variabel. Schließlich werden die Tiere immer apathischer, bis sie sich kaum noch von ihrem Ast bewegen. Wird ein Chamäleon von Hand getränkt, kann dem Halter manchmal auffallen, dass das Chamäleon zunehmende Wassermengen trinkt und trotz regelmäßiger Wasserversorgung ständig durstig zu sein scheint. Viele Chamäleons mit fortgeschrittenen Nierenerkrankungen stellen schließlich das Fressen ein.
Bei Gicht fallen verdickte, „knubbelige“ Gelenke auf. Die Gelenke sind schmerzhaft und schränken daher die Bewegung stark ein. Bei stark fortgeschrittener Gicht klettern Chamäleons nur noch wenig und bleiben stattdessen lieber über Stunden auf dem gleichen Ast sitzen. Im Endstadium lassen viele Chamäleons Arme und Beine vom Ast hängen, um die schmerzenden Gliedmaßen zu entlasten. Die sich verschlechternde Nierenfunktion führt auf Dauer zu einem stetig schlechter werdenden Allgemeinbefinden und Apathie.
Diagnostik und Therapie
Bei Verdacht auf eine Nierenerkrankung ist sobald wie möglich ein reptilienkundiger Tierarzt aufzusuchen. Dieser wird dem Chamäleon unter anderem Blut entnehmen, an Hand dessen er das Vorliegen einer Nierenerkrankung beurteilen kann. Bildgebende Verfahren (Röntgen, Ultraschall) sowie Kot- und Uratuntersuchungen können helfen, die Ursache für eine Nierenerkrankung zu finden und den aktuellen Stand der Erkrankung einzugrenzen.

Ein Ödem an der Vorderbrust in den Kehlsack ziehend bei einem Brookesia griveaudi
Die Behandlung von Nierenerkrankungen richtet sich vor allem nach der Ursache. Parasitäre oder bakterielle Nierenerkrankungen können medikamentös behandelt werden. Damit kann die Ursache behoben werden, was bei anderen Erkrankungen wie Gicht schwieriger und bei manchen Erkrankungen wie Nierenzysten leider gar nicht möglich ist. Die bereits vorhandenen Schäden im Nierengewebe können jedoch nicht mehr geheilt werden, da die Niere sich nicht regenerieren kann. Daher zielt die Therapie bei Nierenerkrankungen häufig vor allem auf eine Verbesserung der Lebensqualität des Chamäleons ab. Dazu können zum Einen bestimmte Medikamente genutzt werden.
Besonders wichtig bei einem nierenkranken Chamäleon ist zum Anderen die Wasserversorgung. Eine Tropftränke sollte jederzeit verfügbar sein, außerdem sollte das Terrarium mehrfach am Tag besprüht/beregnet werden. Ein Tränken per Pipette ist ebenfalls hilfreich. Oft muss Flüssigkeit auch beim Tierarzt per Spritze infundiert werden. Die Ernährung und Supplementierung des Chamäleons muss je nach Ursache der Nierenerkrankung ebenfalls optimiert werden.
Nierenerkrankungen führen fast immer zu einer dauerhaft notwendigen Behandlung des Chamäleons bis an sein Lebensende. Blutwerte sollten im Verlauf regelmäßig kontrolliert werden, um gegebenenfalls die Medikation individuell an den Krankheitsverlauf des Chamäleons anpassen zu können. Stellt man Nierenerkrankungen früh fest, kann dem betroffenen Chamäleon oft noch ein schönes Leben bereitet werden. Befindet sich das Chamäleon bereits im Endstadium eines Nierenversagens, ist apathisch und kann sich kaum noch bewegen, bietet der Weg zum Tierarzt zumindest eine schnelle Erlösung.


















