Tierarztbesuch mit Chamäleons

Filariose Furcifer pardalis

Viele Chamäleonhalter haben Angst, mit ihrem Pflegling überhaupt zum Tierarzt zu gehen. Überall wird im Internet verbreitet, ein Tierarztbesuch sei „purer Stress“. Den meisten Haltern dürfte der Ausspruch „ein krankes Chamäleon ist ein totes Chamäleon“ schon nach wenigen Monaten Chamäleonhaltung geläufig sein. Mit dieser Angst soll dieser Artikel ein wenig aufräumen.

Grundsätzlich eines vorneweg:

Ein krankes Chamäleon gehört IMMER zum reptilienkundigen Tierarzt. Die Tatsache, dass viele Chamäleons trotz Behandlung sterben, ist meist nicht einer falschen Behandlung oder gar einem „nicht behandelbaren“ Chamäleon geschuldet, sondern einer viel zu späten Vorstellung eines bereits längst todkranken Tieres.

Warum sterben viele Chamäleons so früh?

1. Chamäleons sind Wildtiere, auch wenn einige Arten seit vielen Generationen gezüchtet werden. Sie versuchen im Terrarium genau wie in der Natur, jegliche Anzeichen von Krankheiten zu verstecken und so lange wie nur irgend möglich „gesund“ auszusehen. Das heißt im Klartext: Bis wir als Halter erste Anzeichen einer Erkrankung erkennen, ist das Chamäleon meist schon länger krank. Zudem sind gerade erste, kleine Krankheitssymptome schwer zu erkennen, wenn man noch nicht allzu viel Erfahrung mit Chamäleons hat. Wartet man als Halter nun noch Tage, bei Reptilien leider gerne auch Wochen, kann die Vorstellung beim Tierarzt für das Chamäleon schlicht und ergreifend zu spät kommen. Jeder reptilienkundige Tierarzt bekommt ein solches Szenario mit verschiedensten Reptilien mit guter Regelmäßigkeit zu sehen.

2. Eine weitere Variante ist es, dass der Halter zwar bemerkt, dass etwas mit seinem Chamäleon nicht stimmt, aber erst einmal Fotos in Foren und soziale Netzwerke stellt, um andere Halter nach Behandlungstipps zu fragen. Leider wimmelt es im Internet von gut gemeinten, aber teils höchst gefährlichen Tipps von medizinischen Laien. Selbst ein Tierarzt kann in der Regel keine Ferndiagnose über ein Foto stellen.

Merke: Ein Chamäleon, das krank ist, sollte so schnell wie möglich beim Tierarzt vorgestellt werden. Auch Bissverletzungen, Verbrennungen und Wunden sind ein Fall für den Tierarzt und nicht für Dr. Google.

Der richtige Tierarzt

Der Haustierarzt für Hund und Katze ist in aller Regel nicht der richtige Ansprechpartner für ein krankes Chamäleon. Inzwischen gibt es jedoch in ganz Deutschland viele reptilienkundige Tierärzte, bei denen man in Notfällen auch kurzfristig Termine bekommen kann. Im besten Fall erkundigt man sich bereits vor Anschaffung des Chamäleons, wo reptilienkundige Tierärzte in der Nähe sind und schreibt sich zwei Adressen für den Krankheitsfall im Voraus auf.

In einigen Regionen müssen nach wie vor lange Anfahrtswege in Kauf genommen werden. Dies sollte im Zweifel aber nicht vom Besuch abhalten. Bei guten Transportbedingungen ist es kein Problem, ein Chamäleon auch über einen längeren Weg zu transportieren. Wir als Halter sind in der Pflicht und Verantwortung, unseren Chamäleons medizinische Versorgung im Falle einer Erkrankung zukommen zu lassen. Auch finanzielle Engpässe können und dürfen kein Grund sein, einem kranken Tier eine notwendige Behandlung zu verwehren. Im Notfall kann man Freunde und Verwandte um Hilfe fragen, Ratenzahlungen vereinbaren oder eine Zahlung auf Rechnung ausmachen. Wer jedoch von Vorneherein weiß, dass er keinerlei zusätzliches Geld neben den anfallenden Haltungskosten aufbringen kann, sollte grundsätzlich von der Anschaffung eines Chamäleons – aber auch jeden anderen Tieres – absehen.

 

Transport zum Tierarzt

Für den Transport in die Praxis sollte ein Chamäleon sicher untergebracht werden, wie es in diesem Artikel ausführlich beschrieben wird. Bitte bereits vor Einpacken des Tieres beim Tierarzt anrufen und nachfragen, ob der reptilienkundige Kollege vor Ort ist bzw. ein Termin frei ist. Damit spart man sich unnötige Transporte und Wartezeit vor Ort.

 

Der Tierarztbesuch selbst

Röntgenbild eines Chamäleons mit Pneumonie

In jedem Wartezimmer gibt es Möglichkeiten, die mitgebrachte Styroporbox sicher abzustellen, damit sie weder von der Anmeldung fällt noch vom Nachbarhund malträtiert wird. Bitte auf keinen Fall die Box im Wartezimmer öffnen, das Tier herausnehmen oder alle paar Minuten „nachschauen, wie es dem Chamäleon geht“ – das ist überflüssig. Die Luft in einer verschlossenen Styroporbox reicht mehrere Stunden aus. Gerade bei kranken Chamäleon sollte man nicht notwendige Störungen des Tieres vermeiden.

Im Behandlungszimmer wird der reptilienkundige Tierarzt dem Halter viele Fragen stellen und das Chamäleon zunächst von außen betrachten. Es kann einige Zeit dauern, bis er das Tier überhaupt anfasst. Bei der Untersuchung wird bei Reptilien weniger „gemacht“ als bei Hund und Katze, denn beispielsweise ein Fieberthermometer ist bei wechselwarmen Tieren wertlos – doch die Untersuchung ist genauso wichtig wie bei den üblichen Haustieren. Beim Betrachten und Untersuchen des Chamäleons gewinnt der Tierarzt wichtige Informationen zum Gesundheitszustand und eventueller Lokalisation der Problemzonen.

Punktat aus dem Bauchraum eines Chamäleons

Oft steht vor einer Diagnose weiter führende Diagnostik, um Krankheiten zu erkennen oder auzuschließen. Bei Chamäleons können viele Untersuchungen, beispielsweise Röntgenbilder, Blutentnahmen- und- untersuchungen oder Hautabstriche, beim Reptilienspezialisten genauso gemacht werden wie es der Haustierarzt bei Hund und Katze tut. Fragt nach, was ihr nicht versteht oder weshalb etwas gemacht werden soll – euer Tierarzt wird es euch sicher erklären. Viele Erkrankungen bei Chamäleons können heute gut behandelt werden. Selbst Operationen in Narkose oder die Langzeitbehandlung chronisch kranker Reptilien sind heute keine Ausnahme mehr. Angst vor einem Tierarztbesuch muss man also nicht haben, im Gegenteil.

Zusammengefasst gibt es drei Faktoren, die für einen erfolgreichen Tierarztbesuch wichtig sind:

  • ein aufmerksamer Halter, der erste Anzeichen einer Erkrankung erkennt und direkt einen Termin ausmacht
  • artgerechter Transport des Chamäleons
  • ein reptilienkundiger Tierarzt, der im besten Fall auch chamäleonkundig ist.

Und zum Schluss noch eine Bemerkung zu schwer kranken Tieren: Ist einem Chamäleon nicht mehr zu helfen, so kann der Tierarzt es zumindest von seinen Leiden erlösen. Der „natürliche“ Tod ist meist keinesfalls gnädig und schnell, sondern zieht sich qualvoll über Stunden und Tage. Ist also wirklich jegliche Therapie aussichtslos, sollte man seinem Pflegling wenigstens auf dem letzten Weg helfen und das Chamäleon vom Tierarzt einschläfern lassen.

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