Parasiten

Parasiten sind ein sehr häufig vorkommendes Problem bei Chamäleons, insbesondere bei Wildfängen und Nachzuchten aus großen Tierbeständen. Ganz grundsätzlich unterscheidet man zwischen Endoparasiten und Ektoparasiten. Endoparasiten sind solche, die das Innere eines Chamäleons besiedeln. Ektoparasiten befinden sich dagegen nur auf der Haut des Chamäleons. Parasiten sind unterschiedlich „krankmachend“ für Chamäleons: Einige sind sehr schädlich bereits bei geringem Befall, andere lange harmlos.

Dieser Artikel soll eine Übersicht über die bei Chamäleons am häufigsten vorkommenden Parasiten, deren Übertragung, Lebensweise und Nachweis geben. Behandlungsmöglichkeiten werden hier nicht empfohlen, da sowohl Diagnostik als auch Behandlung eines Parasitenbefalls immer mit einem reptilienkundigen Tierarzt abgesprochen werden sollte.

Inhaltsverzeichnis

Wie stellt man fest, ob ein Chamäleon Parasiten hat?

Bei Ektoparasiten ist es recht einfach: Man sieht sie mit dem bloßen Auge. Kleine, rote Knubbel in den Achseln oder eine dicke Zecke auf der Nase. Bei Endoparasiten ist es leider nicht so einfach. Die meisten Parasiten-Eier sieht man im Kot gar nicht. Und werden bereits ganze Würmer ausgeschieden, ist die Erkrankung in aller Regel schon sehr weit fortgeschritten. So weit sollte man es gar nicht erst kommen lassen!

Fast alle der hier vorgestellten Endoparasiten können schon früh bei Kotuntersuchungen beim Tierarzt oder der Tierärztin nachgewiesen werden. Aber Vorsicht: Wurde nichts im Kot gefunden, bedeutet das nicht automatisch, dass das Chamäleon frei von Parasiten ist! Viele Parasitenstadien werden nicht ständig über den Kot ausgeschieden. Eine einzige Kotprobe reicht also nicht aus, um Parasitenbefall auszuschließen. Hat man ein Chamäleon in Quarantäne, sind mindestens zwei, besser drei Kotuntersuchungen zum Ausschluss oder Nachweis von Parasitosen sinnvoll.

Endoparasiten

Kokzidien

Oozysten von Eimeria vencesi im Nativkotausstrich von Furcifer pardalis, 100fache Vergrößerung

Das Schreckgespenst der Chamäleonhaltung: Jede zweite größere Haltung hat Probleme mit Kokzidien. Kokzidien sind Einzeller. Aktuell weiß man von über 20 verschiedenen Arten, die bei Chamäleons parasitieren können. Die wichtigsten Gattungen sind Choleoeimeria, Eimeria und Isospora. Kokzidien gehören entgegen anderslautender Gerüchte nie zur normalen Darmfauna eines Chamäleons.

Lebenszyklus

Die infektiösen Stadien der Kokzidien nennt man sporulierte Oozysten. Oozysten sind im Kot infizierter Chamäleons in großen Mengen vorhanden. Setzt das infizierte Chamäleon also Kot ab, landen in der Umgebung auch eine Menge für das menschliche Auge unsichtbare Kokzidien-Oozysten. Sie können an Ästen kleben, über die das Chamäleon seine Kloake gerieben hat, an Laub oder Erde, auf die der Kot gefallen ist. Insekten, die über den Kot laufen, können die Oozysten weiter herumtragen. Das nächste Chamäleon infiziert sich an diesen Oozysten, indem es ein solches Insekt frisst, versehentlich ein Blatt mit Oozysten aufnimmt oder über einen Ast leckt. Sogar beim Schlupf kann sich ein Chamäleon bereits infizieren: Nämlich dann, wenn das Muttertier während der Eiablage Kokzidien-Oozysten in seiner Kloake hatte. Dort gelangen die Oozysten auf die Eischale und später während des Schlupfes ans Jungtier. Auch die Infektion über kontaminiertes Trinkwasser oder Gegenstände, an denen Oozysten kleben, ist möglich.

Oozysten von Choleoeimeria brookesiae im Nativkotausstrich eines Brookesia stumpffi, 400fache Vergrößerung

Die Kokzidien-Oozysten werden letztlich heruntergeschluckt und gelangen in den Darm des Chamäleons. Dort entlassen sie bestimmte Parasitenstadien, die in die Schleimhaut des Darms eindringen und diese zerstören. Choleoeimeria sitzen lieber in der Gallenblase, um dort Schaden anzurichten. Über einen relativ komplizierten Zyklus entwickeln die Kokzidien bestimmte Parasitenstadien, die sich vermehren können. Danach werden Oozysten über den Darm des Chamäleons mit dem Kot ausgeschieden. Damit beginnt der Zyklus der Parasiten wieder von vorne.

Von der Aufnahme von Kokzidienoozysten bis zum Ausscheiden neuer Oozysten dauert es im Chamäleon ungefähr drei Wochen bei Isospora und fünf Wochen bei Choleoeimeria.

Welche Probleme bekommt das Chamäleon von Kokzidien?

Kokzidien kommen sowohl in der Natur als auch in der Terraristik bei Chamäleons vor. Die durch die Kokzidien geschädigte Darmschleimhaut funktioniert oft nicht mehr richtig. Das führt häufig zu Durchfall. Das Chamäleon trocknet aus, obwohl es normal oder sogar mehr als sonst trinkt. Choleoeimeria können zu vergrößerter Gallenblase und verstopftem Gallengang führen, was beides schmerzhaft ist. Langfristig kann ein unbemerkter Kokzidienbefall zu schweren Nierenerkrankungen führen.

Für Jungtiere sind Kokzidien besonders gefährlich. Sie sterben meist innerhalb kurzer Zeit an Kokzidien. Dabei kann es ganze Gelege treffen, deren Jungtiere innerhalb weniger Wochen nach und nach versterben.

Oozysten von Choleoeimeria ssp. und Trematodenei im Nativkotausstrich eines Chamäleons, 400fache Vergrößerung

Bei ausgewachsenen Chamäleons entsteht manchmal bei bestimmten Kokzidien-Arten ein symptomloser Befall. Die Tiere zeigen dann keine Anzeichen einer Erkrankung. Manchmal fällt nur Gewichtsverlust auf. Unter Stress wie Paarung, Ortswechsel oder suboptimalen Haltungsbedingungen können Kokzidien sich jedoch besonders gut vermehren. Dann können sie auch bei diesen Chamäleons zu schweren Erkrankungen führen. Da jedes Chamäleon im Laufe seines Lebens Erlebnisse erfährt, die zu einer Vermehrung des Kokzidienbefalls führen können, sollten Kokzidien nie als harmlos betrachtet werden.

Menschen bekommen von Chamäleon-Kokzidien übrigens selbst keine Probleme.

Wie bekommt man Kokzidien wieder weg?

Das Chamäleon kann mit Medikamenten behandelt werden, die man ins Maul gibt. Die Medikamente müssen ziemlich streng vom Tierarzt oder der Tierärztin dosiert werden, sind dann aber recht gut verträglich.

Oozyste von Isospora ssp. im Nativkotausstrich eines Furcifer pardalis, 800fache Vergrößerung

Kokzidien-Oozysten sind leider extrem langlebig. Unter günstigen Bedingungen bleiben sie über ein Jahr lang infektiös. Kälte und Wärme stört sie nicht. Hitze tötet Kokzidien erst über 60°C über mehrere Minuten ab. Gegen die meisten chemischen Desinfektionsmittel sind Kokzidien resistent. Sterilium, das man zur Händedesinfektion beim Menschen verwendet, und viele der im Zoohandel gängigen Desinfektionsmittel für Terrarien sind gegen Kokzidien leider nutzlos. Chlorkresol ist wirksam, auf Grund seiner gesundheitsschädigenden Wirkung beim Menschen aber nur in Absprache mit dem Tierarzt einzusetzen. Die hohe Resistenz gegenüber „einfacheren“ Desinfektionsmöglichkeiten und mangelnde Quarantäne sind wahrscheinlich Gründe, weshalb Kokzidien in der Chamäleonhaltung leider sehr weit verbreitet sind.

Amöben

Amöben sind eine sehr große Gruppe von Einzellern. Nur ganz wenige sind krankmachend für Chamäleons. Die bekannteste davon ist Entamoeba invadens. Sie kommt sehr selten bei Chamäleons vor, ist dann aber fatal. Bei anderen Reptilien wie Schildkröten kommen Amöben häufiger vor.

Lebenszyklus

Die Vermehrungsstadien von Amöben nennt man Zysten. Diese Zysten sind im Kot infizierter Chamäleons in großer Zahl vorhanden. Infizierte Chamäleons koten in die Umgebung, wobei zum Beispiel Äste, Insekten oder einfach Bodengrund mit den Zysten in Kontakt kommen. Das nächste Chamäleon infiziert sich, in dem es diese Zysten aus der Umgebung aufnimmt, zum Beispiel beim Zungentest oder wenn es ein Insekt schießt, das zuvor über den Kot gelaufen ist. Die fürs menschliche Auge unsichtbaren Zysten werden abgeschluckt und landen schließlich im Dickdarm des Chamäleons. Dort dringen sie in die Darmwand ein. Über Blutgefäße gelangen sie in Leber, Nieren und andere Organe. Parallel werden erneut Zysten in den Darm abgegeben, die das Chamäleon dann mit seinem Kot ausscheidet.

Welche Probleme bekommt das Chamäleon von Amöben?

Zyste von Entamoeba ssp. im Nativkotausstrich, 1600fache Vergrößerung; CC BY-SA 4.0 Ajay Kumar Chaurasiya

Die gesamte Erkrankung nennt man Amöbiasis. Sie zeichnet sich vor allem durch schwere blutige Darmentzündungen mit Durchfall, Abmagerung und Austrocknung aus. Teils kommt es sogar zum langsamen Absterben von Darmteilen. Auch in anderen Organen wie den Nieren sorgen Amöben für schwere Entzündungen, im fortgeschrittenen Stadium schließlich zum Versagen des jeweiligen Organs und damit zum Tod des Chamäleons.

Wie bekommt man Amöben wieder weg?

Das Chamäleon kann mit Medikamenten vom Tierarzt oder der Tierärztin behandelt werden, die man ins Maul gibt. Die Medikamente sind recht gut verträglich.

Amöbenzysten überleben mindestens acht Tage im Erdboden und können durch Futterinsekten oder an Gegenständen anhaftend verschleppt werden. Sie sind hoch infektiös, das heißt sie verbreiten sich extrem einfach. Im Terrarium wird man die Zysten vor allem mit Hitze wieder los. Über 60°C über gut zehn Minuten müssen dabei erreicht werden.

Da Entamoeba invadens sich optimal bei 27-29°C Körpertemperatur entwickelt, sind nur Reptilien von diesen Amöben betroffen. Menschen können von einer anderen Amöbe namens Entamoeba histolytica die sogennante Amöbenruhr (schlimmen Durchfall) bekommen, nicht aber von Entamoeba invadens. Dieser Parasit ist also für Chamäleons und andere Reptilien gefährlich, für Menschen aber nicht.

Ciliaten (Wimperntierchen)

Nyctotherus ssp. Zyste im Nativkotausstrich, 400fache Vergrößerung

Ciliaten kommen im Kot vieler Chamäleons vor. Viele Arten sind harmlos für Chamäleons. Lediglich unter schlechten Haltungsbedingungen oder bei Vorerkrankungen können sie bei Massenbefall vereinzelt zu Problemen werden. Zu den bekannteren Wimperntierchen gehören die Gattungen Nyctotherus und Balantidium, die beide Zysten als Vermehrungsstadium nutzen.

Lebenszyklus

Das Chamäleon nimmt infektiöse Zysten aus dem Kot eines anderen Chamäleons auf. Es schluckt die Zysten ab. So gelangen sie in den Darm. Im Darm vermehrten sich die Wimperntierchen und bilden selbst Zysten. Die Zysten werden wiederum mit dem Kot des Chamäleons ausgeschieden.

Welche Probleme bekommt das Chamäleon von Ciliaten?

In aller Regel gar keine. Kämpft das Chamäleon jedoch bereits mit anderen Erkrankungen, kann es sein, dass eine Behandlung der ebenfalls vorhandenen Ciliaten sinnvoll werden kann. Der behandelnde Tierarzt oder die behandelnde Tierärztin werden entsprechend beraten.

Lebendes Wimperntierchen im Nativkotausstrich, 400fache Vergrößerung

Wie bekommt man Ciliaten wieder weg?

Das Chamäleon kann, wenn denn notwendig, mit Medikamenten behandelt werden, die man ins Maul gibt. Die Behandlung der Umgebung ist in aller Regel nicht notwendig.

Flagellaten (Geißeltierchen)

Geißeltierchen ist ein Überbegriff für eine ganze Reihe von beweglichen Einzellern. Sie zeichnen sich durch lange Zellfortsätze aus, mit denen sie sich fortbewegen können – die namensgebenden Geißeln oder Flagellen.  Ob Flagellaten ein Chamäleon krank machen, hängt von der Art des Geißeltierchens sowie Alter und Gesundheitsstatus des Chamäleons ab. Bekannte Flagellaten-Gattungen bei Chamäleons sind Leptomonas, Monocercomonas, Hexamita und Trichomonas.

Lebenszyklus

Trichomonas ssp. im Nativkotausstrich, 400fache Vergrößerung

Geißeltierchen sind bei infizierten Chamäleons in großen Zahlen in Kot und Urat enthalten. Die Ausscheidungen des Chamäleons mit lebenden Geißeltierchen und Zysten landen auf dem Boden. Die Zysten bleiben an Blättern, Ästen, Pflanzen oder Moos kleben. Nimmt nun ein anderes Chamäleon mit einem Futtertier Zysten auf, infiziert es sich mit den Geißeltierchen. Das Chamäleon schluckt die Zysten herunter, wodurch sie im Darm landen. Dort entwickeln sie sich zum lebenden Flagellaten, die erneut Zysten produzieren. Diese werden wieder in den Kot abgegeben.

Eine Infektion an lebenden Flagellaten ist vor allem über Futtertiere möglich und von der Gattung Leptomonas bekannt. Einige Flagellaten können neben dem Darm auch andere Organe wie Leber, Nieren oder Lunge befallen.

Welche Probleme bekommt das Chamäleon von Flagellaten?

Unzählige Leptomonas ssp. im Nativkotausstrich, 400fache Vergrößerung

Flagellaten kommen sowohl bei Nachzuchten als auch bei Wildfängen und in der Natur lebenden Chamäleons vor. Ein Befall mit nur wenigen Geißeltierchen wird oft erst einmal übersehen, da das Chamäleon keine Erkrankungsanzeichen zeigt. Bei wenig krankmachenden Flagellaten-Arten kommt es auch später kaum zu Problemen. Hexamita dagegen schädigen relativ häufig die Nieren. Leptomonas sorgen oft für blutige Darmentzündungen mit übelriechendem Durchfall.

Wie bekommt man Flagellaten wieder weg?

Ein Befall mit Leptomonas oder Hexamita kann beim Chamäleon mit Medikamenten vom Tierarzt oder der Tierärztin behandelt werden, die man ins Maul gibt. Die Medikamente sind recht gut verträglich.

Das Terrarium kann nach Flagellatenbefall zur Desinfektion mit Hitze behandelt werden. Die Flagellaten selbst trocknen sehr schnell aus. Problematisch sind die Zysten, die auch unter widrigen Bedingungen lange infektiös bleiben. Eine Temperatur von über 60°C tötet die Zysten zuverlässig ab.

Trematoden (Saugwürmer)

Saugwürmer sind parasitär lebende Plattwürmer. Sie haben meist einen flachen Körper und namensgebende Saugnäpfe auf der Bauchseite. Rund 30 verschiedene Trematodenarten sind aktuell von Chamäleons bekannt. Am bekanntesten sind die Gattungen Laureriella, Paradistomoides und Plagiorchis.

Lebenszyklus

Zwei Trematoden-Eier unter dem Mikroskop im Nativkotausstrich, 400fache Vergrößerung

Trematodeneier werden von infizierten Chamäleons mit dem Kot, seltener mit Urat, ausgeschieden. Landet der Kot in feuchter Umgebung, einer Pfütze oder einem kleinem Gewässer, schlüpfen aus den Eiern Flimmerlarven (Miracidien). Die Flimmerlarven bohren sich dann in das Gewebe ihres Zwischenwirtes, oft Schnecken, ein. Der Zwischenwirt mit den sogenannten Schwanzlarven (Cercarien) wird später vom Chamäleon gefressen. Im Darm des Chamäleons entwickeln sich dann adulte Trematoden. Diese wandern in ihr bevorzugtes Gewebe ein. Bei den meisten Trematoden ist das die Darmschleimhaut. Bei einigen Arten sind es aber auch die Maulhöhle, die Speiseröhre, der Magen oder gar die Gallenblase. Dort geben sie Eier in den Kot des Chamäleons ab. Das nächste Chamäleon kann sich nicht an den Saugwurmeiern selbst, sondern immer nur an den Schwanzlarven im Zwischenwirt infizieren.

Welche Probleme bekommt das Chamäleon von Trematoden?

Trematoden kommen ausschließlich bei wild lebenden Chamäleons oder exportieren Wildfängen vor. Bei Nachzuchten in der Terraristik kommen Saugwürmern praktisch nicht vor, weil ihnen im Terrarium die Zwischenwirte zur Entwicklung fehlen. Das Vorkommen nur in der Natur hat leider auch zur Folge, dass wenig darüber bekannt ist, welche Erkrankungen Trematoden tatsächlich auslösen. Man geht davon aus, dass Trematoden wenig krankmachend sind und eher zu lokalen Entzündungen im Magen-Darm-Trakt führen. Allerdings gibt es auch einige wenige Fälle von Massenbefall bei wilden Chamäleons auf Madagaskar.

Wie bekommt man Trematoden wieder weg?

Ein Befall mit Trematoden kann beim Chamäleon mit einem Medikament behandelt werden, das man ins Maul gibt oder unter die Haut spritzt. Es ist allerdings nur eingeschränkt verträglich.

Das Terrarium muss bei Trematodenbefall nicht behandelt werden. So lange keine Zwischenwirte wie Schnecken vorhanden sind, kann es nicht zu einer Übertragung auf andere Chamäleons kommen.

Cestoden (Bandwürmer)

Schematischer Aufbau eines Bandwurmes, Grafik von Pearson Scott Foresman

Bandwürmer sind von vielen Haustieren des Menschen bekannt, darunter auch Hund und Katze. Sie gehören wie die Saugwürmer zu den Plattwürmern. Am einen Ende ihres Körpers tragen sie einen Hakenkranz mit Saugnäpfen (Scolex). Das andere Ende des Körpers ist unterteilt in viele kleine Segmente, die sogenannten Proglottiden. Jede Proglottide ist zwittrig mit männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen ausgestattet. Vor allem die Gattung Oochoristica parasitiert bei Chamäleons.

Lebenszyklus

Bandwürmer leben im Dünndarm von Chamäleons, an dessen Wänden sie sich mit ihren Saugnäpfen festhalten.  Die Proglottiden befruchten sich gegenseitig und werden anschließend vom übrigen Bandwurmkörper abgetrennt. Sie verlassen dann mit dem Kot das infizierte Chamäleon. Der Kot landet auf Erde, Moos oder Laubblättern. Jede einzelne Proglottide ist randvoll mit Eiern. Aus diesen Eiern schlüpfen Sechshakenlarven, die dann von einem Zwischenwirt aufgenommen werden müssen. Im Zwischenwirt lagert sich die Bandwurmlarve in Form einer Zyste (Metacestode) im Binde- oder Muskelgewebe ein. Wird der Zwischenwirt nun vom Chamäleon gefressen, gelangt die Metacestode über den Magen in den Darm des Chamäleons. Dort entwickelt sie sich schließlich zum Bandwurm. Einige wenige Arten besiedeln auch die Gallenblase.

Welche Probleme bekommt das Chamäleon von Bandwürmern?

Cestoden kommen ausschließlich bei wild lebenden Chamäleons oder exportieren Wildfängen vor. Nachzuchten im Terrarium können in der Regel mangels passender Zwischenwirte keine Bandwürmer bekommen. Bei starkem Bandwurmbefall kann es zu Gewichtsverlust trotz guter Futteraufnahme kommen. Außerdem können seltener Darmentzündungen mit Durchfall entstehen.

Wie bekommt man Bandwürmer wieder weg?

Ein Befall mit Bandwürmern kann beim Chamäleon mit einem Medikament behandelt werden, das man ins Maul gibt oder unter die Haut spritzt. Es ist allerdings nur eingeschränkt verträglich.

Das Terrarium muss bei Bandwurmbefall nicht behandelt werden. So lange keine Zwischenwirte vorhanden sind, kann es nicht zu einer Übertragung auf andere Chamäleons kommen.

Nematoden (Faden- oder Rundwürmer)

Vorderteil eines Rundwurms im Nativkotausstrich eines Chamäleons, 400fache Vergrößerung

Fadenwürmer sehen genauso aus, wie ihr Name es vermuten lässt. Sie sind klein, länglich und dünn. Es gibt mehr als 20.000 verschiedene Arten auf der Welt. Nur wenige davon leben als Parasiten. Fadenwürmer vermehren sich sexuell. Weibchen und Männchen paaren sich, dann bildet das Weibchen Eier. Diese Eier werden bei infizierten Chamäleons mit dem Kot ausgeschieden. In jedem Ei entwickelt sich eine Larve. Die verschiedenen Stadien der Larve werden bei Fadenwürmern als L1, L2, L3, L4 und das präadulte Stadium als L5 bezeichnet. Zwischen jedem neuen Stadium liegt eine Häutung der Larve. Die fünfte Larve, L5, reift schließlich zum ausgewachsenen Fadenwurm.

Bemerkenswert ist bei Fadenwürmern die Fähigkeit zur Hypobiose. Dieser Begriff bezeichnet eine Unterbrechnung der Entwicklung im Stadium der dritten, vierten oder fünften Larve. Während dieser „Ruhepause“ warten die Larven in dem Gewebe, in dem sie sich gerade befinden, auf einen günstigeren Zeitpunkt zur Weiterentwicklung. Je nachdem, wo genau im Chamäleonkörper die Larve sich während der Hypobiose befindet, kann man sich nur schlecht oder gar nicht mit Medikamenten erreichen. Nach der Hypobiose kann die Larve sich problemlos weiter entwickeln und für die nächste Generation Fadenwürmer sorgen. Bei Fadenwürmern kann es also sein, dass im Kot eines Chamäleons keinerlei Fadenwurm-Eier zu finden sind, es jedoch noch Larven in Hypobiose im Körper gibt. Werden diese wieder aktiviert und entwickeln sich weiter, kann das Chamäleon auch wieder Fadenwürmer ausscheiden.

Da es soviele verschiedene Nematoden bei Chamäleons gibt, gibt es im Folgenden etwas ausführliche Übersichten einzelner Nematodenarten.

Nematoden: Rhabdiasidae (Lungenwürmer)

Rhabdiasidae sind Lungenwürmer, die sich vor allem durch einen sehr interessanten Infektionsweg auszeichnen. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft scheint jede Chamäleonart ihre eigene Rhabdias-Art(en) zu haben. Es gibt also wahrscheinlich deutlich mehr Lungenwürmer als die bisher bekannten knapp 15 Arten. Lungenwürmer kommen vor allem in feuchten Lebensräumen wie Regenwäldern vor.

Lebenszyklus

Rhabdias ssp. im Nativkotausstrich eines Stummelschwanzchamäleons, 400fache Vergrößerung

Infizierte Chamäleons scheiden infektiöse Larven mit dem Kot aus. Diese Larven wandern aktiv aus dem Kot aus und bohren sich in die Haut eines anderen Chamäleons, das gerade vorbeikommt, ein. Über den Blutstrom gelangen sie in die Lunge des Chamäleons. Einige Arten bleiben in der Lunge und vermehren sich dort. Bei anderen Arten wandern die Larven entlang der Luftröhre ins Maul des Chamäleons. Dort werden sie heruntergeschluckt und erreichen so den Darm. Dort entwickelt sich die Larve zum adulten Lungenwurm. Es gibt nur Weibchen, die mittels Parthenogenese ohne die Anwesenheit eines Männchens larvenhaltige Eier produzieren. Die weiblichen Lungenwürmer „klonen sich“ quasi.

Welche Probleme bekommt das Chamäleon von Lungenwürmern?

Lungenwürmer kommen relativ häufig in der Natur und bei exportierten Wildfängen vor. Besonders Erdchamäleons scheinen stark betroffen zu sein. Da die Würmer in Lunge und Luftsäcken sitzen, zeigen die betroffenen Chamäleons früher oder später Atemnot als Folge von Lungenentzündung. Im Maul ist vermehrt Schleim zu sehen. Als Folge der schweren Lungenentzündung magert das Chamäleon häufig ab.

Wie bekommt man Lungenwürmer wieder weg?

Rhabdias ssp. Eier und Wurm im Nativkotausstrich, 100fache Vergrößerung

Prinzipiell kann der Befall mit Lungenwürmern beim Chamäleon mit an sich gut verträglichen Medikamenten behandelt werden. Sehr problematisch ist jedoch, dass unter dieser Therapie auch die Würmer innerhalb der Lunge und Luftsäcke absterben, nicht nur die im Darm. Die toten Lungenwürmer führen zu massiven Entzündungsreaktionen, die wiederum behandelt werden müssen. Nicht selten kann somit sowohl der Befall mit Lungenwürmern als auch die Therapie des Lungenwurmbefalls beim Chamäleon leider zum Tod führen. Eine sehr schwierige Situation. Häufig kann mit eingehender Diagnostik im Voraus festgestellt werden, ob Würmer in der Lunge und anderen Körpergeweben sitzen, um das Risiko zu eruieren.

Das Terrarium muss nach Lungenwurmbefall wie bei vielen anderen Parasiten ausgiebig gereinigt und desinfiziert werden, bevor das Chamäleon wieder einziehen kann. Hitze über 60°C über mindestens fünf Minuten, gerne länger, tötet die Eier sicher ab.

Nematoden: Strongylidae (Strongyliden) und Molineoidae (Fadenwürmer)

Bei den Strongyliden ist vor allem die Gattung Kalicephalus bekannt, die für Chamäleons immer krankmachend ist. Zu den Fadenwürmern gehört die Gattung Oswaldocruzia, die schon in mehreren Chamäleon-Arten nachgewiesen wurde. Beide Parasiten-Familien sind sich so ähnlich, dass sie hier gemeinsam erklärt werden.

Lebenszyklus

Larvenhaltiges Ei von Kalicephalus ssp. oder Rhabdias ssp. im Nativkotausstrich von Brookesia stumpffi, 400fache Vergrößerung

Infizierte Chamäleons scheiden larvenhaltige Eier mit dem Kot aus. In der Umwelt entwickeln sich die Larven zur infektiösen Larve weiter. Diese Larven werden versehentlich beim Fressen von anderen Chamäleons aufgenommen oder wandern aktiv aus dem Kot aus und bohren sich in die Haut anderer Chamäleons ein. Über die Lymphbahnen gelangen sie zur Lunge.Von dort wandert die vierte Larve über die Luftröhre bis in die Maulhöhle. Das Chamäleon schluckt die Larve dann herunter und sie gelangt in den Darm. Erst dort entwickelt sie sich zum adulten Wurm. Strongyliden und Fadenwürmer bohren sich in die Darmschleimhaut und geben Eier in den Kot des Chamäleons ab.

Welche Probleme bekommt das Chamäleon von Strongyliden oder Fadenwürmern?

Diese Würmer sorgen vor allem bei Massenbefall für Probleme. Die geschädigten Darmwände entzünden sich, es kommt zu starkem Durchfall. Außerdem zeigen Chamäleons bei Strongyliden immer wieder Blutarmut.

Wie bekommt man Strongyliden oder Fadenwürmer wieder weg?

Der Befall mit Strongyliden beim Chamäleon kann beim Tierarzt oder der Tierärztin mit sehr gut verträglichen Medikamenten behandelt werden.

Das Terrarium muss nach Befall wie bei vielen anderen Parasiten ausgiebig gereinigt und desinfiziert werden, bevor das Chamäleon wieder einziehen kann. Hitze über 60°C über mindestens fünf Minuten, gerne länger, tötet die Eier sicher ab.

Achtung: Strongyliden sind nicht besonders wirtsspezifisch. Sie können also auch auf andere Reptilien-Arten übertragen oder von diesen erworben worden sein. Bei Strongyliden-Befall ist es also sinnvoll, den gesamten Reptilienbestand zu checken (und leider gegebenenfalls auch zu behandeln).

Nematoden: Filarioidea (Filarien)

Filariose Furcifer pardalis

Makrofilarie oder Ascaride in der Unterhaut eines jungen Furcifer pardalis in Akanin’ny Nofy

Filarien sind dünne, auf Madagaskar relativ häufige Nematoden, die von wenigen Millimetern bis zu acht Zentimeter lang werden können. Man weiß bisher nur von drei Arten, dass sie Chamäleons befallen können: Foleyella brevicauda, Foleyella candezei und Foleyella furcata. In der Unterhaut eines befallenen Chamäleons kann man die Filarien manchmal als kleine, sich bewegende Würmer sehen, die bei leichtem Fingerdruck oft wieder zu verschwinden scheinen. Achtung: Filarien werden über einen Blutausstrich nachgewiesen. Sie können im Gegensatz zu fast allen anderen Endoparasiten nicht im Kot gefunden werden.

Lebenszyklus

Der Lebenszyklus der Filarien beginnt mit einer Stechmücke, die ein infiziertes Chamäleon sticht und damit Filarien aufnimmt. Diese entwickeln sich in der Mücke weiter. Sticht dieselbe Stechmücke dann ein anderes Chamäleon, überträgt sie die Filarien. Das erste Larvenstadium im Blut des Chamäleons nennt man Mikrofilarie. Diese Mikrofilarien wandern mit dem Blutstrom durch verschiedene Körperorgane des Chamäleons und entwickeln sich dabei weiter. Ausgewachsen nennt man die Parasiten Makrofilarien. Die Makrofilarien wandern schließlich in die Coelomhöhle, in die Lunge bzw. Luftsäcke oder in die Unterhaut. Sie geben Mikrofilarien ins Blut ab, die dann von der nächsten Stechmücke wieder aufgenommen werden können.

Welche Probleme bekommt das Chamäleon von Filarien?
Mikrofilarie im Blutausstrich von Furcifer pardalis

Mikrofilarie im Blutausstrich von Furcifer pardalis, 400fache Vergrößerung

Filarien werden ausschließlich von bestimmten Stechmücken übertragen, so dass dieser Nematode nur in der Natur und bei exportierten Wildfängen vorkommt. Ein geringer Befall führt nicht zu einer Erkrankung. Bei Massenbefall kann es jedoch zur sogenannten Filariose kommen. Dabei verstopfen Mikrofilarien Blutgefäße und sorgen dafür, dass das von den betroffenen Blutgefäßen eigentlich versorgte Gewebe abstirbt. Die Wanderung der Makrofilarien innerhalb der Coelomhöhle kann außerdem zu massiven Entzündungen führen. Diese können im schlimmsten Fall tödlich für das Chamäleon enden.

Wie bekommt man Filarien wieder weg?

Theoretisch würde die Behandlung des Chamäleons selbst ausreichen, um einen Filarienbefall zu beenden. Leider sind Filarien medikamentös beim Tierarzt aber nur sehr schwierig zu behandeln. Das einzige Medikament, von dem eine gute Wirkung gegen diese Parasiten bekannt ist, ist für Chamäleons sehr schlecht verträglich und bisher regelmäßig tödlich.

Makrofilarien oder Ascariden in der Unterhaut eines jungen Furcifer viridis im Nordwesten Madagaskars

Da Filarien immer eine Stechmücke als Zwischenwirt benötigen, ist bei dieser Parasitose keine Desinfektion des Terrariums notwendig, um eine Weitergabe zu verhindern. Ein Chamäleon kann sich selbst dann nicht mit den Filarien anstecken, wenn es nach einem infizierten Chamäleon das gleiche Terrarium bewohnen würde. Es ist allerdings nicht mit absoluter Sicherheit auszuschließen, dass nicht auch europäische, asiatische oder amerikanische Stechmücken Mikrofilarien von Chamäleon zu Chamäleon transportieren könnten. Das wäre gegebenenfalls bei der Außenhaltung von infizierten und nicht infizierten Chamäleons von Bedeutung.

Nematoden: Ascaridida (Spulwürmer)

Spulwürmer gibt es bei fast allen Säugetieren und Reptilien. Sie sehen ausgewachsen aus wie dicke Spaghetti und sind damit der „klassische“ Wurm. Im Verhältnis zur Körpergröße ihres Wirts können Spulwürmer beeindruckende Längen erreichen. Der Spulwurm des Menschen kann beispielsweise bis zu 40 cm lang werden! Bei Chamäleons werden Spulwürmer bis zu 17 cm lang, was je nach Chamäleon-Art auch schon beeindruckend groß ist. Über 20 verschiedene Spulwurm-Arten wurden schon bei verschiedenen Chamäleon-Arten nachgewiesen, darunter unter anderem die Gattungen Hexametra und Orneoascaris. Zu den Ascariden gehören außerdem die sogenannten Heterakiden, darunter die Gattungen Africana, Heterakis, Strongyluris und Spinicauda.

Lebenszyklus
Spulwürmer

Unmengen Spulwürmer aus der Coelomhöhle eines Pantherchamäleons, das an den Folgen des massiven Befalls verstorben ist

Infizierte Chamäleons scheiden große Mengen an Spulwurmeier mit dem Kot aus. Der Kot fällt auf Blätter, Äste und Erdboden. Überall, wo der Kot hingefallen ist, kleben die Spulwurmeier. Und alles, was mit dem Kot in Berührung gekommen ist – seien es darüber gelaufene Insekten oder eine menschliche Hand, die etwas im Terrarium aufräumen wollte – kann die Eier weiter tragen. In den Eiern befindet sich das erste Larvenstadium der Spulwürmer. In der Umwelt entwickeln sich die Larven in den Eiern weiter zum infektiösen dritten Larvenstadium.

An diesen herum getragenen Eiern wiederum infizieren sich dann andere Chamäleons, in dem sie die Eier beim Zungentestverhalten oder bei der Futteraufnahme versehentlich mit ins Maul aufnehmen. Die Spulwurmeier werden abgeschluckt und landen schließlich im Dünndarm. Dort schlüpft die Larve und entwickelt sich zum ausgewachsenen Spulwurm, der Eier in den Kot des Chamäleons abgibt. Spulwürmer unternehmen außerdem ähnlich Filarien Wanderungen außerhalb des Dünndarms. Sie begeben sich in die Unterhaut, in Leber, Fettkörper und Lunge und Luftsäcke. Bei einigen Arten von Spulwürmern, die besonders häufig bei Chamäleons auftreten, ist sowohl ein Lebenszyklus mit Zwischenwirt(en) als auch ein Lebenszyklus ohne Zwischenwirt bekannt.

Ei von Spinicauda ssp. im Nativkotausstrich von Furcifer pardalis, 400fache Vergrößerung

Da die Spulwurmeier für das bloße Auge unsichtbar, aber meist in der Umgebung infizierter Chamäleons in großen Zahlen vorhanden sind, werden sie gerne unbemerkt weitergetragen. So gelangen die Spulwurmeier ungesehen von Menschenhand von Terrarium zu Terrarium, auf Börsen zu neuen Haltern und mit Futtertierboxen zu neuen Wirten.

Welche Probleme bekommt das Chamäleon von Spulwürmern?

Anfangs bemerkt man nur wenig. Das Chamäleon frisst zwar gut, verliert aber kontinuierlich an Gewicht. Die Spulwürmer können im Darm zu blutigen Geschwüren, Darmdurchbrüchen und Verstopfung durch Massenbefall führen. Im schlechtesten Fall, der leider bei Spulwürmern in Chamäleons regelmäßig eintritt, endet die Verstopfung mit einem tödlichen Darmverschluss. Die Wanderungen außerhalb des Darms können außerdem zu Entzündungen der jeweiligen Gewebe führen. Spulwürmer in der Lunge können sogar zu Atemnot führen.

Wie bekommt man Spulwürmer wieder weg?

Die gute Nachricht zu Spulwürmern: Die medikamentöse Behandlung des Chamäleons beim Tierarzt ist mit einem Medikament, das man ins Maul gibt, einfach und gut verträglich. Die schlechte Nachricht: Wurde der Befall erst spät erkannt und es liegt bereits ein Massenbefall vor, können die toten Würmer zu einem Darmverschluss oder Entzündungen in Organen führen.

Ei von Hexametra ssp. im Nativkotausstrich von Furcifer lateralis, 400fache Vergrößerung

Ein Terrarium nach einem Spulwurm-Befall mittels Reinigung und Desinfektion wieder parasitenfrei zu kriegen, ist nicht ganz so einfach. Die infektiösen Eier sind extrem langlebig und können in feuchter Erde jahrelang überleben. Gegen die meisten chemischen Desinfektionsmittel sind Spulwurmeier resistent. Sterilium, das man zur Händedesinfektion beim Menschen verwendet, oder die im Zoohandel gängigen Desinfektionsmittel für Terrarien sind gegen Spulwurmeier leider nutzlos. Ammoniak oder p-Chlor-m-Kresol ist auf Grund seiner für den Menschen gesundheitsschädigenden Wirkung nur in Absprache mit dem Tierarzt einzusetzen.

Achtung: Leider sind einige Spulwurm-Arten nicht wirtsspezifisch. Das bedeutet, dass sich an den Spulwurmeiern außer Chamäleons auch andere Reptilien infizieren können. Bei Hexametra angusticaecoides beispielsweise sind Infektionen verschiedener Geckos und Schlangen bekannt. Hat das Chamäleon diese Spulwurm-Art, kann es also sein, dass auch weitere Reptilien im Bestand mit den Spulwürmern infiziert sind und die Behandlung des gesamten Tierbestandes notwendig ist.

Nematoden: Oxyurida (Pfriemenschwänze)

Oxyurida nennt man auch Pfriemenschwänze oder Madenwürmer. Diese sehr kleinbleibende Gattung der Fadenwürmer ist sehr häufig bei Reptilien anzutreffen. Bei Chamäleons gehören sie neben Kokzidien zu den häufigsten Endoparasiten. Oxyurida-Arten sind dabei aber sehr wirtsspezifisch. Das bedeutet, dass praktisch jede Reptilienart ihre eigenen Pfriemenschwänze hat. Oder anders: Die Pfriemenschwänze von Schildkröten mögen keine Chamäleons oder Schlangen und vice versa. Bei Chamäleons kennt man bisher Pharyngodon dimorpha, Thelandros meridionalis und Parapharyngodon kenyaensis.

Lebenszyklus

Oxyurida-Ei im Nativkotausstrich von Furcifer pardalis, 100fache Vergrößerung

Infizierte Chamäleons scheiden Pfriemenschwanz-Eier mit dem Kot aus, die dann in der Umgebung haften bleiben. In den Eiern befindet sich das erste Larvenstadium, das sich in der Umgebung zur infektiösen dritten Larve weiterentwickelt. An den Eiern mit den infektiösen Larven können sich dann andere Chamäleons infizieren, wenn sie Blätter mit den Eiern darauf oder Insekten, die über den Kot eines infizierten Chamäleons gelaufen sind, aufnehmen. Die Eier werden dann mit Futtertieren abgeschluckt und gelangen in den Darm. Dort schlüpfen die Pfriemenschwanzlarven aus den Eiern und entwickeln sich bis zu ausgewachsenen Oxyuren weiter. Die weiblichen Pfriemenschwänze legen dann selbst wieder Eier, die mit dem Kot des Chamäleons ausgeschieden werden und einen neuen Lebenszyklus beginnen.

Der gesamte Lebenszyklus von Aufnahme der Eier bis zur Ausscheidung von Eiern dauert zwischen vier und sechs Wochen.

Welche Probleme bekommt das Chamäleon von Pfriemenschwänzen?

Massenbefall mit Oxyurida, bereits mit bloßem Auge im Kot sichtbar – dieses Tier hatte bereits über Jahre einen unbemerkten und entsprechend unbehandelten Befall

Oxyuren sind bei Chamäleons nur bei hohen Befallsstärken krankmachend. Oft bleiben sie bis zur ersten Kotuntersuchung gänzlich unentdeckt. Wird das Chamäleon später jedoch einmal krank, können sich die Pfriemenschwänze sprunghaft vermehren und dann zur Oxyuriasis, dem Befall mit deutlichen Erkrankungsanzeichen, führen.

Wie bekommt man Pfriemenschwänze wieder weg?

Ein Pfriemenschwanzbefall bei Chamäleons ist beim Tierarzt sehr einfach zu behandeln. Es gibt mehrere Medikamente, die man ins Maul geben kann und die alle sehr gut verträglich sind. Am besten geht man die Behandlung samt Reinigung und Desinfektion des Terrariums bereits dann an, wenn das Chamäleon noch keine Erkrankungssymptome zeigt.

Die Eier sind fürs menschliche Auge nicht sichtbar. Pfriemenschwanzeier bleiben im Terrarium über Monate infektiös und werden damit besonders gerne versehentlich von Tier zu Tier verschleppt. Das Terrarium muss nach Befall wie bei vielen anderen Parasiten ausgiebig gereinigt und desinfiziert werden, bevor das Chamäleon wieder einziehen kann. Hitze über 60°C über mindestens fünf Minuten, gerne länger, tötet die Eier sicher ab.

 

Ektoparasiten

Acari (Milben und Zecken)

Milben an Furcifer petteri

Milben in der Achselhöhle eines Furcifer petteri-Weibchens im Montagne d’Ambre

Milben und Zecken gehören zu den Spinnentieren und entwickeln sich aus einem Ei zur Larve. Die Larve entwickelt sich über eine bestimmte Zahl von Nymphen zum adulten Parasiten. Die Larven haben drei Beinpaare, die adulten vier. Bei einigen Arten schlüpft bereits eine Nymphe aus dem Ei. Zwischen den verschiedenen Lebensstadien liegt jeweils eine Häutung sowie eine Blutmahlzeit.

Milben

Milben sind beißend-saugende Spinnentiere, die sich am liebsten um die Augen, in Hautfalten wie der Achselhöhle und um die Kloake eines Chamäleons auffinden lassen. Die meisten Milben sind nur ein bis zwei Millimeter groß und knallig rot gefärbt. Man kann sie mit bloßem Auge bei genauem Hinschauen gut erkennen. Da Milben sich von Blut ernähren, kann es bei sehr starkem Befall zur Blutarmut beim Chamäleon kommen.

Milben in der Achsel eines männlichen Furcifer rhinoceratus in Ankarafantsika

Vor allem Wildfänge und wild lebende Chamäleons sind von Milbenbefall betroffen. Auf Madagaskar findet man Milben vor allem in der Regenzeit ziemlich häufig an allen möglichen Arten von Chamäleons.

Zecken

Mit dem Hallerschen Organ können Zecke potenzielle Wirte „erschnüffeln“. Nach einer Blutmahlzeit kann die Zecke eine lange Hungerphase überleben. Larven und Männchen einiger Arten kommen sogar ganz ohne Blut aus.

Zecken finden sich vor allem in der Natur an Chamäleons. Deshalb kommen sie auch bei Wildfängen hin und wieder vor. An Nachzuchten sieht man sie in aller Regel gar nicht. Es sind bisher nur wenige Zeckenarten bekannt, die überhaupt Chamäleons befallen. Darunter ist nur eine Art, die im Süden Europas vorkommt. Alle übrigen Arten sind subtropisch oder tropisch angesiedelt.

Hirudinea (Blutegel)

Calumma amber mit Blutegel auf dem Kopf im Montagne d’Ambre

Blutegel gibt es auf Madagaskar häufig, sie befallen scheinbar jedoch sehr selten mal Chamäleons. Leider sind Studien zu Blutegeln, die Reptilien befallen, eher rar. Es gibt einige Untersuchungen zum Befall von Schildkröten und Krokodilen mit verschiedenen Egel-Arten. Zum Vorkommen von Blutegeln bei Chamäleons auf Madagaskar gibt es bisher keinerlei Forschung. Wir haben bisher einmal selbst einen Blutegel an einem Calumma amber im Montagne d’Ambre beobachtet. Dabei war nicht zu verifizieren, ob es sich bei der Beobachtung um einen Zufall handelt oder der Egel tatsächlich an dem Chamäleon Blut saugte. Hier gäbe es also noch ein spannendes Forschungsfeld.

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