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Anatomie

Skelett Furcifer pardalis Männchen
Furcifer pardalis aus Ambanja, Männchen, 2017
Skelett Calumma parsonii parsonii Männchen
Skelett Furcifer lateralis
Furcifer lateralis in Ambalavo
Skelett Calumma parsonii parsonii Weibchen
Calumma parsonii yellow giant aus Vohimana
Skelett Brookesia stumpffi
Brookesia stumpffi aus Ankarana

Anatomie bedeutet soviel wie die Lehre vom Bau des Körpers. Diese Seite widmet sich der Anatomie madagassischer Chamäleons, und sie ist sicher nicht ganz vollstänig. Wir erweitern den Artikel Stück für Stück, so dass er irgendwann möglichst komplett wird. Da hier auch Organe wie Lunge und Leber besprochen werden, möchten wir bereits vor dem Inhaltsverzeichnis darauf hinweisen, dass es in diesem Artikel Fotos von Sektionen bzw. von inneren Organen von Chamäleons zu sehen gibt.  Das Inhaltsverzeichnis rechts kann aus- und zur besseren Lesbarkeit des Artikels wieder eingeklappt werden.

 

Skelett

Unter dem Skelett eines Chamäleons versteht man vor allem seine Knochen und Knorpel. Die Knochen von Chamäleons sind nicht hohl, sondern mit Knochenmark gefüllt. Jeder Knochen des Skelettes hat eine wissenschaftliche Bezeichnung, und fast jeder Punkt oder Fortsatz der Knochen kann nochmal mit eigenen Begriffen angesprochen werden. Der Einfachheit halber sind in unseren Ausführungen nicht alle Knochenpunkte und -teile erwähnt.

Kopf

Der Kopf eines Chamäleons – hier am Pantherchamäleon erklärt – besteht wie beim Mensch aus dem Oberkiefer mit dem daran hängenden Schädel sowie dem Unterkiefer. Der Unterkiefer besteht aus dem Os mandibulare (Unterkieferknochen, ma), der sich aus dem vorderen Bereich mit den Zähnen sowie dem Gelenkbereich (Os articulare, art) ganz hinten und dazwischen dem Os angulare (ang) besteht. Ein kleiner Fortsatz, der nach oben ragt, nennt sich Os coronoideus (Rabenfortsatz, co). Chamäleons sind akrodont, das heißt die Zähne sitzen senkrecht auf dem Kieferknochen und sind Teil desselben. Es gibt keine Trennung in Zahnfach und darin sitzenden Zahn wie beim Säugetier. Chamäleonzähne werden deshalb natürlich nicht gewechselt und können auch nicht ausfallen, sondern bleiben ein Leben lang.

Schädel Furcifer pardalis

Der Schädel wird aus dem breiten Os frontale (fr), den beiden davor befindlichen Os praefrontale (pf), dem kleinen Os nasale (Nasenbein, n) dazwischen und dem Oberkiefer (Os maxillare, mx) gebildet. Die Augenhöhle (Orbita) wird vom Os postorbitofrontale (pof) und dem Jochbein (Os jugulare, j) gebildet. Der Helm schließt sich mit dem Os parietale an das Os frontale an. Je nach Chamäleonart können diese Schädelknochen sehr unterschiedlich ausfallen. Seitlich wird der Helm von den beiden Os squamale (sq) begrenzt. Das darunter liegende Os quadratum (q) bildet das Gelenk zum Unterkiefer. Besonders beim Oberkiefer von Chamäleons ist wie bei anderen Reptilien auch die sogenannte Choane im Gaumen. Die Choane ist sozusagen ein Loch im harten Gaumen, bei Menschen würde man es Gaumenspalte nennen. Bei Chamäleons ist diese Verbindung zwischen Mund- und Nasenraum aber völlig normal.

Am Kopf ist bindegewebig das Zungenbein befestigt. Da es essentiell für den für Chamäleons typischen Zungenschuss ist, wird das Zungenbein im dazugehörigen Artikel besprochen.

Wirbelsäule und Rippen

Die Wirbelsäule (1) bei Chamäleons ist besonders lang und besteht wie bei allen Wirbeltieren aus Hals-, Brust- und Lenden-, Kreuz- sowie Schwanzwirbeln. Die Zahl der Wirbel variiert je nach Art, nur die Zahl der Halswirbel ist immer fünf. Das Besondere an Chamäleons ist, dass die Rippen (2) nicht nur über die Brustwirbel, sondern bis zum Kreuzbein reichen. Damit ist der gesamte Brust- und Bauchraum mit all seinen Organen von Rippen geschützt. Im Gegensatz zum Säugetier gibt es beim Chamäleon nur wenige freie Rippen, sondern fast alle Rippen sind über Knorpel mit dem Brustbein (3) bzw. mit dem jeweils gegenüberliegenden Knorpelfortsatz der gegenüberliegenden Rippe fest verbunden. Ein Abtasten des Bauches nutzt bei Chamäleons also oft wenig, da der Bauch nicht wie beim Säugetier weich durchgetastet werden kann – die Rippen sind im Weg. Nur die allerletzten Rippenfortsätze direkt am Kreuzbein sind sehr klein und nur bindegewebig befestigt, und die ersten Rippen sind in der Regel bingegewebig im Schültergürtel verankert.

Skelett Calumma parsonii parsonii Weibchen mit Zahlen

Skelett eines weiblichen Parsons Chamäleons

Der Schwanz ist meist so lang wie der Körper selbst und wird zum Festhalten und Klettern genutzt. Er kann bei Chamäleons nicht abgeworfen oder regeneriert werden. Schlafende oder drohende Chamäleons rollen den Schwanz vollständig ein. Der Schwanz kann nur in eine Richtung eingerollt werden, und zwar nach unten.

Extremitäten

Die Extremitäten eines Chamäleons sind prinzipiell genau wie die des Menschen aufgebaut, nur eben ganz anders geformt: Es gibt genauso Schulterblatt (4), Oberarm (5), Elle und Speiche (6) sowie Hüfte (9), Oberschenkel (10) sowie Schien- und Wadenbein (11). Finger und Fußzehen bilden quasi kleine Greifzangen, die eine optimale Anpassung an die kletternde Lebensweise bilden. An den Vordergliedmaßen sind zwei Finger nach außen und drei nach innen gerichtet (7), an den Hintergliedmaßen ist es genau andersherum (8): Zwei Zehen nach innen, drei zeigen nach außen. Das Phänomen der „zusammen gewachsenen“ Finger und Zehen nennt man Syndaktilie. Tatsächlich sind aber die Knochen selbst nicht miteinander verwachsen.

Anatomie abstehende Hüfte

Weibliches Pantherchamäleon mit optisch deutlich abstehender Hüfte unter der Haut

Die Hüfte (9) ist lediglich sehnig mit dem Kreuzbein verbunden, weshalb es manchmal bei Schwächung oder Fehlen dieses Gewebes zu „abstehenden“ Hüften kommen kann. Ähnlich ist es mit den Schulterblättern, auch diese sitzen den Rippen nur sehnig auf, sind aber zusätzlich mit dem Brustbein (3) verbunden. Auch bei den Schultern kann man ab und zu „abstehende“ Knochen beobachten, die das betroffene Chamäleon aber in der Regel nicht stören.

Haut

Wie bei allen Tieren besteht die Haut der Chamäleons aus drei Schichten: Ober-, Leder- und Unterhaut. Die Oberhaut bildet mit ihrer keratinisierten äußersten Zellschicht die typischen Schuppen. Sie ist eine äußerliche Schutzbarriere vor Verletzungen und Feuchtigkeitsverlust und dient gleichzeitig mit dem Farbwechsel der Kommunikation. Wächst das Chamäleon, so muss es von Zeit zu Zeit die oberste Hautschicht abstreifen, da diese nicht mitwächst – das Tier häutet sich. Chamäleons können kein Fett in der Haut einlagern, wie es Säugetiere tun.

Die Schuppen von Chamäleons sind von Art zu Art und teils schon von Körperteil zu Körperteil unterschiedlich. Erst dadurch entstehen die extrem verschiedenen Hautstrukturen der verschiedenen Arten. Grob unterteilt man die Schuppenstruktur in homogen, also gleichmäßige, ähnlich große Schuppen nebeneinander wie oben bei Calumma glawi zu erkennen, und heterogene Beschuppung, wobei die Schuppen unterschiedlich groß sind, wie oben im Bild bei Furcifer rhinoceratus.

Man teilt die Schuppen in verschiedene Typen ein, die je nach Autor ein wenig voneinander abweichen. Der einfachste Schuppentyp sind die kegelförmigen Schuppen (1 und 2) – der Name sagt bereits alles zur Form. Diese Schuppen findet man vor allem am Rücken- und Bauchkamm wie hier im Bild bei Pantherchamäleons. Die sogenannten Labialschuppen (3) finden sich entlang der Lippen, und sind meist weiß oder zumindest heller gefärbt als ihre Umgebung. Auch hier ist das Pantherchamäleon ein gutes Beispiel. Gekielte Schuppen (4) dagegen findet man vor allem bei verschiedenen Brookesia-Arten. Granuläre Schuppen (5) finden sich oft als kleine Ansammlungen zwischen größeren Schuppen, wie in Bild 5 schön zu erkennen. Zu den Tuberkelschuppen (9), die oft an den Knochenkämmen des Schädels vorkommen, zählen viele Autoren auch die linsenförmigen (6), ebenfalls in der Mitte erhabenen Schuppen sowie die plattenförmigen Schuppen (7) wie hier auf den Occipitallappen von Calumma brevicorne. Sternförmige und polygonale Schuppen (8) sind ebenfalls Abkömmlinge davon, hier an der Haut von Brookesia decaryi.

Schuppen

 

Knochen- und Hautkämme

Zur Beschreibung und Unterscheidung von Chamäleons werden sehr gerne sogenannte Kämme (englisch crests) bezeichnet, die das Chamäleon an verschiedenen Körperstellen tragen kann. Am Schädel gibt es gleich mehrere davon: Der laterale Knochenkamm (lateral crest, a-c) besteht aus gleich drei Anteilen. Der rostrale Anteil (rostral crest, a) verläuft beidseitig von der Nasenspitze bis kurz vor das Auge, der orbitale Anteil (orbital crest, b) verläuft – wie der Name schon sagt – über dem Auge, und der dritte Anteil (proper lateral crest, c) verläuft von knapp hinter dem Auge bis zur Spitze des Helms. Von sehr vielen Chamäleonhaltern wird ausschließlich der Knochenkamm von Auge bis Helmspitze als lateral crest bezeichnet. Mittig im Helm verläuft außerdem der parietale Knochenkamm (parietal crest, d). Bei einigen Chamäleonarten gibt es am Kopf noch zusätzlich einen temporalen Knochenkamm, der zwischen dem Parietalkamm und dem Auge verläuft.

Head crests in chameleons

Die meisten Chamäleonarten haben außerdem Kämme, die nicht von darunter liegenden Knochen geformt werden, sondern lediglich aus kegelförmigen Schuppen bestehen. Dazu gehört der Rückenkamm (drosal crest, e), der je nach Art sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Manche Arten wie Pantherchamäleons tragen auf dem Rücken eine fortlaufende Reihe kegelförmiger Schuppen, andere wie die Weibchen von Furcifer antimena nur vereinzelte oder nur im vorderen Bereich. Das Gegenstück zum Rückenkamm ist der Bauchkamm (ventral crest, nicht im Bild), der natürlich entlang des Bauches verläuft. Dabei wird aber noch der Bereich von Kinn bis zur Brust abgeteilt in den sogenannten Kehlkamm (gular crest, f).

Calumma amber, Weibchen, Montagne d'Ambre 2017

Ein weibliches Calumma amber droht mit abgespreizten Occipitallappen

Occipitallappen

Bei einigen madagassischen Chamäleons finden sich hinter dem Kopf lappige Anhängsel, die häufig mit Ohren verwechselt werden. Sie haben nichts mit Ohren zu tun, denn es handelt sich um sogenannte Occipitallappen. Das sind Anhängsel aus Haut, bei größeren Arten teils mit knorpeliger Grundlage. Sind die Occipitallappen recht groß,  können sie mit Hilfe des Musculus depressor mandibulae bei Bedrohung aufgestellt werden und lassen das Chamäleon größer wirken. Auch die Occipitallappen werden häufig zur Differenzierung zwischen Arten herangezogen.

Nasenfortsätze

Viele Chamäleons tragen Nasenfortsätze. Dabei unterscheidet man zwischen echten Hörnern, die aus einer einzigen, vergrößerten, keratinisierten Schuppe auf einem knöchernen Fortsatz bestehen, und unechten Hörnern, die ebenfalls eine knöcherne Grundlage haben, aber von ganz normalen Hautschuppen bedeckt sind.

Echte Hörner finedt man zum Beispiel bei vielen afrikanischen Trioceros-Arten.

Auf Madagaskar gibt es ausschließlich unechte Hörner. Oft handelt es sich bei diesen Nasenfortsätzen um aus den beiden rostralen Knochenkämmen des Kopfes hervorgegangene knöcherne Fortsätze, die vorne zu einem einzigen Fortsatz zusammenwachsen. Beispiele für einen solche  Nasenfortsatz wäre Furcifer rhinoceratus. Genauso gibt es aber auf Madagaskar auch beidseitige Verlängerungen der rostralen Knochenkämme wie beispielsweise bei Furcifer balteatus, Furcifer bifidus, Furcifer minor oder Calumma parsonii. Bei vielen Erdchamäleons sind die unechten Hörner im Laufe der Evolution zu knöchernen Fortsätzen entlang des lateralen Knochenkamms oder zu Fortsätzen zwischen Maul und Nase geworden.

Eine weitere Variante bei Chamäleons sind Nasenfortsätze ohne knöcherne Grundlage, die sogenannten dermalen Hörner („Hauthörner“). Sie bestehen nur aus weicher Haut und sind entsprechend biegsam. Diese Nasenfortsätze findet man zum Beispiel bei Calumma gallus oder Calumma nasutum.

Sinne

Geruchssinn

Geruchsempfindliches Epithel ist bei Echsen in Nase und dem Jacobson’schen Organ (auch Vomeronasal-Organ genannt) im Gaumen vorhanden. Es wird vermutet, dass durch das „Abtasten“ von Ästen mit der Zunge Geruchspartikel dem Jacboson’schen Organ besser präsentiert werden können. Allerdings ist nachgewiesen, dass das Jacobson’sche Organ bei Chamäleons im Gegensatz zu z.B. Schlangen eher schlecht entwickelt ist. Der Geruchssinn scheint daher eine geringe Rolle zu spielen.

Geschmackssinn

Geschmacksknospen befinden sich bei Chamäleons vor allem an der Zungenspitze und dem Zungenpolster. Insgesamt sind weniger davon vorhanden als bei anderen Reptilien.

Gehör und Gleichgewicht

Chamäleons verfügen genau wie Säuger über Gleichgewichts- und Drehsinn sowie ein Gehör. Ein Außenohr mit Trommelfell ist nicht zu finden, und das übrig gebliebene Gehörknöchelchen (Columella) ist bei vielen Arten so stark reduziert, dass man es kaum noch als funktionsfähig benennen kann. Nichtsdestotrotz können Chamäleons wohl sehr laute und niederfrequente Geräusche um 200 Hz wahrnehmen. Sie reagieren außerdem stark auf Vibrationen.

Besondere Drüsen des Kopfes

Salzdrüsen

Salzrkristalle an der Nase eines Furcifer pardalis

Salzrkristalle an der Nase eines Furcifer pardalis

Die Nase der Chamäleons verfügt über Salzdrüsen, über die überschüssige Mineralien in kristalliner Form ausgeschieden werden können. Vor allem sind dies Kalium und Natrium. Durch die Ausscheidungen der Salze kann das Tier Wasser sparen. Entgegen anderslautender Gerüchte hat das Auftreten von Salzen an der Nase bei Chamäleons nichts damit zu tun, dass das betreffende Tier zuviel supplementiert wird. Kalzium gehört nicht zu den ausgeschiedenen Mineralien!

Parietaldrüsen

Die nicht bei allen Chamäleons vorhandenen Parietaldrüsen befinden sich in den Mundwinkeln. Sie sondern stets ein wenig Sekret ab, dass man jedoch mit dem bloßen Auge kaum sieht. Die gelbliche Verfärbung der Mundwinkel bei vielen Chamäleons zeugt aber von der Aktivität der Drüsen. Das Sekret enthält Studien von Ogilvie zu Folge vor allem verhornte Hautzellen, deren Funktion bis heute nicht ganz geklärt ist. Es wird disskutiert, ob das Sekret zum Markieren von Ästen genutzt wird, oder schlicht als Folge der vermehrt aufeinander treffenden Hautschichten im Mundwinkel entstanden ist.

Atemtrakt

Luftröhre

Die Luftröhre bei Chamäleons weist unvollständig geschlossene Knorpelspangen auf. Sie teilt sich erst auf Höhe des Herzens in die beiden Hauptbronchien auf. Einige Chamäleons (zum Beispiel Furcifer pardalis und Furcifer balteatus) haben einen zusätzlichen Lungenlappen im Bereich des Kehlsacks. Welchen tieferen Sinn dieser Anhang erfüllt, ist noch ungeklärt.

Lunge und Luftsäcke

Zusätzlicher Luftsack im Kehlbereich eines Furcifer balteatus

Zusätzlicher Luftsack im Kehlbereich eines Furcifer balteatus

Der Atemtrakt des Chamäleons ist völlig anders aufgebaut als der von Säugern. Die Lunge ist zwar auch paarig, erinnert aber eher an einen Sack mit zahlreichen fingerförmigen Ausbuchtungen als an das aus unzähligen Alveolen bestehende, feste Gewebe der menschlichen Lunge. Die Lunge von Chamäleons ist durch dünne Septen in verschiedene Bereiche („Luftsäcke“) unterteilt, die mit feinen Verästelungen bis weit nach hinten in den Körper reichen. Die Unterteilungen variieren von Art zu Art.

Sowohl Ein- als auch Ausatmen werden durch aktive Bewegungen der Zwischenrippenmuskulatur gesteuert (vergleiche beim Säuger werden lediglich die Einatmung sowie ein sehr kurzer Part der Ausatmung durch Muskeln forciert). Mit einem einzigen Atemzug kann ein Chamäleon jedoch eine doppelt so hohe Sauerstoffversorgung seines Bluts erreichen, da der Gasaustausch bei diesen Tieren sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen stattfindet (wobei dies vor allem im vorderen Bereich der Lunge geschieht, die ins Abdomen ragenden Ausstülpungen dienen nicht dem Gasaustausch).

Präparierte Lunge eines Pantherchamäleons

Präparierte Lunge eines Pantherchamäleons

Durch die sackartige Form, die filigranen, extrem dünnen Membranen und verhältnismäßig schlechte Durchblutung ist die Chamäleonlunge leider sehr anfällig gegenüber Infektionen, was gerade im Terrarium besonderer Beachtung bedarf. Temperaturen und Luftfeuchtigkeit müssen durch adäquate Beleuchtung, Wasserzufuhr und Belüftung optimal dem Bedarf des Chamäleons entsprechen. Die Tiere können außerdem (da kein Zwerchfell vorhanden ist) nicht husten, was ihnen die Möglichkeit verwehrt, in den Luftsäcken befindliche Flüssigkeit über die Luftröhre nach oben zu transportieren. Spätestens Schleim im Maul, hörbare Atemgeräusche und ständig geöffnetes Maul trotz niedriger Temperaturen sollten für den Halter Alarmsignale sein, den nächsten chamäleonkundigen Tierarzt aufzusuchen. Lungenerkrankungen sind nicht ungefährlich und enden bei Chamäleons gerne tödlich.

Die Luftsäcke dienen neben der Atmung auch der Gestaltveränderung: Wenn ein Chamäleon z.B. droht, kann es sich regelrecht „aufblasen“ und seine Körperform stark verändern. Diese Aufblasefunktion wird auch genutzt, wenn die Tiere sich fallen lassen: Damit wird der Sturz abgefedert und in der Regel passiert dem Chamäleon nichts.

Herz

Herz eines Furcifer pardalis

Herz eines Furcifer pardalis

Das Chamäleonherz weist zwei getrennte Vorhöfe auf, jedoch nur eine Kammer. Durch Muskelleisten kann diese Herzkammer fast vollständig in zwei eigenständige Bereiche getrennt werden. Dies ist beim thermostabilen Tier meist der Fall. Sobald die Muskelleisten Blut passieren lassen, sind Körper- und Lungenkreislauf verbunden. Das Tier kann dadurch Blut ganz nach Bedarf zwischen den beiden Kreisläufen verschieben, was eine sehr gute Anpassung an die wechselnden Umweltbedingungen bedeutet.

Grundsätzlich fließt sauerstoffarmes, „gebrauchtes“ Blut aus dem Körper über die Venen in den rechten Herzvorhof und wird dann aus der Kammer heraus in die Lunge gepumpt, wo Sauerstoff aufgenommen wird. Das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge wiederum fließt dann in den linken Herzvorhof, von der Kammer aus wird es dann in den Körperkreislauf weitergegeben. Dadurch, dass Chamäleons nur eine Herzkammer statt zwei wie wir Säuger haben, können sie Säure-Basen-Haushalt, Gasaustausch sowie Blutdruck deutlich effizienter bei verschiedenen Körpertemperaturen regulieren.

Lympathisches System

Das lymphatische System des Körpers transportiert Flüssigkeit (Lymphe) aus Geweben und Organen zu den Venen, so dass sie wieder in den Körperkreislauf gelangen. Bei Chamäleons ist das lymphatische System zwar ausgebildet, Lymphknoten wie beim Menschen gibt es aber keine. Im Magen-Darm-Trakt sind zumindest Lymphfollikel vorhanden.

Milz

Die Milz liegt beim Chamäleon in der Regel im oberen Darmgekröse. Sie ist im Verhältnis zur Körpergröße klein und kugelrund.

Thymus

Der Thymus besteht aus zwei kleinen Läppchen, die jeweils seitlich des Schlunds unter der Arteria carotis interna und mittig der Jugularvenen liegen. Bei ausgewachsenen Tieren ist davon nichts mehr zu finden.

Gesunde Chamäleon-Leber

Gesunde Chamäleon-Leber

Leber und Gallenblase

Die Chamäleonleber besteht wie bei allen Echsen aus nur zwei länglichen Lappen, die bis in die hintere Körperhälfte reichen. Der linkere Leberlappen ist etwas größer als der rechte. Es gibt eine Gallenblase, die in Richtung des Magens im linken Leberlappeln liegt. Je nach Chamäleonart ist die Form der Leber ein wenig unterschiedlich.

Gastrointestinaltrakt

Magen und Darm sind ähnlich aufgebaut wie bei Säugern, allerdings ist die Verdauung bei Chamäleons sehr stark von der Körpertemperatur, Wasserhaushalt, Futtergröße und –typ abhängig. Bei optimaler Temperatur kann die Verdauung um ein Vielfaches schneller ablaufen als bei kühlen Temperaturen. Die gesamte Passage eines Futtertiers vom Ausgang des Magens bis zu den Resten in der Kloake dauert im Durchschnitt etwa drei Tage, bei kleineren Tieren ist auch nur ein Tag möglich. Das ist deutlich länger als die Darmpassage bei Säugern (einige Stunden). Der gesamte Darm, bei einigen Arten nur ein Teil davon, ist bei Chamäleons schwarz pigmentiert – auch das ist im Tierreich eher ungewöhnlich.

Abdominalfettkörper bei Calumma parsonii

Sehr große Abdominalfettkörper bei Calumma parsonii

Abdominalfettkörper

Chamäleons sieht man Verfettung von außen nur minimal an, wenn überhaupt. Der Fettspeicher der Tiere liegt stattdessen im Bauch in Form zweier langer, breiter Fettkörper unter den Rippen. Diese Abdominalfettkörper können bei überfütterten Tieren beachtliche Ausmaße annehmen und bis unter die Lunge reichen. Chamäleons speichern ihr Fett damit nicht „an den inneren Organen“, sondern nur in eben diesem extra angelegten Fettkörper.

Urogenitaltrakt

Nieren eines Furcifer pardalis

Nieren eines Furcifer pardalis

Nieren und Nebennieren

Chamäleons haben ein Nieren-Pfortader-System. Das bedeutet, dass Blut aus dem Körper über die Venen direkt zur Niere geschickt werden kann, nicht wie beim Säuger nur zur Leber. Die Nieren liegen direkt unter dem Kreuzbein und sind längliche, glatte Gebilde. Direkt davor befinden sich als kleine, gelbliche Drüsen die Nebennieren (es wird allerdings disskutiert, ob sie bei allen Chamäleonarten vorhanden sind). Die paarigen Nieren haben nur wenige Nephrone (Nierenkörperchen). Das letzte Tubulussegment ist ein sogenanntes Sexualsegment, dessen genaue Funktion aber unklar ist. Chamäleons haben keine Henle’sche Schleife, mit deren Hilfe Säuger ihren Harn konzentrieren können – dabei wird Wasser entzogen. Stattdessen scheiden sie direkt Harnsäurekristalle, also Urat, aus. Ebenso fehlt den Chamäleons ein Nierenbecken oder Papillen, in das bei Säugern die Sammelrohre der Niere münden, sondern die Sammelrohre münden direkt in den Harnleiter.

Blase und Kloake

Die Kloake selbst funktioniert als gemeinsamer Ausgang für Harn und Kot, das heißt sowohl Harnleiter als auch Enddarm münden in die Kloake. Sie ist in drei Bereiche geteilt: Coprodeum, Urodeum und Proctodeum. Chamäleons haben laut einigen Literaturstellen Blasengewebe zwischen Harnleiter und Kloake – das Auffinden dieser Struktur ist jedoch in der Praxis so gut wie unmöglich. Eine richtige, große Blase wie ein Säugetier haben Chamäleons nicht. Bei männlichen Tieren enden Harn- und Samenleiter meist auf der sogenannten Papilla urogenitalis im Urodaeum. Bei weiblichen Tieren dagegen verlaufen Harn- und Eileiter getrennt zur Kloake.

Hemipenes eines Furcifer pardalis

Hemipenes eines Furcifer pardalis

Geschlechtsorgane

Männliche Chamäleons verfügen nicht nur über einen Penis, sondern gleich über zwei sogenannte Hemipenes. Diese liegen in Taschen hinter der Kloake. Auf der Oberseite jedes Hemipenis befindet sich eine schmale Rinne, die die Spermien bei der Paarung in die Kloake des Weibchens befördert. Die Hemipenes mit ihrem spezifischen Aussehen (u.a. den verschiedenen Papillen darauf) werden auch zur Artdifferenzierung herangezogen.

Weibliche Chamäleons sind entweder ovipar (legen weichschalige Eier) oder ovovivipar (gebären lebende Junge, die von einer dünnen Eihaut umgeben sind). Die Tiere haben Eierstöcke und den sogenannten Legedarm, der in die Kloake mündet. Beim Eierlegen kann der Bereich der Kloake vorgestülpt werden, so dass die Eier nicht vollständig in Kontakt mit Kot oder Urat kommen.

Die Geschlechtsreife wird bei Echsen durch die Körpergröße bzw. das -gewicht bestimmt, nicht durch das Alter.

Geschlechtsmerkmale

Die meisten Chamäleonarten weisen einen starken Geschlechtsdimorphismus auf. Die Männchen sind bei vielen Arten größer, bunter gefärbt und bei einigen Arten weisen sie typische Nasenfortsätze oder veränderte Rückenkämme auf. Beim Pantherchamäleon beispielsweise ist das Männchen größer und bunter gefärbt, während das Weibchen kleiner ist und rosa bleibt. Bei Furcifer rhinoceratus dagegen beeindrucken die Männchen nicht durch Größe, sondern einen auffälligen Nasenfortsatz. Hier sind die Weibchen es, die auffällige Farben tragen.

Der Schwanzansatz eines männlichen Chamäleons ist bei den meisten Arten durch die beiden Hemipenes-Taschen deutlich verdickt. Man sollte diese Verdickung allerdings nicht mit der Kloake verwechseln, die sich weiter vorne am Schwanzansatz befindet.

Endokrine Organe

Zu den endokrinen Organen zählen Epi- und Hypophyse, Schilddrüse, Nebennieren (bereits im Kapitel Urogenitaltrakt erwähnt), die Langerhans’schen Inseln der Bauchspeicheldrüse sowie die Keimdrüsen (ebenfalls im Kapitel Urogenitaltrakt erläutert), eventuell auch die Parietaldrüse (siehe entsprechendes Kapitel). Eine Besonderheit bei Echsen ist die Ultimobranchialdrüse, die Calcitonin (ein Hormon) separat von der Schilddrüse produziert.

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