Das Wissen um Fressfeinde madagassischer Chamäleons entstammt mehrheitlich anekdotischen Berichten und bisher weniger systematischer Untersuchung. Auch wir beobachten immer mal wieder, wie Chamäleons in der Wildnis Madagaskars Opfer anderer Tiere werden. Jenkins, Rabearivony und Rakotomanana haben 2009 die bisher einzige Übersicht zum Thema publiziert1Jenkins Richard K.B., Rabearivony Jeanneney, Rakotomanana Hajanirina (2009): Predation on chameleons in Madagascar: a review. African Journal of Herpetology 58(2): 131-136. Download Wir haben diesen Artikel zusammengestellt, um das aktuelle Wissen um Fressfeinde madagassischer Chamäleons abzubilden. Man kann aktuell davon ausgehen, dass auf Madagaskar vor allem Vögel und Schlangen Chamäleons fressen.
Inhaltsverzeichnis
Vögel
Vögel sind die Fressfeinde madagassischer Chamäleons. Erst mit weitem Abstand sind andere Prädatoren zahlenmäßig vertreten. Zahllose Beobachtungen berichten von verschiedensten Vogelarten, die Chamäleons gelegentlich oder sogar regelmäßig fressen.
Tagaktive Greifvögel

Zeichnung eines Eutriorchis astur – Fotos gibt es nur wenige
Bei den Vögeln sind zwei Greifvögel besonders hervorzuheben: Der Geckoweih (Eutriorchis astur) und der Bindenfalke. Bei diesen beiden Arten scheinen Chamäleons einen sehr großen Anteil der Nahrung auszumachen. Beide jagen vor allem in Baumkronen, was Chamäleons als Baumbewohner zur geeigneten Nahrung prädestiniert. Beim Geckoweih wurde während einer Brut in der Regenzeit beobachtet, dass knapp 50% der Beute aus Chamäleons bestand2Thorstrom Russel, René de Roland Lily-Arison (2000): First nest description, breeding behaviour and distribution of the Madagascar Serpent-Eagle Eutriorchis astur. Ibis 142: 217-224. Download. Geckoweihe sitzen meist auf einem erhöhten Ast und beobachten von dort aus die Umgebung. Entdecken sie eine lohnenswerte Beute, fliegen sie darauf zu und ergreifen das Beutetier mit den kräftigen Krallen. Chamäleons werden dabei meist durchbohrt und dadurch getötet. Mit der Beute fliegen die Geckoweihe wieder zurück zu ihrem Aussichtspunkt, um sie dort Stück für Stück zu verspeisen. Ins Nest zu den Küken werden vor allem schon geköpfte Reptilien gebracht. Der Geckoweih lebt übrigens sehr versteckt und nur an wenigen Orten Madagaskars kann an ihn überhaupt beobachten. Da seine Population zusehends schrumpft, gilt dieser Raubvogel inzwischen als stark gefährdet.
Der Bindenfalke (Falco zoniventris) wurde in manchen Gegenden Madagaskars schon für einen reinen Chamäleonjäger gehalten. Im Regenwald von Masoala machen Chamäleons tatsächlich bis zu 50% der Nahrung des Bindenfalken aus.3René de Roland, L.-A., Rabearivony, J.R., Razafimanajato,R. H.R., Obenarimangason, H.R., Thorstrom, R. (2005): Breeding biology and diet of the banded kestrel Falco zoniventris on Masoala peninsula. Ostrich 76: 32-36. Download Ob in Ifaty im Südwesten Madagaskars oder Marojejy im Nordosten der Insel, überall wurde schon beobachtet, dass Bindenfalken Chamäleons verzehren.4Moger, C. (2004): Birdwatching trip report. Available on http://www.birdtours.co.uk/tripreports/madagascar/mad7/mad-oct-04.htm 5Colebrook-Robjent, J.F.R. (1973): The breeding oft he Madagascar banded kestrel. Bulletin of the British Ornithology club 93: 108-111. Und bereits Untersuchungen von Mageninhalten vor fast 90 Jahren berichteten von Chamäleons als Beute des Bindenfalken im Nordosten Madagaskars.6Rand, A.L. (1936): The distribution and habits of the Madagascar birds. A summary of the field notes of the Mission Zoologique Franco-Anglo-Américaine à Madagascar. Bulletin of the American Museum of Natural History 72: 143-499. Download Beobachtungen aus anderen Gegenden Madagaskars legen jedoch nahe, dass Chamäleons nur Teil einer sehr großen Bandbreite möglicher Beutetiere des Bindenfalkens sind.7Thorstrom, R. (1999): A description of the nests, diet and behaviour of the banded kestrel. Ostrich 70: 149-151. Download Es scheint, als könne dieser Raubvogel sich je nach Verfügbarkeit mehr von Insekten, mehr von Chamäleons, Geckos oder mehr von kleinen Vögeln ernähren. Für einen reinen Chamäleonfresser hält man den Bindenfalken deshalb heute nicht mehr. Der Bindenfalke gilt wegen seines riesigen Verbreitungsgebietes nicht als gefährdet. Man sieht ihn regelmäßig auf Madagaskar.
Vom Echsenhabicht (Tachyspiza francesii) vermutet man stark, dass Chamäleons zur potenziellen Beute gehört. Studien haben bisher ergeben, dass bis zu 42% seiner Beute aus Reptilien besteht. Leider wurden diese nicht weiter identifiziert – es könnten sich gut Chamäleons darunter befunden haben. Es wurde bisher nur einmal ein Chamäleon in einem Magen eines Echsenhabichts nachgewiesen, wobei in der gleichen Studie alle anderen untersuchten Echsenhabichte keine Chamäleons gefressen hatten.8Rand, A.L. (1936): The distribution and habits of the Madagascar birds. A summary of the field notes of the Mission Zoologique Franco-Anglo-Américaine à Madagascar. Bulletin of the American Museum of Natural History 72: 143-499. Download
Der Lemurenweih (Aviceda madagascariensis) wird ebenfalls für einen Chamäleonfresser gehalten. Diese Annahme stammt aus Untersuchungen des Mageninhalts, die in fast drei Viertel der untersuchten Vögel Chamäleons entdeckten.9Rand, A.L. (1936): The distribution and habits of the Madagascar birds. A summary of the field notes of the Mission Zoologique Franco-Anglo-Américaine à Madagascar. Bulletin of the American Museum of Natural History 72: 143-499. Download Aktuelle Studien konnten dies über Beobachtungen bisher nicht weiter bestätigen. Es ist daher noch unklar, ob es sich um einen Zufallsfund handelt oder der Lemurenweih wirklich einen Großteil seiner Beute unter Chamäleons macht.
Der Madagaskar-Bussard (Buteo brachypterus) ist auf Madagaskar in nahezu allen Lebensräumen verbreitet. Im Regenwald von Analalava nahe Mahavelona an der Ostküste wurde ein Madagaskar-Bussard dabei beobachtet, wie er einem Chamäleon köpfte und den Kopf fraß. Den Körper des Chamäleons brachte der Raubvogel dann zu seinem Nest, um zwei Küken damit zu füttern.10Goodman, S.M., Pidgeon, M., Hawkins, A.F.A., Schulenberg, T.S. (1997): The birds of southeastern Madagascar. Fieldiana Zoology 87: 1-132. Download Weitere Madagaskar-Bussarde wurden in einer längeren Studie in Masoala beobachtet. Rund 11% der Beute waren dabei Chamäleons.11Berkelmann, J. (1997): Food habits of the Madagascar buzzard in the rainforest of the Masoala peninsula. The Condor 9: 833-835. Download Auf eine etwas höhere Quote kamen Anfang des 20. Jahrhunderts Wissenschaftler, die in Mägen toter Bussarde etwa zu 20% Chamäleons entdeckten.12Rand, A.L. (1936): The distribution and habits of the Madagascar birds. A summary of the field notes of the Mission Zoologique Franco-Anglo-Américaine à Madagascar. Bulletin of the American Museum of Natural History 72: 143-499. Download Weitere Beobachtungen aus Ankarafantsika sprechen von mehr als 17 Schädeln getöteter Furcifer oustaleti in einem einzigen Nest des Madagaskar-Bussards.13 Metcalf, J., Bayly, N., Bisoa, M., Rabearivony, J., Stewart-Jones, A. (2005): Furcifer oustaleti, Furcifer rhinoceratus. Predation. Herpetological Review 36(4): 447-448.
Die Madagaskarweihe (Circus macrosceles) nutzt Chamäleons in Ambohitantely im nördlichen Hochland zu einem sehr kleinen Anteil als Futter.14René de Roland, L-A., Rabearivony, J.R., Randriamanga, I, Thorstrom, R. (2004): Nesting biology and diet of the Madagascar harrier (Circus macrosceles) in Ambohitantely Special Reserve, Madagascar. Journal of Raptor Research 38: 256-262. Download Ähnlich selten scheint die Höhlenweihe (Polyboroides radiatus) in Berenty im äußersten Südosten der Insel Chamäleons zu jagen. In einer Studie machten Furcifer major nur 0,1% der Beutetiere aus, die zum brütenden Partnertier ans Nest gebracht wurden.15Karpanty, S.M., Goodman, S.M. (1999): Diet of the Madagascar harrier-hawk Polyboroides radiatus in south-eastern Madagascar. Journal of Raptor Research 33: 313-316. Download
Nachaktive Greifvögel
Nachaktive Greifvögel, namentlich Eulen, scheinen nur selten mal ein Chamäleon zu erbeuten – vermutlich, weil Chamäleons nachts schlafen und bewegungslos schwieriger als Beute zu erkennen sind.
In Gewöllen der Schleiereule (Tyto alba) wurden bisher nur ein einziges Mal Überreste von Chamäleons gefunden – und das, obwohl sie teils in sehr chamäleonreichen Gegenden wie der Ostküste Madagaskars vorkommt. Es handelte sich bei dem genannten Einzelfund wahrscheinlich um ein junges Furcifer verrucosus oder ein Furcifer major, das in der Regenzeit in Beza-Mahafaly im Südwesten Madagaskars erbeutet worden war.16Goodman, S.M., Langrand, O.L. (1993): Food habits of the barn owl Tyto alba at three sites on Madagascar. Ostrich 64(4): 160-171. Download
Der relative kleine Madagaskarkauz (Athene superciliaris), der fast in allen Küstenregionen Madagaskars vorkommt, wurde ebenfalls nur ein einziges Mal bisher nachweislich mit dem Verzehr eines Chamäleons in Zusammenhang gebracht.17Rand, A.L. (1936): The distribution and habits of the Madagascar birds. A summary of the field notes of the Mission Zoologique Franco-Anglo-Américaine à Madagascar. Bulletin of the American Museum of Natural History 72: 143-499. Download
Auch die Madagaskar-Zwergohreule (Otus rutilus), ebenfalls eine recht häufig vorkommende Art, wurde nur ein Mal beim Verzehr eines kleinen Chamäleons der Gattung Calumma in Andohahela beobachtet.18Goodman, S.M., Pidgeon, M., Hawkins, A.F.A., Schulenberg, T.S. (1997): The birds of southeastern Madagascar. Fieldiana Zoology 87: 1-132. Download
Vangas
Die Singvögel der Vangas oder Vangawürger kommen nur auf Madagaskar und den benachbarten Komoren vor. Ähnlich der Darwinfinken auf den Galápagos-Inseln haben sie sich über Jahrhunderte in zahlreiche Arten mit speziellen ökologischen Nischen entwickelt. Heute zählt man 39 Arten, die optisch unterschiedlicher kaum sein könnten.

Ein Hakenschnabelvanga in Ankarafantsika im Westen Madagaskars
Hakenschnabelvangas (Vanga curvirostris) scheinen regelmäßig Chamäleons zu fressen. Sie fangen die Chamäleons mit ihrem Schnabel und schlagen sie dann gegen einen Ast, um sie zu töten. In Manantantely im Südosten Madagaskars wurde schon mehrfach beobachtet, dass Hakenschnabelvangas tote Chamäleons mit dem Kopf in Astgabeln festklemmten, um sie einfacher zerstückeln zu können.19Goodman, S.M., Pidgeon, M., Hawkins, A.F.A., Schulenberg, T.S. (1997): The birds of southeastern Madagascar. Fieldiana Zoology 87: 1-132. Download Auf etwas über 10% Chamäleon-Anteil an Beutetieren kam eine Beobachtungsstudie an Hakenschnabelvangas in Ankarafantsika im Nordwesten Madagaskars20Rakotomanana, H., Akamura, M.N., Yamagishi, S. (2001): Breeding ecology of the endemic hook-billed vanga, Vanga curvirostris, in Madagascar. Journal of the Yamashina Institute for Ornithology. 33: 25-35. Download. Elterntiere fütterten ihren Küken im Nest dabei swohl Furcifer oustaleti als auch Furcifer rhinoceratus und Brookesia decaryi, also alle häufiger vorkommenden Arten des dortigen Trockenwaldes. Außerdem verfütterten die Hakenschnabelvangas viele bereits zerkleinerte Fleischstückchen an ihre Küken, bei denen die Autoren davon ausgehen, dass auch davon ein größerer Anteil Chamäleons gewesen sein könnten. Eine ältere Studie fand in einem Großteil untersuchter Mägen von Hakenschnabelvangas aus dem Norden Madagaskars Chamäleons.21Rand, A.L. (1936): The distribution and habits of the Madagascar birds. A summary of the field notes of the Mission Zoologique Franco-Anglo-Américaine à Madagascar. Bulletin of the American Museum of Natural History 72: 143-499. Download
Ganz im Gegensatz dazu scheint der Weißkopfvanga (Artamella viridis) nur bei guter Gelegenheit Chamäleons zu erbeuten.22Rand, A.L. (1936): The distribution and habits of the Madagascar birds. A summary of the field notes of the Mission Zoologique Franco-Anglo-Américaine à Madagascar. Bulletin of the American Museum of Natural History 72: 143-499. Download

Ein Weißkopfvanga in Kirindy
Mehrere Beobachtungen von Helmvangas (Euryceros prevostii) berichten aus dem Regenwald von Masoala, wie Erdchamäleons, vermutlich Brookesia griveaudi, an Jungtiere verfüttert oder von adulten Vögeln selbst verspeist wurden.23Lamarca, G., Thorstrom, R. (1999): Breeding biology, diet and vocalization of the helmet vanga, Euryceros prevostii, on the Masoala Peninsula, Madagascar. Ostrich 71: 400-403. Download24Thostrom, R., Watson, R.T. (1997): Avian inventory and key species of the Masoala peninsula, Madagascar. Bird Conservation International 7: 99-115. Download Insgesamt machten Chamäleons jedoch auch bei den beobachteten Helmvangas nur etwas mehr als 1% der Nahrung aus – das meisterbeutete Futter waren Insekten.
Erdracken
Erdchamäleons werden insgesamt seltener Opfer von Vögeln. Aber selbst diese kleinen und unscheinbaren Chamäleons werden immer wieder von im Laub nach Futter suchenden Vögeln attackiert und verzehrt. Die Bindenerdracke (Brachypteracias leptosomus) wurde im Regenwald von Masoala beobachtet, wie sie sich zu rund 7% von Erdchamäleons der Gattung Brookesia ernährte25Thostrom, R., Lind, J. (1999): First nest description, breeding, ranging and foraging behaviour of the short-legged ground roller Brachypteracias leptosomus in Madagascar. Ibis 141: 569-576. Download. Weniger als 1% ihrer Nahrung machten mittelgroße Chamäleons bzw. deren Jungtiere aus. An der zentralem Ostküste fanden sich im Magen von Bindenerdracken ebenfalls Chamäleons. 26Rand, A.L. (1936): The distribution and habits of the Madagascar birds. A summary of the field notes of the Mission Zoologique Franco-Anglo-Américaine à Madagascar. Bulletin of the American Museum of Natural History 72: 143-499. Download
Die Schuppenerdracke (Geobiastes squamiger) wurde ebenfalls in Masoala dabei gesehen, wie sie sich von Erdchamäleons ernährte.27Thostrom, R., Watson, R.T. (1997): Avian inventory and key species of the Masoala peninsula, Madagascar. Bird Conservation International 7: 99-115. Download Beide Erdracken-Arten bewegen sich vorwiegend über den Boden und achten dabei auf kleinste Bewegungen in der Laubschicht. Entdecken sie eine potenzielle Beute, sprinten sie zu der Stelle und drehen mit dem Schnabel Blätter um, bis die Beute entdeckt ist.
Eine dritte, Chamäleon jagende Erdracke ist die Blaukopf-Erdracke (Atelornis pittoides). Sie ernährt sich aber vorwiegend von Insekten und ergreift nur gelegentlich mal ein Erdchamäleon.28Thostrom, R., Lind, J. (1999): First nest description, breeding, ranging and foraging behaviour of the short-legged ground roller Brachypteracias leptosomus in Madagascar. Ibis 141: 569-576. Download.
Seidenkuckucke
Seidenkuckucke sind auf Madagaskar endemisch und beliebtes Fotomotiv für Birdwatcher. Sie gelten als Allesfresser, so dass auch Chamäleons bei etlichen Arten auf der Speisekarte stehen müssten. Tatsächlich ist aber nur von zwei der neun derzeit existenten Arten bekannt, dass sie Chamäleons fressen.
Das ist zum Einen der Spitzschopf-Seidenkuckuck (Coua cristata), der im trockenen Westen Madagaskars lebt. Dieser schöne Vogel wurde schon dabei beobachtet, Chamäleons im Schnabel getragen zu haben.29Goodman, S.M., Pidgeon, M., Hawkins, A.F.A., Schulenberg, T.S. (1997): The birds of southeastern Madagascar. Fieldiana Zoology 87: 1-132. Download Ein anderes Mal fraß ein Spitzkopf-Seidenkuckuck in Ankarafantsika ein weibliches Furcifer oustaleti.30 Metcalf, J., Bayly, N., Bisoa, M., Rabearivony, J., Stewart-Jones, A. (2005): Furcifer oustaleti, Furcifer rhinoceratus. Predation. Herpetological Review 36(4): 447-448. Dabei konnte beobachtet werden, wie der Vogel das Chamäleon regelrecht vom Ast pickte, um es dann vom Boden aufzuheben und zu verzehren.
Der zweite Chamäleonfresser unter den Seidenkuckucken ist der blaue Seidenkuckuck. Ein Tier der Art wurde im Regenwald von Andohahela im Südosten Madagaskars dabei beobachtet, wie er eine kleine Calumma-Art im Schnabel hielt und an sein Partnertier verfütterte.31Goodman, S.M., Pidgeon, M., Hawkins, A.F.A., Schulenberg, T.S. (1997): The birds of southeastern Madagascar. Fieldiana Zoology 87: 1-132. Download Auch ein älterer Bericht bestätigt, dass blaue Seidenkuckucke gelegentlich kleine Chamäleons erbeuten.32Rand, A.L. (1936): The distribution and habits of the Madagascar birds. A summary of the field notes of the Mission Zoologique Franco-Anglo-Américaine à Madagascar. Bulletin of the American Museum of Natural History 72: 143-499. Download
Weitere Vögel
Der Kurol (Leptosomus discolor) wäre als rackenähnlicher Vogel auf den ersten Blick dazu prädestiniert, wie die Erdracken hin und wieder Erdchamäleons zu fressen. Tatsächlich fliegt der Kurol jedoch wesentlich mehr als Madagaskars Erdracken und jagt vorwiegend in den Baumkronen. Nur eine einzige Studie hat vor vielen Jahren in über 20% der untersuchten Vögel mittelgroße Chamäleons gefunden.33Rand, A.L. (1936): The distribution and habits of the Madagascar birds. A summary of the field notes of the Mission Zoologique Franco-Anglo-Américaine à Madagascar. Bulletin of the American Museum of Natural History 72: 143-499. Download Seitdem gilt Chamäleons als Futter des Kurols auf Madagaskar, auch wenn es keine weiteren Beobachtungen mehr gab.
Auf den ersten Blick eher ungewöhnlich als Chamäleonprädator erscheint der Madagaskarfischer (Corythornis madagascariensis). Dieser winzige, knallig gefärbte Eisvogel wurde in Andohahela im Südosten Madagaskars einmal dabei beobachtet, wie er ein Chamäleon der Gattung Calumma erbeutete, das genau so lang wie sein eigener Kopf und Schnabel war. Das Chamäleon wurde durch Schlagen gegen einen Ast getötet und dann heruntergewürgt.34Goodman, S.M., Pidgeon, M., Hawkins, A.F.A., Schulenberg, T.S. (1997): The birds of southeastern Madagascar. Fieldiana Zoology 87: 1-132. Download
Von einem weiteren an Gewässer gebundenem Vogel, der Cuvier-Ralle (Dryolimnas cuvieri), gibt es auch nur einen einzigen Nachweis von Chamäleons als Beute. Diese Vogelart lebt in Regenwald, Mangroven und Sumpfgebieten, aber auch in Reisfeldern. Sie waten häufig durchs Wasser und stochern mit dem Schnabel am Ufer, was zu Chamäleons als Beute eher wenig passt. Trotzdem gibt es eine Beobachtung aus einem Regenwald nahe Anjozorobe im nördlichen Hochland Madagaskar, bei der ein Elterntier mit Küken ein adultes Calumma gastrotaenia im Schnabel trug – eine vor Ort sehr häufige Art.35Jenkins, R.K.B. (2001): Observations on the white-thorated rail Dryolimnas cuvieri in Madagascar. Scopus 21: 65-67. Download
Schlangen
Colubridae – Nattern
Die meisten Schlangen Madagaskars, die Chamäleons als Beute nutzen, sind Colubriden. Diese verfügen fast alle über Giftzähne weit hinten im Oberkiefer, etwa unter den Augen. Man nennt dies opistoglyphe Giftzähne. Die Giftwirkung ist für den Menschen nicht dramatisch und ähnelt in seinen Auswirkungen bei den meisten Schlangen Madagaskars eher einem Insektenstich mit Schwellungen und stundenweise anhaltendem Schmerz. Nur sehr wenige, größer werdende Arten verursachen bei Bissen am Menschen über Tage anhaltende Schwellungen und Schmerzen. Nichtsdestotrotz reicht das Gift nahezu aller Colubriden Madagaskars aus, um kleine Beute wie Chamäleons zu töten oder zumindest zu immobilisieren.
Nachtnattern (Ithycyphus)

Ithycyphus perineti an der Ostküste Madagaskars
Die Gattung Ithycyphus (nur auf den ersten Blick ein eher unaussprechlicher Name) ist endemisch auf Madagaskar und besteht nur aus fünf Arten. Drei davon sind bereits als Chamäleonfresser aufgefallen, von den übrigen beiden vermutet man es. Alle sind tagaktiv und stöbern Chamäleons direkt in Bäumen und auf dem Boden auf.
Im Südwesten Madagaskars wurde eine Ithycyphus oursi dabei beobachtet, wie sie ein weibliches Furcifer oustaleti erbeutete.36Crottini, A., Harris, D.J., Irisarri, I.A., Lima, A., Rasamison, S., Rosa, G.M. (2010): Confirming Domergue: Ithycyphus oursi Domergue, 1986 predation upon Furcifer oustaleti (Mocquard, 1894). Herpetology Notes 3: 127-131. Download Die Beute war innerhalb weniger Minuten nach dem Biss der Schlange gelähmt. Es dauerte danach zwar über eine Stunde, aber tatsächlich konnte die Schlange das große Chamäleon vollständig herunterschlucken. Ein weiteres Furcifer oustaleti wurde bereits 1986 im Magen einer Schlange der gleichen Art entdeckt. 37Domergue, C.A. (1986): Notes sur les serpents de la région malgache VI. Le genre Ithycyphus Günther 1973; description de deux espèces Nouvelles. Bulletin du muséum national d’histoire naturelle Paris Ser. 4, Sec. A. 8: 409- 434. Download
Ebenfalls ziemlich klein, aber durchaus in der Lage kleine Chamäleons zu überwältigen ist Ithycyphus miniatus. Diese Schlangenart ist vor allem im Nordwesten Madagaskars beheimatet. Beobachtungen von Nosy Komba bestätigen sie als potenziellen Chamäleonprädator.38Ava-Leigh. (2017): Ithycyphus miniatus feeding on a chameleon. Available on https://www.istockphoto.com/de/foto/kleine-nacht-schlange-essen-ein-cham%C3%A4leon-nosy-komba-madagaskar-gm885409058-246015731[/mfn] Aber auch Beobachtungen aus der Terraristik in Deutschland legen nahe, dass Chamäleons von dieser Schlange gerne verzehrt werden.38Glaw, F., Vences, M. (2007): Field Guide to the Amphibians and Reptiles of Madagascar. 3rd edition. Vences & Glaw Verlag, Cologne, Germany. 498 pp.
Die an der Ostküste vorkommende Ithycyphus perineti wurde bereits beim Verzehr von Calumma brevicorne beobachtet.39Glaw, F., Vences, M. (2007): Field Guide to the Amphibians and Reptiles of Madagascar. 3rd edition. Vences & Glaw Verlag, Cologne, Germany. 498 pp.
Katzenaugennattern (Madagascarophis)

Eine Madagascarophis colubrinus verschlingt ein totes Pantherchamäleon in Akanin’ny Nofy
Die im Südwesten Madagaskars beheimatete und dämmerungs- bzw. nachtaktive Schlange Madagascarophis meridionalis wurde schon mehrfach dabei beobachtet, wie sie Chamäleons als Beute nutzte. Sie hat offenbar ein sehr breites Beutespektrum, was sowohl Reptilien als auch Amphibien einschließt. Nahe Toliara wurde eine Schlange dieser Art dabei beobachtet, wie sie ein Furcifer verrucosus verschlang.40 Andriamandimbiarisoa, L.N. (2007): Contribution à l’ètude de l’histoire de trois espèces de caméléons de la region de Toliary, Furcifer verrucosus (Grandidier, 1872) et Furcifer antimena (Grandidier, 1872): biologie, écologie et éthologie de la reproduction. Mémoire DEA, unpublished. Département de Biologie Animale, University of Antananarivo, Madagascar. 73 pages. Download
Von der auf ganz Madagaskar verbreiteten Schwesternart Madagascarophis colubrinus wurde zwar über Jahrzehnte immer wieder behauptet, sie würde Chamäleons fressen, Nachweise dafür gab es jedoch nur einen einzigen aus Nosy Be über den Verzehr eines weiblichen Furcifer pardalis.41Glaw, F., Vences, M. (1996): Seltene Schlangen aus Madagaskar. TI Magazin 132: 41-45. Download 2026 veröffentlichten wir eine Beobachtung aus Akanin’ny Nofy, bei der eine Madagascarophis colubrinus den Kadaver eines Pantherchamäleons (Furcifer pardalis) fraß.42Negro, A., Radimbiniaina, H.Z. (2026): Rotten ready-to-eat: observation of a Malagasy Cat-eyed Snake, Madagascarophis colubrinus (Schlegel, 1837), feeding on the carcass of a Panther Chameleon, Furcifer pardalis (Cuvier, 1829). Herpetology Notes 19: 399-401. Download Dass diese Schlangen sich gelegentlich als Aasfresser betätigen, war bis dahin unbekannt. Madagascarophis colubrinus verfügt über ein schwaches Neurotoxin, also ein Gift, dass Nerven lähmt.43Kryukova, E.V., Ivanov, D.A., Kopylova, N.V., Starkov, V.G., Andreeva, T.V., Ivanov, I.A., Tsetlin, V.I., Utkin, Yu. N. (2023): A new peptide from the venom of the Madagascar cat-eyed snake Madagascarophis colubrinus blocks nicotinic acetylcholine receptor. Russian Journal of Bioorganic Chemistry 49(3): 529-537. Download
Mahafalynattern (Mimophis)
Die Gattung Mimophis beinhaltet aktuell nur zwei Arten, wovon eine Art im Norden und Nordwesten Madagaskars heimisch ist und die zweite vereinfacht dargestellt die gesamte übrige Insel besiedelt. Beide Arten sind tagaktiv und halten sich vorwiegend am Boden auf. Sie verfügen über ein schwach cytotoxisches Gift.44Rosa, G.M., Boistel, R., Campantico, E., Gillet, B., Bergò, P.E., Andreone, F. (2014): Case solved: presence of toxin-secreting oral glands in the lamprophiid snake Mimophis mahfalensis (Grandidier, 1867) from Madagascar. Zoomorphology 133: 417-423. Download Ihr Speiseplan beinhaltet reichlich Reptilien und Amphibien, aber auch kleine Säugetiere; kurz: Diese Schlangen verschmähen wenig Beute.
Von Mimophis occultus weiß man, dass sie sich hin und wieder an Chamäleons vergreift. Im Magen des Typusexemplars, an Hand dessen die Art zum ersten Mal beschrieben wurde, befand sich ein Brookesia stumpffi.45 Ruane, S., Myers, E.A., Lo, K., Yuen, S., Welt, R.S., Juman, M., Futterman, I., Nussbaum, R.A., Schneider, G., Burbrink, F.T., Raxworthy, C.J. (2017): Unrecognized species diversity and new insights into colour pattern polymorphism within the widespread Malagasy snake Mimophis (Serpentes: Lamprohiidae). Systematics and Biodiversity 16(3): 1-16. Download In Ankarafantsika wurde ein anderes Tier der Art dabei beobachtet, wie es ein Furcifer rhinoceratus verzehrte.46 Metcalf, J., Bayly, N., Bisoa, M., Rabearivony, J., Stewart-Jones, A. (2005): Furcifer oustaleti, Furcifer rhinoceratus. Predation. Herpetological Review 36(4): 447-448. Eine eigene Beobachtung zu dieser Art von uns selbst befindet sich derzeit im Veröffentlichungsprozess.

Trächtiges Weibchen von Mimophis mahfalensis in Ambositra
Die wesentlich weiter verbreitete Schwesternart Mimophis mahfalensis dagegen wurde schon relativ häufig beim Verzehr von Chamäleons beobachtet. Eine Reporterin der New York Times fand einen Angriff der Art auf ein Furcifer oustaleti im Regenwald von Andasibe im östlichen Hochland Madagaskars sogar so spannend, dass sie es in der Zeitung veröffentlichte.47 https://www.dailymail.co.uk/news/article-2285525/Snake-vs-chameleon-Moment-savage-serpent-strikes-defenceless-animal-toxic-paralysing-poison-eats-lunch.html[/mfn] Nahe des Andringitramassifs im Südosten Madagaskars sammelten Wissenschaftler eine Mimophis mahfalensis, in deren Magen sie ein kürzlich gefressenes Furcifer willsii entdeckten.47 Lobón-Rovira, J., Belluardo, F., Rasoazanany, M., Rosa, G.M., Crottini, A. (2020): Canopy chameleon (Furcifer willsii) consumption by common big-eyed snake (Mimophis mahfalensis) in Fivahona Forest, eastern Madagascar. Malagasy Nature 14: 81-83. Download Im Südwesten Madagaskars, in den Schluchten des Isalo-Gebirges, wurde eine Mimophis mahfalensis dabei beobachtet, wie sie ein männliches Furcifer major verschlang.48 Rosa, G.M., Castelo Branco, J., Couto, H., Bergò, P.E., Andreone, F. (2016): Mimophis mahfalensis (common big-eyed snake) predation on Furcifer major (giant carpet chameleon) in Isalo, Madagascar. The Herpetological Bulletin 138: 40-41. Download Im Westen Madagaskars, in Kirindy, fraß eine Mahafalynatter ein Furcifer labordi.49Andriamandimbiarisoa, L.N. (2007): Contribution à l’ètude de l’histoire de trois espèces de caméléons de la region de Toliary, Furcifer verrucosus (Grandidier, 1872) et Furcifer antimena (Grandidier, 1872): biologie, écologie et éthologie de la reproduction. Mémoire DEA, unpublished. Département de Biologie Animale, University of Antananarivo, Madagascar. 73 pages. Download
Großkopfschlangen (Compsophis)
Zwei Compsophis infralineatus wurden im zentralen Osten Madagaskars nahe Mandraka dabei beobachtet, wie sie versuchten, Chamäleons als Beute zu verschlingen.50Edmonds, D.A., Sam-Edmonds, S.S. (2024): Predation on the chameleons Calumma crypticum Raxworthy and Nussbaum, 2006 and C. gastrotaenia (Boulenger, 1888) by the snake Compsophis infralineatus (Günther, 1882) near Mandraka, Madagascar. Herpetology Notes 17: 327-328. Download Dabei wurden ein adultes Calumma gastrotaenia und ein ebenso adultes Calumma crypticum zur Beute der Schlangen. Insgesamt weiß man von Compsophis infalineatus nicht besonders viel, man hielt sie jedoch lange vor allem für Frosch- und Laichfresser.

Compsophis laphystius im Regenwald von Marojejy
Eine andere, bisher unbeschriebene Art Compsophis sp. aff. laphystius aus dem Regenwald des Montagne d’Ambre im Norden Madagaskars wurde bei einer Studie mit einem adulten Calumma amber im Magen aufgefunden.51Edmonds, D.A., Sam-Edmonds, S.S. (2024): Predation on the chameleons Calumma crypticum Raxworthy and Nussbaum, 2006 and C. gastrotaenia (Boulenger, 1888) by the snake Compsophis infralineatus (Günther, 1882) near Mandraka, Madagascar. Herpetology Notes 17: 327-328. Download Diese Beobachtung bestätigt zum einen, dass auch diese Compsophis-Art kein reiner Froschfresser ist, zum anderen zeigt es, welche erstaunlichen Größen an Beutetieren Schlangen verschlingen können. Compsophis sp. aff. laphystius bleibt mit unter 70 cm Gesamtlänge relativ klein, während ein Calumma amber Weibchen als Beute dazu mit rund 35 cm Gesamtlänge verhältnismäßig groß erscheint.
Baumschlangen (Brygophis)
Zur Gattung Brygophis gehört auf Madagaskar nur eine einzige Art, Brygophis coulangesi. Diese seltene Schlange ist ein reiner Baumbewohner und kommt im Nordosten Madagaskars vor. Das erste gefundene Tier erbrach nach dem Fund ein relativ großes Calumma parsonii im Regenwald von Anjanaharibe-Sud.52Glaw, F., Vences, M. (2007): Field Guide to the Amphibians and Reptiles of Madagascar. 3rd edition. Vences & Glaw Verlag, Cologne, Germany. 498 pp. Sonst weiß man über die Art bisher fast nichts.
Parastenophis betsileanus

Eine Parastenophis betsileanus in Marojejy
An der nördlichen Ostküste Madagaskars konnte eine Schlange dieser Art in der Nacht dabei beobachtet werden, wie es ein Brookesia superciliaris verschlang.53Kaloloha, A., Misandeau, C., Gehring, P.-S. (2011): Notes on the diversity and natural history of the snake fauna of Ambodiriana-Manompana, a protected rainforest site in north-eastern Madagascar. Herpetology Notes 4: 397-402. Download Im östlichen Hochland wurde ein Furcifer willsii im Magen einer Parastenophis betsileanus entdeckt.54Raxworthy, C.J. (1988): Reptiles, Rainforest and Conservation in Madagascar. Biological Conservation 43: 181-211. Download Man geht davon aus, dass Parastenophis betsileanus kein reiner Baumbewohner ist, sondern durchaus auch auf dem Boden und im niedrigeren Geäst nach Beute sucht. Sie ist allerdings nachtaktiv, sollte also vor allem auf schlafende Chamäleons treffen. Ein eher ungewöhnlicher Fraßnachweis stammt aus Ranomafana im südlichen Hochland: Auf einer Straße wurde nachts bei starkem Regen eine Parastenophis betsileanus gefunden, die ein männliches Furcifer balteatus versuchte zu verschlingen.55Glaw, F., Vences, M. (1996): Seltene Schlangen aus Madagaskar. TI Magazin 132: 41-45. Download Die Schlange fühlte sich durch die Beobachter aber offenbar gestört und würgte das vergleichsweise große Chamäleon wieder aus.
Bachnattern (Pseudoxyrhophus)
Nur wenige Schlangen Madagaskars haben sich auf den Verzehr von Eiern spezialisiert. Zu diesen gehört die kleine Schlange Pseudoxyrhophus ambreensis, die nur im Regenwald des Montagne d’Ambre und im Tsaratanana-Massif im Norden Madagaskars vorkommt. Sie ist nachtaktiv und wurde schon oft dabei beobachtet, aktiv in der Erde zu graben. Im Magen eines Weibchens wurden drei Chamäleoneier, wahrscheinlich von Calumma linotum, gefunden.56Knoll, A., Glaw, F., Köhler, J. (2009): The Malagasy snake Pseudoxyrhophus ambreensis preys upon chameleon eggs by shell slitting. Herpetology Notes 2: 161-162. Download Die Schlange schlitzt die Eier während des Verzehrs mit ihren Zähnen auf, so dass Eidotter und Eiweiß austreten und leichter verdaut werden können.
Auf Madagaskar gibt es noch mehrere weitere Pseudoxyrhophus-Arten, die ebenfalls als Eierfresser bekannt sind. Ob diese allerdings auch zu Chamäleoneiern greifen, ist noch unbekannt.
Madagaskar-Hakennasennatter (Leioheterodon madagascariensis)
Und schließlich gibt es da noch die Opportunisten unter den Schlangen, die sich sowohl von lebenden Reptilien, Amphibien, kleinen Säugetieren, Vögeln als auch Eiern ernähren. Zu diesen gehört die Madagaskar-Hakennasennatter Leioheterodon madagascariensis. Diese Art kann mit über anderthalb Meter Länge sehr groß und kräftig werden. Sie ist auf ganz Madagaskar verbreitet und besiedelt unterschiedlichste Lebensräume vom Trocken- bis zum Regenwald – entsprechend häufig trifft man sie auf der Insel an. Mehrheitlich lebt die Hakennasennatter auf dem Boden. Wir haben sie aber auch schon aktiv in einem Gebüsch kletternd auf der Suche nach Beute entdeckt.
Schon mehrfach konnten wir Tiere dieser Art dabei beobachten, wie sie aktiv in der Erde gruben (siehe oben stehendes Foto aus Ankarafantsika im Westen Madagaskars), um frische Gelege aufzuspüren. Mindestens einmal war dabei von Größe und Konsistenz der Eier zu erahnen, dass es sich um Gelege von Chamäleons handelte. Am häufigsten erwischt die Hakennasennatter aber wahrscheinlich die Eier von Madagaskarleguanen.
Blattnasennatttern (Langaha madagascariensis)

Männliche Langaha madagascariensis an der Ostküste Madagaskars
Auch die wunderschönen madagassischen Blattnasennattern scheinen ab und an ein Chamäleon nicht zu verschmähen. Die Art kommt von den Regenwäldern des Nordens und denen entlang der Ostküste bis in die Trockenwälder des mittleren Südwestens hinein vor. Sie ist vorwiegend tagaktiv und strikter Baumbewohner. Ihre extrem gute Tarnung macht diese Schlangen für ihre Opfer nahezu unsichtbar, bevor sie zuschlagen.
Im Süden Madagaskars wurde im Magen einer weiblichen Blattnasennatter ein juveniles Furcifer verrucosus entdeckt. 57Viol, A.L., Crowell, H.L., Lee, J.L., Schramer, T.D. (2025): Langaha madagascariensis (Malagasy Leaf-nosed Snake). Diet and reproduction. Herpetological Review 55(2): 284. Download Andere Reptilien sind vom Speiseplan der Blattnasennatter bereits bekannt, darunter Madagaskarleguane, Geckos und Skinke.58Tingle, J.L. (2012): Field observations on the behavioral ecology of the Madagascan Leaf-nosed Snake, Langaha madagascariensis. Herpetological Conservation and Biology 7(3): 442-448. Download Ob Chamäleons von Blattnasennattern öfter gefressen werden oder es sich bei dem genannten Fund um einen Einzelfall handelte, ist noch unklar.
Kannibalismus
Chamäleons schießen als Beute selbst auf nahezu alles, was sich bewegt und klein genug erscheint. Das gilt leider auch für andere Chamäleons, die hier und da Beute anderer Chamäleons werden. Das wird weltweit bei Chamäleons beobachtet und ist auf Madagaskar leider nicht anders.

Ein männliches Furcifer oustaleti in Antsirabe
Eine Beobachtung aus Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, berichtet, wie ein adultes Furcifer oustaleti ein deutlich kleineres Chamäleon verschlingt. Vermutlich handelt es sich bei dem gefressenen Chamäleon um ein Teppichchamäleon (Furcifer lateralis).59René de Roland, A., Razarazafy, D., Fabrice, S. (2025): Predation on Furcifer sp. by Oustalet’s Chameleon, Furcifer oustaleti (Mocquard, 1894), in the Central Highlands of Madagascar. Herpetology Notes 18: 305-306. Download Eine andere Beobachtung in Ankarafantsika im Westen Madagaskars beschreibt ein adultes Furcifer oustaleti, dass ein juveniles Furcifer rhinoceratus schießt und frisst.60Metcalf, J., Bayly, N., Bisoa, M., Rabearivony, J., Stewart-Jones, A. (2005): Furcifer oustaleti, Furcifer rhinoceratus. Predation. Herpetological Review 36(4): 447-448. Sicherlich ist Furcifer oustaleti nicht die einzige Chamäleon-Art auf Madagaskar, die andere Chamäleons vertilgt. Da die Art jedoch die weiteste Verbreitung auf der Insel hat, zahlenmäßig am häufigsten vorkommt und recht groß wird, ist es schlicht am wahrscheinlichsten, dass man zufällig ein Furcifer oustaleti auf Madagaskar beim Verzehr anderer Chamäleons „erwischt“ und seltener andere Arten.
Frösche
Interessant ist, dass selten sogar Frösche in der Regenzeit mal Chamäleons fressen. Vor allem Schlüpflinge, die klein sind und damit überhaupt von Fröschen verschlungen werden können, landen dann schon mal im Magen eines Frosches.

Ptychadena mascareniensis in Ranomafana
Vom sehr weit auf Madagaskar verbreiteten Maskarenenfrosch (Ptychadena mascareniensis) ist eine Beobachtung aus dem Südwesten nördlich Toliaras Madagaskars bekannt. Dort erbrach ein von Wissenschaftlern eingesammelter Frosch ein frisch verschlungenes, noch lebendes Jungtier von Furcifer major.61D’Cruze, N., Sabel, J.A. (2005): Ptychadena mascariensis (Mascarene ridged frog): Predation on an endemic Malagasy chameleon. Herpetological Bulletin 93: 26-27. Download Maskarenenfrösche waren bis dahin zwar dafür bekannt, relativ unspezifisch nahezu alles zu fressen, was sie verschlingen können, Reptilien gehörten aber nicht zum bekannten Beutespektrum.
Die Untersuchung von Mageninhalten einer ganzen Reihe von Fröschen förderte in einer wissenschaftlichen Studie außerdem ein juveniles Chamäleon aus dem Magen eines Mantidactylus femoralis zu Tage.62Vences, M., Glaw, F., Zapp, C. (1999): Stomach content analyses in Malagasy frogs of the genera Tomoptera, Aglyptodactylus, Boophis, and Mantidactylus (Anura: Ranidae). Herpetozoa 11 (3/4): 109-116. Download Vermutlich greifen auch andere Frösche zu Chamäleon-Schlüpflingen, wenn sie die Gelegenheit bekommen – es wurde bisher aber auf Madagaskar sehr selten beobachtet.
Wirbellose

Eine Madagaskar-Seidenspinne (Trichonephila inaurata madagascariensis) in Ankarafantsika
Sehr kleine, vor allem juvenile Chamäleons werden gelegentlich auch von Wirbellosen wie Gottesanbeterinnen und großen Spinnen erbeutet. Von beiden gibt es auf Madagaskar hunderte Arten. Dokumentiert wurde beides bisher aber nur jeweils ein einziges Mal. Ein kleines Calumma wurde dabei von einer Madagaskar-Seidenspinne erbeutet und ein anderes von einer Gottesanbeterin einer leider nicht näher benannten Art verschlungen.63Parcher, S.R. (1974): Observations on the Natural Histories of Six Malagasy Chamaeleontidae. Zeitschrift für Tierpsychologie 34:500–523. Download
Lemuren
Katta (Lemur catta) und Roter Maki (Eulemur rufus)
Lemuren fressen eher selten Chamäleons – wahrscheinlich nur, wenn sich gerade eine gute Gelegenheit dazu bietet. Die beiden Arten, die bisher am häufigsten beim Verzehr von Chamäleons beobachtet wurde, sind der Katta (Lemur catta) und der Rote Maki (Eulemur rufus) im Süden Madagakars. Alle Beobachtungen stammen dabei aus dem Reservat Berenty nahe Amboasary Sud. Kattas kommen dort natürlicherweise vor, die Roten Makis wurden jedoch vom Menschen dort eingeschleppt und stammen ursprünglich aus dem Westen Madagaskars.
Der Katta gilt als Allesfresser, wobei der größte Teil der Nahrung aus Früchten, Blättern und Knospen besteht. Rinde, Knospen, Harz, Erde, Insekten, Spinnen und kleinere Wirbeltiere gehören jedoch auch zu seiner Kost, was sicherlich zum Teil eine Anpassung an die sehr lange Trockenzeit des Südens darstellt. Wer im kargen Süden Madagaskars überleben will, der darf eben nicht wählerisch sein. Rote Makis ernähren sich ebenfalls von einer sehr großen Bandbreite an Nahrung, wobei etwa die Hälfte Früchte ausmachen.

Katta im Süden Madagaskars
1996 wurde die erste Beobachtung veröffentlicht, bei der ein weiblicher Katta ein vorbeilaufendes Furcifer major erbeutete.64Oda, R. (1996): Predation on a Chameleon by a Ring-Tailed Lemur (Lemur catta) in the Berenty Reserve, Madagascar. Folia Primatologica 67:40–43. Download Das Weibchen kletterte mit dem erbeuteten Chamäleon in eine Tamarinde, zerbiss dort den Kopf des Chamäleons und eröffnete die Coelomhöhle, so dass Darmteile herausfielen. Schließlich ließ sie das Chamäleon fallen und ein zweites Katta-Weibchen las das tote Chamäleon neugierig vom Boden auf, fraß es aber nicht auf.
Wenige Jahre später berichteten Forscher in Berenty, dass sie verschiedene rote Makis dabei gesehen hatten, wie sie einmal den Kopf eines Chamäleons und drei Mal Innereien gefressen hatten.65Jolly, A., Caless, S., Cavigelli, S., Gould, L., Pereira, M.E., Pitts, A., Pride, R.E., Rabenandrasana, H.D., Walker, J.D., Zafison, T. (2000): Infant killing, wounding and predation in Eulemur and Lemur. International Journal of Primatology 21:21-40. Download Weitere Beobachtungen von Chamäleonverzehr durch die gleichen roten Makis fanden vor allem in der späten Regenzeit statt, wenn deutlich mehr Chamäleons im Süden vorhanden sind als während der Trockenzeit.66Simmen, B., Hladik, A., Ramasiarisoa, P. (2003): Food intake and dietary overlap in native Lemur catta and Propithecus verreauxi and introduced Eulemur fulvus at Berenty, southern Madagascar. International Journal of Primatology 24: 949–968. Download

Ein Weibchen von Eulemur rufus am Tsiribinha
Vier weitere Fälle vom Erbeuten von Chamäleons brachten ein paar mehr Details zu Tage. 67Ichino, S., Rambeloarivony, H. (2011): New cases of vertebrate predation by the ring-tailed lemur (Lemur catta), with reference to differences from Eulemur species and other primates. African Study Monographs 32: 69–80. Download In Berenty waren es dabei vor allem ranghohe, säugende Weibchen, die Chamäleons erbeuteten. Die Beute wurde gegenüber anderen Weibchen verteidigt, Männchen interessierten sich nicht dafür. Die Tötung der Chamäleons erfolgte durch Bisse in den Kopf. Mindestens ein Furcifer verrucosus wurde erkannt. Aber auch ein kleineres Chamäleon, wahrscheinlich Furcifer major, wurde zur Beute. Auffallend ist, dass die Kattas oft einen Teil ihrer ungewöhnlichen Beute zu Boden fallen ließen, beispielsweise Schwanz und Hintergliedmaßen. Das deutet darauf hin, dass Chamäleons weder Hauptmahlzeit noch besonders häufiges Beutetier für Lemuren darstellen.
Maki-Hybriden
Im gleichen Reservat wurden Hybriden zwischen Roten und Halsbandmakis vereinzelt beim Fressen von Chamäleons beobachtet.68Jolly, A., Caless, S., Cavigelli, S., Gould, L., Pereira, M.E., Pitts, A., Pride, R.E., Rabenandrasana, H.D., Walker, J.D., Zafison, T. (2000): Infant killing, wounding and predation in Eulemur and Lemur. International Journal of Primatology 21:21-40. Download
Madame Berthes Mausmaki (Microcebus berthae)
Madame Berthes Mausmaki lebt in einem sehr kleinen Trockenwald im Westen Madagaskars. Mit gerade mal 25 bis 40 Gramm Körpergewicht ist diese Art der kleinste Primat der Welt. Und trotzdem wurde sogar im Kot dieser Winzlinge schon nachgewiesen, dass sie ab und an nachts Chamäleons fressen.69Dammhahn, M., Kappeler, P.M. (2008): Comparative feeding ecology of sympatric Microcebus berthae and M. murinus. International Journal of Primatology 29: 1567–1589. Download
Grauer Mausmaki (Microcebus murinus)

Ein Grauer Mausmaki schaut aus seiner Schlafhöhle in Kirindy
Der graue Mausmaki kommt in vielen Gebieten entlang der Westküste Madagaskars vor. Er ist nachtaktiv und ernährt sich von Früchten, Blüten, Insektensekreten, Harz und Arthropoden. Ab und an verzehrt er aber auch Geckos oder Chamäleons.70Dammhahn, M., Kappeler, P.M. (2008): Comparative feeding ecology of sympatric Microcebus berthae and M. murinus. International Journal of Primatology 29: 1567–1589. Download Eine kleine Calumma-Art wurde schon einmal als Beute eines grauen Mausmakis beobachtet.71 Parcher, S.R. (1974): Observations on the Natural Histories of Six Malagasy Chamaeleontidae. Zeitschrift für Tierpsychologie 34:500–523. Download
Brauner Mausmaki (Microcebus rufus)
Eine eigene Beobachtung von uns, bei der ein brauner Mausmaki (Microcebus rufus) gezielt schlafende kleine Chamäleons verzehrte, befindet sich derzeit im Veröffentlichungsprozess. Von dieser Art war bisher weder bekannt, dass sie überhaupt Reptilien angreift, noch dass Individuen gezielt Chamäleons wählen, um ihren Speiseplan zu erweitern. Braune Mausmakis ernähren sich sonst vor allem von Früchten und Insekten.
Westlicher Fettschwanzmaki (Cheirogaleus medius)

Ein westlicher Fettschwanzmaki im Trockenwald von Kirindy
Der westliche Fettschwanzmaki ernährt sich vor allem von Früchten, aber auch Blüten, Insekten und seltener kleinen Wirbeltieren. Während der Trockenzeit verbringen diese Makis die meiste Zeit in einer Art Winterschlaf in ihren Baumhöhlen. In dieser Saison leben sie von den Reserven im namensgebenden Fettspeicher in ihrem Schwanz. Im Kot eines westlichen Fettschwanzmaki aus Marosalaza wurde bisher einmal Chamäleonhaut entdeckt.72Hladik, C.M., Charles-Dominique, P., Petter, J.J. (1980): Feeding strategies of five nocturnal prosimians in the dry forest of the west coast of Madagascar. In Nocturnal Malagasy Primates. Ecology, Physiology, and Behavior (Charles-Dominique P, Cooper HM, Hladik A, Page E, Pariente GF, et al., eds.), pp. 41–73. Academic Press, New York (USA).
Südlicher Riesenmausmaki (Mirza coquereli)
Riesenmausmakis sind, wie der Name schon erahnen lässt, die größten Vertreter der madagassischen Mausmakis. Sie sind nachtaktiv und im Südwesten Madagaskars beheimatet. Schon lange sind sie als Allesfresser mit einer Vorliebe für Früchte und Insekten bekannt. Ab und an verzehren sie aber auch Vogelküken, Frösche oder eben mal ein Chamäleon.73Pages, E. (1980): Ethoecology of Microcebus coquereli during the dry season. In Nocturnal Malagasy Primates. Ecology, Physiology, and Behavior (Charles-Dominique P, Cooper HM, Hladik A, Page E, Pariente GF, et al., eds.), pp. 97–116. Academic Press, New York (USA).
Fossa (Cryptoprocta ferox)

Eine Fossa ruht auf einem Baumstamm
Als weiteres madagassisches Säugetier bedient sich ab und zu die etwa kniehohe Fossa (Cryptoprocta ferox), das größte Raubtier der Insel, an der Chamäleonpopulation. Fossas sind kathameral, das heißt je nach Bedarf tag- und/oder nachtaktiv. Sie können problemlos auf Bäume klettern und dort entsprechend auch Chamäleons aufstöbern. Bisher wurden zwei Mal im Kot von Fossas Knochen von Chamäleons gefunden.74Rand, A.L. (1936): The distribution and habits of the Madagascar birds. A summary of the field notes of the Mission Zoologique Franco-Anglo-Américaine à Madagascar. Bulletin of the American Museum of Natural History 72: 143-499. 75Hawkins, C.E., Racey, P.A. (2008): Food habits of an endangered carnivore, Cryptoprocta ferox, in the dry deciduous forests of western Madagascar. Journal of Mammalogy 89(1): 64-74.
Obwohl an Fossas im Gegensatz zu anderen Tieren Madagaskars verhältnismäßig viel geforscht wird, gibt es bis heute keine Beobachtung, wie eine Fossa ein Chamäleon aktiv erbeutete. Es scheint sich daher eher um seltenes Verhalten zu handeln. Allerdings könnte es auch sein, dass die meisten Studien zur Fossa einfach „zur falschen Jahreszeit“ durchgeführt werden – nämlich nicht in der Regenzeit, wenn es die meisten Chamäleons gäbe. Die Regenzeit ist für Fossa-Forscher leider verhaltenstechnisch bisher weniger interessant.
Invasive Arten: Katzen und Wanderratten
Eingeschleppte Hauskatzen und Wanderratten stellen auf Madagaskar zusätzlich eine zunehmende Bedrohung für Chamäleons dar. Wanderratten verdrängen nicht nur die heimischen, auf Madagaskar endemischen Ratten. Sie ernähren sich auch opportunistisch von allem, was sie überwältigen und fressen können. Was Chamäleons angeht, bedienen Wanderratten sich vor allem an Eiern, die sie ausgraben, anfressen und damit zerstören.
Katzen werden häufig auch von ärmsten Madagassen mitgefüttert, jedoch nicht kastriert, weshalb sie sich ungehemmt auf der Insel vermehren. Uns wurde bereits von mehreren Madagassen berichtet, dass Katzen sich teils sogar auf grabende Chamäleonweibchen „spezialisieren“ und gezielt am Boden nach Eier legenden Chamäleons suchen, um sie zu töten. Wir haben selbst mehrfach erlebt, wie Katzen Pantherchamäleons und andere häufiger vorkommende Arten erfolgreich jagen und töten. Katzen bedienen sich also mitnichten nur an „unerwünschten“ Ratten und Mäusen in Häusern. Sie töten sehr erfolgreich Amphibien, Reptilien und Vögel.
Katzen sind damit leider ein zunehmender Problemfaktor für die einheimische Artenvielfalt auf Madagaskar. Die folgenden Fotos stammen aus Andasibe, Ambilobe und Sambava. Wir hätten noch hunderte weitere. Selbst in den entlegensten Regionen Madagaskars sind inzwischen streunende Hauskatzen heimisch geworden.
Der Mensch
Der Mensch ist übrigens zwar kein Fressfeind, aber das größte Problem für Chamäleons auf Madagaskar. Durch Brandrodung und Holzschlag von Menschenhand verlieren viele Chamäleons ihren Lebensraum. Nicht alle Arten können wie die allgegenwärtigen Furcifer oustaleti oder die weit verbreiteten Furcifer pardalis problemlos in Sekundärvegetation überleben. Viele madagassische Chamäleonarten sind auf spezielle Lebensräume wie intakten Regenwald auf einer gewissen Höhe oder intakten Dornwald angewiesen.
Der Mensch zerstört diese Chamäleon-Lebensräume auf Madagaskar seit vielen Jahrzehnten. Selbst ausgewiesene Schutzgebiete sind wegen der hohen und kaum einzudämmenden Armut auf Madagaskar von Zerstörung bedroht. Und auch durch seine Fortbewegung tötet der Mensch: Regelmäßig werden Chamäleons auf Madagaskars Straßen überfahren.76Schütt, P. (2008): Analysis of road kill data from Ankarafantsika National Park, Madagascar. Masters project submitted in partial fulfillment of the requirements for the Master of Environmental Management degree in the Nicholas School of the Environment and Earth Sciences of Duke University, Durham, North Carolina, USA. Download,77Ramsay M.S., Mercado Malabet, F., Ravelonjanahary H.N., Razafindrakoto, A., Lehman, S.M. (2024): Spatial patterns of roadkill within Ankarafantsika National Park, Madagascar. Austral Ecology 49: e13531. Download Auch wenn es sich dabei in der Regel nicht um seltene Arten handelt, sind die betroffenen Chamäleons doch unnötig gestorben.
Literatur zu diesem Thema
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- 36Crottini, A., Harris, D.J., Irisarri, I.A., Lima, A., Rasamison, S., Rosa, G.M. (2010): Confirming Domergue: Ithycyphus oursi Domergue, 1986 predation upon Furcifer oustaleti (Mocquard, 1894). Herpetology Notes 3: 127-131. Download
- 37Domergue, C.A. (1986): Notes sur les serpents de la région malgache VI. Le genre Ithycyphus Günther 1973; description de deux espèces Nouvelles. Bulletin du muséum national d’histoire naturelle Paris Ser. 4, Sec. A. 8: 409- 434. Download
- 38Ava-Leigh. (2017): Ithycyphus miniatus feeding on a chameleon. Available on https://www.istockphoto.com/de/foto/kleine-nacht-schlange-essen-ein-cham%C3%A4leon-nosy-komba-madagaskar-gm885409058-246015731[/mfn] Aber auch Beobachtungen aus der Terraristik in Deutschland legen nahe, dass Chamäleons von dieser Schlange gerne verzehrt werden.38Glaw, F., Vences, M. (2007): Field Guide to the Amphibians and Reptiles of Madagascar. 3rd edition. Vences & Glaw Verlag, Cologne, Germany. 498 pp.
- 39Glaw, F., Vences, M. (2007): Field Guide to the Amphibians and Reptiles of Madagascar. 3rd edition. Vences & Glaw Verlag, Cologne, Germany. 498 pp.
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- 42Negro, A., Radimbiniaina, H.Z. (2026): Rotten ready-to-eat: observation of a Malagasy Cat-eyed Snake, Madagascarophis colubrinus (Schlegel, 1837), feeding on the carcass of a Panther Chameleon, Furcifer pardalis (Cuvier, 1829). Herpetology Notes 19: 399-401. Download
- 43Kryukova, E.V., Ivanov, D.A., Kopylova, N.V., Starkov, V.G., Andreeva, T.V., Ivanov, I.A., Tsetlin, V.I., Utkin, Yu. N. (2023): A new peptide from the venom of the Madagascar cat-eyed snake Madagascarophis colubrinus blocks nicotinic acetylcholine receptor. Russian Journal of Bioorganic Chemistry 49(3): 529-537. Download
- 44Rosa, G.M., Boistel, R., Campantico, E., Gillet, B., Bergò, P.E., Andreone, F. (2014): Case solved: presence of toxin-secreting oral glands in the lamprophiid snake Mimophis mahfalensis (Grandidier, 1867) from Madagascar. Zoomorphology 133: 417-423. Download
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- 47https://www.dailymail.co.uk/news/article-2285525/Snake-vs-chameleon-Moment-savage-serpent-strikes-defenceless-animal-toxic-paralysing-poison-eats-lunch.html[/mfn] Nahe des Andringitramassifs im Südosten Madagaskars sammelten Wissenschaftler eine Mimophis mahfalensis, in deren Magen sie ein kürzlich gefressenes Furcifer willsii entdeckten.47 Lobón-Rovira, J., Belluardo, F., Rasoazanany, M., Rosa, G.M., Crottini, A. (2020): Canopy chameleon (Furcifer willsii) consumption by common big-eyed snake (Mimophis mahfalensis) in Fivahona Forest, eastern Madagascar. Malagasy Nature 14: 81-83. Download
- 48Rosa, G.M., Castelo Branco, J., Couto, H., Bergò, P.E., Andreone, F. (2016): Mimophis mahfalensis (common big-eyed snake) predation on Furcifer major (giant carpet chameleon) in Isalo, Madagascar. The Herpetological Bulletin 138: 40-41. Download
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