Parasiten

Milben an Furcifer petteri

Parasiten sind ein häufig vorkommendes Problem bei Chamäleons, insbesondere bei Wildfängen oder Nachzuchten aus großen Beständen. Ganz grundsätzlich unterscheidet man zwischen Endoparasiten, die das Innere eines Chamäleons besiedeln, und Ektoparasiten, die sich nur auf der Haut des Tieres befinden. Parasiten sind unterschiedlich „krankmachend“ für Chamäleons: Die einen sind sehr schädlich bereits bei geringem Befall, die anderen eher harmlos. Die wenigsten Endoparasiten kann man übrigens mit dem bloßen Auge im Kot erkennen.

Dieser Artikel soll eine Übersicht über die bei Chamäleons vorkommenden Parasiten, deren Übertragung und Lebensweise geben. Behandlungsmöglichkeiten werden hier nicht empfohlen, da sowohl Diagnostik als auch Behandlung eines Parasitenbefalls immer mit einem reptilienkundigen Tierarzt abgesprochen werden sollte. Fast alle der hier vorgestellten Endoparasiten können bei Kotuntersuchungen nachgewiesen werden. Aber Vorsicht: Wurde nichts im Kot gefunden, bedeutet das nicht automatisch, dass das Chamäleon frei von Parasiten ist! Viele Parasitenstadien werden nicht ständig über den Kot ausgeschieden. Eine einzige Kotprobe reicht also nicht aus, um Endoparasitenbefall auszuschließen.

Endoparasiten

Kokzidien

Kokzidien-Oozysten unter dem Mikroskop

Eimeria-Oozysten im Kot von Furcifer pardalis

Das Schreckgespenst der Chamäleonhaltung: Jede zweite größere Haltung hat Probleme mit Kokzidien. Kokzidien sind Einzeller. Man unterscheidet Eimeria spp. und Isospora ssp. sowie Cryptosporidien. Die infektiösen Stadien der Kokzidien nennt man sporulierte Oozysten. Oozysten sind im Kot infizierter Chamäleons in großen Mengen vorhanden. Setzt das infizierte Chamäleon also Kot ab, landen in der Umgebung auch eine Menge für das menschliche Auge unsichtbare Kokzidien-Oozysten. Sie können an Ästen kleben, über die das Chamäleon seine Kloake gerieben hat, an Laub oder Erde, auf die der Kot gefallen ist. Insekten, die über den Kot laufen, können die Oozysten weiter herumtragen. Das nächste Chamäleon infiziert sich an diesen Oozysten, indem es ein solches Insekt frisst, versehentlich ein Blatt mit Oozysten aufnimmt oder über einen Ast leckt. Sogar beim Schlupf kann sich ein Chamäleon bereits infizieren: Nämlich dann, wenn das Muttertier während der Eiablage Kokzidien-Oozysten in seiner Kloake hatte. Dort gelangen die Oozysten auf die Eischale und später während des Schlupfes ans Jungtier. Auch die Infektion über kontaminiertes Trinkwasser oder Gegenstände, an denen Oozysten kleben, ist möglich.

Die Kokzidien-Oozysten werden letztlich herunter geschluckt und gelangen in den Darm. Dort entlassen sie die sogenannten Sporocysten. Die Sporocysten geben Unmengen von Sporozoiten frei. Diese wiederum können in die Schleimhaut des Chamäleondarms eindringen. Von dort wandern sie zu dem Körpergewebe, in dem sich die jeweilige Art von Kokzidie weiter entwickelt. Bei Choleoeimeria sind das beispielsweise Gallengang und Gallenblase, bei anderen Kokzidien sind es die Nieren. Die Sporozoiten sorgen nun für die Vermehrung der Kokzidien: Sie werden zum Trophozoit, dann zum Schizont, der dann Merozoiten entlässt. Das sind alles Namen für bestimmte Entwicklungsstadien der Kokzidien, die aber für das Chamäleon letztlich gar nicht so interessant sind. Eigentlich sind vor allem die Merozoiten wichtig, denn diese infizieren entweder weitere Darmzellen oder entwickeln sich zu Gameten, die zu zweit je eine neue Oozyste bilden. Diese Oozysten werden über den Darm mit dem Kot des Chamäleons ausgeschieden. Damit beginnt der Zyklus der Parasiten wieder von vorne.

Choleoeimeria-Oozysten im Kot eines Brookesia stumpffi

Oft limitiert eine Kokzidieninfektion sich selbst: Bei ausgewachsenen Chamäleons entsteht vielmals eine stabile Immunität, bei der die Tiere keinerlei Anzeichen einer Erkrankung zeigen. Unter Stress wie Paarung, Ortswechsel oder suboptimalen Haltungsbedingungen können Kokzidien sich jedoch besonders gut vermehren. Dann können sie zu schweren Erkrankungen, unter anderem mit Darmentzündungen und Durchfall, führen. Da jedes Chamäleon im Laufe seines Lebens Erlebnisse erfährt, die zu einer Vermehrung des Kokzidienbefalls führen können, sollten Kokzidien nie als harmlos betrachtet werden.

Kokzidien-Oozysten von Eimeria und Isospora sind leider extrem langlebig. Unter günstigen Bedingungen bleiben sie über ein Jahr lang infektiös. Damit die Oozysten sporulieren und infektiös werden, benötigen sie Feuchtigkeit und warme Temperaturen. Optimal für die Sporulation sind 25-30°C, unter 10°C sistiert die Entwicklung. Bei über 35°C werden die Oozysten geschädigt, man kann sie also mit Hitze abtöten. Cryptosporidien sind sogar noch widerstandsfähiger. Sie überleben Kälte bis -20°C und Hitze bis 65°C. Bei 5°C können sie bis zu fünf Jahre (!) infektiös bleiben. Man kann Cryptosporidien aber mit >70°C über 10 Minuten abtöten. Gegen die meisten chemischen Desinfektionsmittel sind Kokzidien resistent. Sterilium, das man zur Händedesinfektion beim Menschen verwendet, oder die im Zoohandel gängigen Desinfektionsmittel für Terrarien sind gegen Kokzidien leider nutzlos. Ammoniak oder p-Chlor-m-Kresol ist auf Grund seiner gesundheitsschädigenden Wirkung nur in Absprache mit dem Tierarzt einzusetzen. Die hohe Resistenz gegenüber „einfacheren“ Desinfektionsmöglichkeiten und mangelnde Quarantäne sind wahrscheinlich Gründe, weshalb Kokzidien in der Chamäleonhaltung leider sehr weit verbreitet sind.

Isospora

Isospora-Oozyste unter dem Mikroskop

Vorsicht: Kokzidien stellen in begrenztem Rahmen eine Zoonose da. Das heißt, sie können theoretisch vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Bei immungeschwächten Menschen (Kinder, Schwangere, Alte oder Kranke) können Cryptosporidien beispielsweise zu schweren Durchfällen führen. Praktisch kommt das in der Chamäleonhaltung eher nicht vor, weil die häufig gefundenen Arten relativ wirtsspezifisch sind. Trotzdem empfiehlt es sich vorsichtshalber, bei Chamäleons mit Kokzidien- und Cryptosporidienbefall auf sehr gute Handhygiene zu achten.

Amöben

Amöben sind eine sehr große Gruppe von Einzellern. Nur ganz wenige sind krankmachend für Chamäleons, darunter Entamoeba invadens. Diese Amöbe ist hoch infektiös, das heißt, sie verbreitet sich extrem leicht. Die Vermehrungsstadien von Amöben nennt man Zysten. Diese Zysten sind im Kot infizierter Chamäleons in großer Zahl vorhanden. Infizierte Chamäleons koten in die Umgebung, wobei zum Beispiel Äste, Insekten oder einfach Bodengrund mit den Zysten in Kontakt kommen. Das nächste Chamäleon infiziert sich, in dem es diese Zysten aus der Umgebung aufnimmt, zum Beispiel beim Zungentest oder wenn es ein Insekt schießt, das zuvor über den Kot gelaufen ist. Die fürs menschliche Auge unsichtbaren Zysten werden abgeschluckt und landen schließlich im Dickdarm des Chamäleons. Dort entwickeln sie sich zum sogenannten Trophozoiten. Das ist das Lebensstadium der Amöbe, in der sie sich vermehren kann. Entamoeba invadens dring in die Wand des Dickdarms ein. Davon kann das Chamäleon schwere blutige Darmentzündungen bekommen. Dies führt wiederum zu Abmagerung, Austrockung, teils sogar zu langsamen Absterben von Darmteilen. Über kleine Blutgefäße in den Darmwänden gelangen die Amöben über den Blutstrom in andere Organe wie Leber und Nieren. Auch dort sorgen sie für schwere Entzündungen, im fortgeschrittenen Stadium schließlich zum Versagen des jeweiligen Organs. Die infektiösen Zysten verlassen das kranke Chamäleon derweil ständig mit dem Kot. Die gesamte Erkrankung nennt man Amöbiasis.

Es geht aber auch anders: Einige Chamäleons haben ein so gutes Immunsystem, dass die Amöben lediglich im Dickdarm überleben. Diese Chamäleons werden also nicht sofort mit der Amöbeninfektion krank. Kommt es jedoch zu einem späteren Zeitpunkt im Leben des Chamäleons zu einer eingeschränkten Immunkompetenz, beispielsweise durch Stress wie einen Ortswechsel oder eine Verpaarung, nutzen die Amöben das aus. Sie vermehren sich dann schlagartig und sorgen für die bereits erklärte Amöbiasis.

Da Entamoeba invadens sich optimal bei 27-29°C Körpertemperatur entwickelt, sind nur Reptilien von diesen Amöben betroffen. Menschen können von anderen Amöben die sogennante Amöbenruhr (schlimmen Durchfall) bekommen, nicht aber von Entamoeba invadens. Dieser Parasit ist also für Chamäleons gefährlich, für Menschen aber nicht. Amöbenzysten überleben mindestens acht Tage im Erdboden und können durch Futterinsekten oder an Gegenständen anhaftend verschleppt werden. Entamoeba invadens kann in Kot-Nativpräparaten und per PCR im Kot nachgewiesen werden. Die Zysten können mit kochendem Wasser abgetötet werden.

Flagellaten

Flagellaten sind ein Überbegriff für eine ganze Reihe von Einzellern. Teilweise werden sie ganz ohne Erkrankung im Kot eines Chamäleons gefunden. Andere sind behandlungsbedürftig, weil sie zu Erkrankungen führen können, auch wenn aktuell keine am Tier sichtbar ist. Das Chamäleon infiziert sich oral durch die Aufnahme von Zysten aus der Umgebung bzw. über die beweglichen, vegetativen Stadien aus Kot und Urat. Befallen werden beispielsweise bei Monocercomonas spp. (gehören zu den Trichomonaden) oder Hexamita spp. unter anderem Urogenitaltrakt, Leber und Lunge. Bei schwerem Befall eines geschwächten Tieres kann es auch zu Verdauungsproblemen kommen.

Microsporidien

Microsporidien sind bei Chamäleons eher selten ein Problem, können bei Befall aber zum Tod des Tieres führen. Meist ist die Gattung Pleistophora zu finden. Die Infektion erfolgt per Tröpfcheninfektion oder über die Luft, über Sporen oder bei lebendgebärenden Tieren direkt im Legedarm vom Weibchen zum Nachwuchs. Die zystenartigen Sporen dieser Einzeller finden sich in Muskeln und anderen Geweben. Diese Parasiten sind obligat intrazellulär, das heißt sie überleben nur innerhalb einer Zelle. Microsporidien sind gut mit Hitze über 70°C, 10%igem Formalin oder 70%igem Alkohol abzutöten.

Trematoden (Saugwürmer)

Trematoden unter dem Mikroskop

Trematoden unter dem Mikroskop

Unter den Saugwürmern sind vor allem die Spirorchiidae krankmachend. Chamäleons infizieren sich mit Saugwürmern durch die Aufnahme von Parasitenstadien über das Maul. Die Würmer können sehr kleine Blutgefäße verstopfen. Das kann im schlechtesten Fall zum Absterben betroffener Organteile führen. Saugwürmer kommen nur sehr selten bei Chamäleons vor. Meist sind Wildfänge betroffen. Das liegt vor allem daran, dass die meisten Saugwürmer einen Zwischenwirt, beispielsweise eine Schnecke oder einen anderen Wirbellosen, benötigen – manche sogar zwei. Der Zwischenwirt wird vom Chamäleon gefressen und erst damit kann eine Infektion des Chamäleons stattfinden.

Cestoden (Bandwürmer)

Bandwürmer sind Zwitter, die aus Scolex, Hals und Strobila aus Proglottiden bestehen. Jede Proglottide ist zwittrig mit Geschlechtsorganen ausgestattet. Die ausgewachsenen Parasiten leben meist im Darm, einige Arten auch in der Gallenblase. Metacestoden besiedeln auch andere Organe. Für Echsen wichtig sind vor allem die Pseudophyllidae, die zwei Zwischenwirte für ihre Entwicklung benötigen. Sie sind daher bei Chamäleon-Nachzuchten im Terrarium nicht anzutreffen, aber hin und wieder bei Wildfängen vorhanden.

Nematoden (Faden- oder Rundwürmer)

Heterakis ssp. unter dem Mikroskop

Heterakis ssp. im Kot von Furcifer pardalis

Nematoden vermehren sich sexuell. Sie weisen vier Larvenstadien (L1 bis L4) sowie ein präadultes Stadium (L5) auf, das zum adulten Parasit reift. Zwischen L1 und L4 häuten sich Nematoden viermal. Bemerkenswert ist die Fähigkeit zur Hypobiose, d.h. sie können eine „Ruhepause“ einlegen, in der keine Vermehrung oder Entwicklung stattfindet und während der entsprechend natürlich auch keine Eier oder Larven mit dem Kot ausgeschieden werden. Trotzdem sind die Parasiten in dieser Zeit noch im Chamäleonkörper und können bei erneuter Aktivität auch wieder Nachwuchs produzieren.

Nematoden: Rhabditis spp.

Unidentifizierte Fadenwürmer im Kot eines Erdchamäleons: Links zwei Eier, das rechte davon mit Larve darin, rechts ein ganzer Wurm

Das Chamäleon kann sich oral über infektiöse L3 aus dem Kot eines anderen Chamäleons infizieren, das passiert jedoch sehr selten. Meistens wandern stattdessen die Larven aus dem Kot aus und dringen über die Haut in ein anderes Tier ein. Von dort wandern die Rhabditiden über die Unterhaut in Blutgefäße, von wo sie mit dem Blutstrom in die Lunge gelangen. Hier kann es zur Schleimbildung, Lungenentzündung und Atembeschwerden kommen, es ist aber auch ein symptomloser geringer Befall möglich. Die Wanderung geht weiter über den Rachen, Speiseröhre und Magen zum Dünndarm, wo die Entwicklung abgeschlossen wird und die Weibchen parthenogenetisch (ohne ein Männchen) Eier produzieren oder es zu sexueller Fortpflanzung kommt. Einige Larven wandern allerdings in Gewebe und Organe und gehen in Hypobiose. Zu Problemen kommt es meist bei mangelnder Hygiene durch suboptimale Haltung, hohen Temperaturen und hoher Feuchtigkeit. Die Chamäleon-Eier können bei Ablage auch infiziert werden.

Nematoden: Strongylidae

Auch bei den Strongylidae wandern die Parasiten aus dem Kot eines infizierten Chamäleons aus und dringen dann in die Haut eines anderen Chamäleons ein. Nicht alle Strongylidae sind gleich krankmachend. Die Parasiten leben beim Chamäleon im Darm, aber auch frei in Körperhöhlen, Lungen, Nase oder in der Unterhaut. Im Gegensatz zu allen anderen Nematoden sind Strongylidae leider nur sehr schwierig zu behandeln.

Nematoden: Spirurida (Rollschwänze)

Diese Nematoden leben im Magen, oft in den Wänden des Magens. Da sie einen Gliederfüßer (beispielsweise ein Insekt oder einen Tausendfüßler) als Zwischenwirt benötigen und dieser zur Infektion vom Chamäleon gegessen werden muss, sind sie nicht allzu häufig anzutreffen. Wildfänge sind ab und zu betroffen, Nachzuchten nicht.

Filariose Furcifer pardalis

Filarie in der Unterhaut eines jungen Furcifer pardalis in Akanin’ny Nofy

Nematoden: Filarioidea (Filarien)
Mikrofilarie im Blutausstrich von Furcifer pardalis

Mikrofilarie im Blutausstrich von Furcifer pardalis

Filarien können von wenigen Millimetern bis zu 8 cm lang werden. Sie werden von Stechmücken übertragen, so dass diese Erkrankung fast nur Wildfänge betrifft, die bereits infiziert importiert werden. Es ist allerdings nicht mit absoluter Sicherheit auszuschließen, dass nicht auch heimische Stechmücken Filarien von Chamäleon zu Chamäleon transportieren könnten. Die ausgewachsenen Parasiten im Darm heißen Makrofilarien, die L1 im Blut nennt man Mikrofilarien. Die Blutparasiten wandern mit dem Blut durch verschiedene Körperorgane und entwickeln sich dabei weiter. Ausgewachsen wandern die Makrofilarien dann in Körperhöhlen, Lunge oder in die Unterhaut. Unter der Haut kann man sie als kleine, sich bewegende Würmer sehen, die bei leichtem Fingerdruck oft wieder verschwinden. In der Regel führen Filarien nicht zu einer Erkrankung, bei Massenbefall können aber Blutgefäße verstopfen oder die Wanderung der Makrofilarien zu Bauchfellentzündungen führen. Beim Chamäleon ist insbesondere Foleyella furcata recht häufig bei Wildfängen zu finden. Die Behandlung ist leider bisher eher schwierig.

Nematoden: Ascaridida (Spulwürmer)
Spulwürmer

Spulwürmer aus der Bauchhöhle eines Pantherchamäleons

Wenn ein infiziertes Chamäleon das erste Larvenstadium (L1 im Ei) mit seinem Kot ausscheidet, entwickeln sich die Larven bei guter Feuchtigkeit und Wärme (optimal sind 22-25°C wie im Terrarium) zur infektiösen L3 als Parasitenei im Kot weiter. An diesen Parasiteneiern infizieren sich dann widerum andere Chamäleons. Die infektiöse Larve schlüpft im Dünndarm und entwickelt sich zu einem bis 12 cm langen, gelblichen Wurm. Spulwürmer unternehmen Wanderungen außerhalb des Dünndarms. Bei Echsen allgemein kommen die Arten Diaphanocephaloidea, Oswaldocruzia, Kalicephalus, Ophiotaenia, Proeocephalus und Crepidobohyrium vor, bei Chamäleons ab und zu Heterakis. Die Parasiten können im Darm zu blutigen Geschwüren und Verstopfung durch einen Massenbefall führen, die Darmwand perforieren und sogar Teile des Darms nekrotisieren (absterben lassen). Einige infiltrieren auch die Haut. Bei Chamäleons kann ein unbehandelter Spulwurmbefall schnell tödlich enden. Die Eier sind leider extrem langlebig und werden daher gerne unbemerkt von Menschenhand von Terrarium zu Terrarium getragen. Die Behandlung des Chamäleons  ist einfach und gut verträglich.

Nematoden: Oxyurida (Pfriemenschwänze)

Oxyuren kommen in der Terraristik sehr häufig vor, sind stark wirtsspezifisch und beim Tierarzt sehr gut zu behandeln. Die Infektion des Chamäleons erfolgt mittels oraler Aufnahme larvenhaltiger Eier aus dem Kot eines anderen Chamäleons. Die infektiöse L3 schlüpft im Darm und entwickelt sich dort weiter, bis die Weibchen selbst Eier legen, die mit dem Kot des Chamäleons ausgeschieden werden. Krankmachend für Chamäleons sind Oxyuren nur bei massivem Befall, oft bleiben sie bis zur ersten Kotprobe unentdeckt. Oxyuren-Eier bleiben im Terrarium über Monate infektiös und werden damit besonders gerne versehentlich von Tier zu Tier „verschleppt“.

Oxyuris Furcifer pardalis

Oxyuren-Ei im Kot von Furcifer pardalis

Nematoden: Capillaria (Haarwürmer)

Haarwürmer infizieren das Chamäleon oral mit Eiern, aus denen infektiöse L1 schlüpfen. Die Eier entwickeln sich nur bei hoher Feuchtigkeit und etwa 20-24°C. Bei einigen Arten nehmen Regenwürmer die Eier auf, die L1 schlüpft, wandert ins Gewebe des Wurms und entwickelt sich erst dort zur für den Endwirt infektiösen Larve. Capillaria leben im Dünndarm des Chamäleons und werden bis 8 cm lang. Die Eier überleben Temperaturschwankungen bis -7°C und +12°C über zwei Wochen gut.

 

Ektoparasiten

Acari (Milben und Zecken)

Milben an Furcifer petteri

Milben in der Achselhöhle eines Furcifer petteri-Weibchens im Montagne d’Ambre

Milben und Zecken gehören zu den Spinnentieren und entwickeln sich aus einem Ei zur Larve und über eine bestimmte Zahl von Nymphen zum adulten Parasiten. Die Larven haben drei Beinpaare, die adulten vier. Bei einigen Arten schlüpft bereits eine Nymphe aus dem Ei. Zwischen den verschiedenen Stadien liegt jeweils eine Häutung sowie eine Blutmahlzeit.

Milben

Milben sind beißend-saugende Spinnentiere, die sich am liebsten um die Augen, in Hautfalten wie der Achselhöhle und um die Kloake eines Chamäleons auffinden lassen. Die meisten Milben sind 0,2-2 mm groß und dunkelbraun bis rötlich gefärbt. Man kann sie mit bloßem Auge bei genauem Hinschauen oder mit einer Lupe als kleine rote Punkte gut erkennen. Bei sehr starkem Befall kann es zur Anämie (Blutarmut) kommen, auch Juckreiz kommt vor. Auf Madagaskar findet man Milben recht häufig an Chamäleons.

Milben in der Achsel eines Furcifer rhinoceratus in Ankarafantsika

Zecken

An Echsen sitzen meistens Zecken der Gattung Ixodidae (Schildzecken), die ein Rückenschild aus Chitin besitzen. Mit dem Haller’schen Organ in den Tarsen des ersten Beinpaares kann die Zecke potenzielle Wirte erkennen. Die Entwicklung der Schildzecken erfolgt über das Ei, ein Larven- und ein Nymphenstadium zum adulten Tier. Nach einer Blutmahlzeit kann die Zecke eine lange Hungerphase überleben, Larven und Männchen einiger Arten kommen ohne Blut aus. Vollgesogene Weibchen können bis zu 3 cm lang werden. Zeckenbefall kann bei Außenhaltung auftreten, scheint in der Chamäleonhaltung aber so gut wie nicht vorzukommen.

Hirudinea (Blutegel)

Blutegel gibt es auf Madagaskar häufig, sie befallen scheinbar jedoch sehr selten mal Chamäleons. Leider gibt es bisher keinerlei Forschung zum Vorkommen von Blutegeln bei Chamäleons. Bei Nachzuchten in Europa sind Blutegel quasi nicht existent.

 

Digiprove sealCopyright secured by Digiprove