Legenot

Legenot – was ist das?

Legenot beschreibt erst einmal die Tatsache, dass ein Weibchen legereife Eier nicht ablegen kann. Es gibt allerdings viele verschiedene Gründe, wie es dazu kommen kann.

Ursachen

Die Ursachen können ganz verschieden sein:

  • Die Eier sind zu stark calzifiziert.
  • Röntgenbild eines hochträchtigen Chamäleon-Weibchens

    Die Eier sind zu wenig calzifiziert: Vorsicht – ist das Tier überhaupt schon legebereit oder befinden sich die Eier eventuell noch in ihrer ganz normalen Entwicklung?

  • Die Eier weisen Anomalien auf, die die Ablage verhindern (zu groß, deformiert, zusammenklebende Eier).
  • Anatomische Anomalien des Chamäleons verhindern eine Ablage (Becken zu eng, Legedarm verlegt).
  • Andere Erkrankungen verhindern die Eiablage, z.B. eine metabolic bone disease oder ein Tumorgeschehen im Bauchraum.
  • Haltungsmängel verhindern, dass das Weibchen seine Eier vollständig ablegen kann.

Haltungsmängel

Haltungsmängel sind bei Chamäleons einer der Hauptgründe für Legenot. Deshalb wird auf die verschiedenen Möglichkeiten dabei hier näher eingegangen.

Zu reichliche Fütterung: Je mehr ein Weibchen gefüttert wird, desto schneller entwickelt es sich. Die Geschlechtsreife bei Chamäleons ist nicht abhängig vom Alter, sondern lediglich von der Körpergröße. Das bedeutet, dass schnelles Wachstum zu sehr früher Geschlechtsreife führen kann. Überfütterte, fette Tiere neigen grundsätzlich eher zu Erkrankungen als knapp gefütterte, gesunde Tiere. Dazu sorgt zuviel Futter dafür, dass ein Weibchen deutlich mehr Eier anbildet als gesund wäre. Aus der Terraristik sind Fälle von beispielsweise Jemenchamäleons mit Gelegen von 80 (!) Eiern bekannt, obwohl 20 Eier bereits ein guter Durchschnitt wären. Derart riesige Gelege zehren das Weibchen sehr auf, bei mehreren zu großen Gelegen sterben diese Tiere früher und neigen vermehrt zu Legenot.

Gemeinsame Haltung von Männchen und Weibchen auf begrenztem Raum begünstigt eine sehr frühe Ovulation (Eisprung). Da Chamäleons grundsätzlich Einzelgänger sind, begünstigt eine Paarhaltung auch dauerhaften negativen Stress, der beim legebereiten Tier eine Legenot mit verursachen kann.

Bodengrund: Einer der wichtigsten Punkte bei den Haltungsmängeln. Viele Halter kennen das Geschlecht ihres Tieres nicht oder vermuten ein Männchen, haben jedoch ein Weibchen im Terrarium. Weibchen benötigen je nach Art zur Ablage einen mindestens 20-30 cm hohen Bodengrund geeigneter Konsistenz. Bewährt haben sich Sand-Erde-Gemische oder reine Laubwalderde. Günstig wäre es außerdem, verschiedene Feuchtigkeitszonen und eine ausreichende Bepflanzung anzubieten. Heizmatten unter dem Bodengrund sind nicht zu empfehlen: In der Natur kühlt der Boden ab, je tiefer das Weibchen gräbt. Gräbt das Tier und der Boden wird wärmer, kann es dazu führen, dass das Weibchen die Grabung abbricht.

Störungen: Ein weiteres wichtiges Problem bei der Ei-Ablage. Chamäleons bevorzugen ungestörte Plätze zum Graben, während der Halter gerne möglichst oft vorbeischauen will, ob das Tier „schon soweit ist“. Damit das Weibchen ungestört ablegen kann, sollte jedes Hantieren im Terrarium vermieden werden. Es macht keinen Sinn, das Weibchen auf den Boden oder in einen Eimer mit Erde zu setzen, wenn es ablegen soll, sondern stört das Tier vielmehr.

Furcifer pardalis-Weibchen im Habitat am Graben...

Furcifer pardalis-Weibchen im Habitat am Graben…

Supplementierung und Ernährung: Eine Legenot kann auch durch v.a. einen Mangel an Kalzium entstehen. Für den Aufbau der Eischalen braucht das Weibchen in der Trächtigkeit mehr Kalzium, das über das Futter supplementiert werden muss. Kalzium allein, das man über Futter zugibt, kann man nicht überdosieren! Solange der Vitamin D3-Spiegel physiologisch ist, wird ein Zuviel an Kalzium unverändert wieder über den Darm ausgeschieden. Für einen physiologischen Vitamin D3-Spiegel ist die Bestrahlung mit UVB unverzichtbar, aber auch Supplementierung von Vitamin D3. Bei der Eiblage benötigt das Weibchen Kalzium zur Muskelkontraktion. Fehlt es ihr daran, können zum einen die Eier schlecht kalzifiziert sein und so ein mechanisches Hindernis bilden oder das Weibchen hat nicht mehr genug Vorräte, um die Eier auch abzulegen.

Symptome – Was sind Anzeichen einer Legenot?

Wichtig ist, die durchschnittliche Trächtigkeitszeit der jeweiligen Art zu kennen. Viele Weibchen werden zuerst unruhig, beginnen wie gewohnt mit Grabetätigkeiten, stellen diese dann aber nach wenigen Tagen wieder ein, ohne Eier gelegt zu haben. Besonders unerfahrene, junge Weibchen machen viele Probegrabungen, bevor sie tatsächlich Eier legen – das ist normal und nicht mit einer abgebrochenen Grabung zu verwechseln. Liegt das Weibchen sowieso schon erheblich über dem üblichen Ablagetermin, ist dann dringend ein Gang zum Tierarzt angeraten. Auch einzeln im Terrarium verstreute, nicht vergrabene Eier können ein Anzeichen für eine Legenot sein. Bei einer erst spät erkannten Legenot ist das Weibchen oft schon sehr geschwächt, hat eingefallene Augen, ist sehr dunkel gefärbt, bewegt sich deutlich weniger und schließt immer mal wieder die Augen. Sollte ein Tier bereits so schlecht beisammen sein, sollte der Notdienst eines reptilienkundigen Tierarztes konsultiert werden – hier zählt jede Minute.

...und bei der Eiablage.

…und bei der Eiablage.

Therapie

Es gibt verschiedene Wege, eine Legenot zu therapieren. Bei allen sollte auf jeden Fall so schnell wie möglich mit dem Chamäleon ein reptilienkundiger Tierarzt aufgesucht werden. Dieser wird ein Röntgenbild anfertigen, um beurteilen zu können, wieviele Eier sich noch im Tier befinden und ob es dem Weibchen überhaupt möglich ist, diese auf natürlichem Wege abzulegen.

Die gängigsten Therapiemöglichkeiten sind eine Operation zur Entfernung der Eier oder ein konservativer Versuch mit der Gabe von Kalzium und Oxytocin (einem Hormon). Welcher Weg für das Chamäleon möglich ist, hängt vom Allgemeinzustand des Tieres und anderen Faktoren ab. Der Tierarzt wird entsprechend beraten und vorgehen.

Wichtig:

Legereife Eier, die in der Bauchhöhle verbleiben und nicht entfernt werden, führen über kurz oder lang leider unweigerlich zum Tod des Tieres. Eine Therapie ist also zwingend nötig!

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