Ein Tumor ist vereinfacht gesagt eine Masse aus körpereigenen Zellen, die sich vermehrt. Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Wucherung“ oder „Geschwulst“. Generell könnte man statt Hauttumoren auch einfach Hautkrebs sagen. Hauttumore kann man grundsätzlich nach ihrem biologischen Verhalten in gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) unterteilen.
Bei Chamäleons treten Hauttumore immer mal wieder auf. Studien besagen, dass Hauttumore bis zu 10% aller Tumore bei Chamäleons ausmachen und etwas mehr bösartige Hauttumore auftreten als gutartige.1Heckers, K.O., Dietz, J., Marschang, R.E. (2015): Hauttumore bei Chamäleons. Tagungsband der 44. Tagung der AG Amphibien- und Reptilienkrankheiten, Gera: 95. Die folgende Übersicht stellt einen kleinen Teil der bei Chamäleons vorkommenden Hauttumoren vor.
Papillom
Seit den 2000er Jahren treten bei Chamäleons in der Terraristik zunehmend Papillome auf. Sie haben ein sehr charakteristisches, borkiges Aussehen. Meist wächst zunächst ein primäres Papillom am Rumpf des Chamäleons, dann verbreiten sich weitere Papillome in den nächsten Monaten am ganzen Körper.2Heckers, K.O., Dietz, J., Marschang, R.E. (2015): Papillomatose bei Chamäleons. Tagungsband der 44. Tagung der AG Amphibien- und Reptilienkrankheiten, Gera: 87. Papillome sind von vielen anderen Reptilien und Säugetieren bekannt.
Chromatophorom
Die sogenannten Chromatophoren, spezialisierte Hautzellen, sind für den Farbwechsel bei Chamäleons verantwortlich. Sie liegen unter der äußersten Hautschicht in der Lederhaut in Schichten übereinander. Einen Tumor dieser Pigment bildenden Zellen nennt man ein Chromatophorom. Die meisten Chromatophorome treten einzeln auf und sind am Kopf oder im Brustbereich des Chamäleons zu finden.3Heckers, K.O., Aupperle, H., Schmidt, V., Pees, M. (2011): Melanophoromas and Iridophoromas in Reptiles. Journal of Comparative Pathology 146 (2): 1-11. Download Meistens kann mit einer histologischen Untersuchung im Labor herausgefunden werden, zu welchen Chromatophoren die Tumozellen gehören. Man unterscheidet Chromatophorome dann weiter in Iridophorome, Melanophorome und Xanthophorome.
Iridophorom
Beim Iridophorom handelt es sich um einen bösartigen Tumor der Iridophoren in der Chamäleonhaut. Iridophorome wurden bei Chamäleons bisher vor allem an der seitlichen Körperwand und den Extremitäten nachgewiesen.4Bronson, E., Pereira, M., Sanchez, C., Murray, S. (2006): Iridophoroma in a Veiled Chameleon, Chamaeleo calyptratus. Journal of Herpetological Medicine and Surgery 16(2): 58-60. 5Tong, L.J, Ong, W., Hulst, F., Tobias, G., Herrin, K.V., Vogelnest, L. (2018): Clinical, diagnostic, and pathological features of two cases of metastatic iridophoroma in a veiled chameleon (Chamaeleo calyptratus) and a red-barred dragon (Ctenophorus vadnappa). Journal of Exotic Pet Medicine 27: 53-60. 6Garner, M.M., Hernandez-Divers, S.M., Raymond, J.T. (2004): Reptile neoplasia: A retrospective study of case submissions to a specialty diagnostic service. Veterinary Clinic of North American Exotic Animal Practice 7(3): 653-671. Sie können schnell in fast alle Körpergewebe eines Chamäleons streuen.7Heckers, K.O., Aupperle, H., Schmidt, V., Pees, M. (2011): Melanophoromas and Iridophoromas in Reptiles. Journal of Comparative Pathology 146 (2): 1-11. Download
Melanophorom
Ein Melanophorom ist ein Tumor der Melanin bildenden Zellen der Chamäleonhaut. Diese Zellen sind eigentlich für dunkelblaue und schwarze Farben beim Chamäleon zuständig. Bei Säugetieren kennt man diesen Tumor unter dem Namen Melanom. Melanophorome treten häufiger (aber nicht nur) an Rücken und Helm auf, also eher im oberen Bereich des Körpers. Das Melanophorom bei Chamäleons ist in der Regel bösartig und kann in fast alle Gewebe des Körpers streuen.8Heckers, K.O., Aupperle, H., Schmidt, V., Pees, M. (2011): Melanophoromas and Iridophoromas in Reptiles. Journal of Comparative Pathology 146 (2): 1-11. Download 9Garner, M.M., Hernandez-Divers, S.M., Raymond, J.T. (2004): Reptile neoplasia: A retrospective study of case submissions to a specialty diagnostic service. Veterinary Clinic of North American Exotic Animal Practice 7(3): 653-671.
Xantophorom

Sieht genauso aus wie Hauttumore, die Histologie stellte bei diesen Furcifer lateralis jedoch Pilzgranulome fest.
Xantophorome entwickeln sich aus den Xantophoren. Das sind Hautzellen, die für gelbe und orange Farben in der Chamäleonhaut verantwortlich sind. Zu Xantophoromen gibt es nur wenige Fallberichte bei Chamäleons.10Garner, M.M., Hernandez-Divers, S.M., Raymond, J.T. (2004): Reptile neoplasia: A retrospective study of case submissions to a specialty diagnostic service. Veterinary Clinic of North American Exotic Animal Practice 7(3): 653-671. Bei allen traten Metastasen in verschiedenen inneren Organen auf.
Plattenepithelkarzinom
Das Plattenepithelkarzinom hat seinen Ursprung im Deck- und Drüsengewebe der Haut. Bei Chamäleons scheint es verhältnismäßig häufig vorzukommen und kann am gesamten Körper auftreten. Häufige Lokalisationen sind Helm, seitliche Körperwand und Extremitäten11Meyer, J., Kolodziejek, J., Häbich, A.-C., Richter, B. (2018): Multicentric squamous cell tumors in panther chameleons (Furcifer pardalis). Journal of Exotic Pet Medicine 29: 166-172., aber auch die Lidhaut kann betroffen sein.12Abou-Madi, N., Kern, T.J. (2002): Squamous cell carcinoma associated with a periorbital mass in a veiled chameleon (Chamaeleo calyptratus). Veterinary Ophthalmology 5(3): 217-220.. Bei den meisten Chamäleonpatienten treten mehrere Plattenepithelkarzinome parallel oder zeitversetzt nacheinander an unterschiedlichen Stellen auf.13Meyer, J., Kolodziejek, J., Häbich, A.-C., Richter, B. (2018): Multicentric squamous cell tumors in panther chameleons (Furcifer pardalis). Journal of Exotic Pet Medicine 29: 166-172. Ein Plattenepithelkarzinom ist immer bösartig und neigt zu Rezidiven. Außerdem kann das Plattenepithelkarzinom streuen. Lungenmetastasen treten am häufigsten auf.14Meyer, J., Kolodziejek, J., Häbich, A.-C., Richter, B. (2018): Multicentric squamous cell tumors in panther chameleons (Furcifer pardalis). Journal of Exotic Pet Medicine 29: 166-172.
Keratoakanthome
Dieser meist gutartige Tumor entsteht aus den Keratinozyten der Haut, also den Zellen, die auch die Schuppen der Chamäleonhaut bilden. Bei Chamäleons findet man das Keratoakanthom meist am Rumpf.15Heckers, K.O., Dietz, J., Marschang, R.E. (2015): Hauttumore bei Chamäleons. Tagungsband der 44. Tagung der AG Amphibien- und Reptilienkrankheiten, Gera: 95.
Wie erkennt man einen Hauttumor?

Bei dieser Umfangsvermehrung in der Haut am Unterarm eines Parsons Chamäleons könnte es sich auch um einen Abszess handeln.
Ein Hauttumor zeigt sich meist als zunächst kleine Erhabenheit der Haut. Je nach Art des Tumors wächst die Umfangsvermehrung eher langsam oder sehr schnell. Bei einigen Hauttumoren kann sich die Haut verfärben, beispielsweise schwarz oder gräulich werden. Häufig geht die Schuppenstruktur der Haut verloren. Dadurch bleiben Häutungsreste eher kleben. Aber Vorsicht! Eine Umfangsvermehrung in der Haut muss nicht zwingend ein Hauttumor sein. Auch ein Abszess, eine Nekrose (abgestorbene Haut) oder ein Pilzgranulom können äußerlich ganz genauso aussehen. Daher ist es zur Unterscheidung sehr wichtig, Diagnostik beim reptilienkundigen Tierarzt durchführen zu lassen.
Ursachen
Hauttumore können ganz verschiedene Ursachen haben. Bei Chamäleons ist leider noch für keinen Hauttumor geklärt, wodurch er ausgelöst wird. Diskutiert wird wegen des in den letzten Jahren erhöhten Aufkommens von Chromatophoromen bei Chamäleons ein Zusammenhang mit künstlicher UV-B-Bestrahlung.16Meyer, J., Kolodziejek, J., Häbich, A.-C., Richter, B. (2018): Multicentric squamous cell tumors in panther chameleons (Furcifer pardalis). Journal of Exotic Pet Medicine 29: 166-172. 17Heckers, K.O., Aupperle, H., Schmidt, V., Pees, M. (2011): Melanophoromas and Iridophoromas in Reptiles. Journal of Comparative Pathology 146 (2): 1-11. Download Im Zoohandel sind eine Vielzahl ungeeigneter UV-B-Lampen zu kaufen, die entweder Strahlung außerhalb des für Chamäleons geeigneten UV-B-Spektrums abgeben oder durch falsche Anbringung zu dicht über oder sogar innerhalb des Terrariums zur Gefahr werden können.
Für Papillome werden zudem Viren als Ursache diskutiert, weil Papillome bei anderen Reptilien nachweislich durch Herpes-, Papillom- oder Iridoviren verursacht werden. Herpesviren (chamHV) sind bei Chamäleons aber bisher vor allem als Verursacher von borkigen Veränderungen an den Lippen aufgefallen.18Hellebuyck, T., Couck, L., Ducatelle, R., Van den Broeck, W., Marchang, R.E. (2021): Cheilitis associated with a novel Herpesvirus in two panther chameleons (Furcifer pardalis). Journal of Comparative Pathology 182: 58-66. Ein Nachweis für Herpesviren, aber auch andere Viren als Ursache für Papillome fehlt bei Chamäleons jedoch bisher.19Heckers, K.O., Dietz, J., Marschang, R.E. (2015): Papillomatose bei Chamäleons. Tagungsband der 44. Tagung der AG Amphibien- und Reptilienkrankheiten, Gera: 87.
Man geht außerdem davon aus, dass fortgeschrittenes Alter und Immunsuppression generell zum Tumorwachstum beitragen können.
Diagnostik und Therapie
Hauttumore sollten stets bereits in frühem Stadium einem reptilienkundigem Tierarzt gezeigt werden. Je kleiner der Tumor, desto besser ist er operativ in Narkose zu entfernen. Zusätzlich steigt bei bösartigen Hauttumoren mit der Zeit auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor in andere Organe wie zum Beispiel Leber oder Lunge streut. In diesem Fall kommt eine Operation möglicherweise zu spät. Vor einer Operation wird in der Regel ein Blut-Check-Up durchgeführt, um die Narkosefähigkeit zu beurteilen sowie eventuell Röntgenaufnahmen und/oder ein Ultraschall gemacht, um mögliche Metastasen zu finden.
Ist der Hauttumor an einer sehr ungünstigen Stelle oder sehr groß, nimmt der Tierarzt gegebenenfalls zuerst eine Biopsie, also eine Probe des Gewebes. Eine pathohistologische Untersuchung des entnommenen Gewebes im Labor gibt dann Aufschluss über die Art des Tumor. Wurde der ganze Tumor herausgeschnitten, stellt die histologische Untersuchung auch fest, ob das gesamte Tumorgewebe vollständig entnommen werden konnte, also ob um den Tumor herum gesunde Hautzellen zu finden sind. Daraus ergibt sich sowohl die Prognose für die Abheilung der Wundnaht als auch für das Überleben des Chamäleons. Außerdem verrät die genaue Art des Tumors, ob mit Metastasen (Streuung) oder Rezidiven (Wiederauftreten des Tumors) zu rechnen ist oder nicht. Ist eine Operation nicht möglich, gibt es einzelne Fallberichte von erfolgreicher Kryotherapie bei Hauttumoren. Dabei werden die Tumorzellen mit Kälte behandelt. Erfolgsversprechender ist bei den meisten Hauttumoren bei Chamäleons bisher jedoch die Chirurgie.
Literatur zu diesem Thema
- 1Heckers, K.O., Dietz, J., Marschang, R.E. (2015): Hauttumore bei Chamäleons. Tagungsband der 44. Tagung der AG Amphibien- und Reptilienkrankheiten, Gera: 95.
- 2Heckers, K.O., Dietz, J., Marschang, R.E. (2015): Papillomatose bei Chamäleons. Tagungsband der 44. Tagung der AG Amphibien- und Reptilienkrankheiten, Gera: 87.
- 3Heckers, K.O., Aupperle, H., Schmidt, V., Pees, M. (2011): Melanophoromas and Iridophoromas in Reptiles. Journal of Comparative Pathology 146 (2): 1-11. Download
- 4Bronson, E., Pereira, M., Sanchez, C., Murray, S. (2006): Iridophoroma in a Veiled Chameleon, Chamaeleo calyptratus. Journal of Herpetological Medicine and Surgery 16(2): 58-60.
- 5Tong, L.J, Ong, W., Hulst, F., Tobias, G., Herrin, K.V., Vogelnest, L. (2018): Clinical, diagnostic, and pathological features of two cases of metastatic iridophoroma in a veiled chameleon (Chamaeleo calyptratus) and a red-barred dragon (Ctenophorus vadnappa). Journal of Exotic Pet Medicine 27: 53-60.
- 6Garner, M.M., Hernandez-Divers, S.M., Raymond, J.T. (2004): Reptile neoplasia: A retrospective study of case submissions to a specialty diagnostic service. Veterinary Clinic of North American Exotic Animal Practice 7(3): 653-671.
- 7Heckers, K.O., Aupperle, H., Schmidt, V., Pees, M. (2011): Melanophoromas and Iridophoromas in Reptiles. Journal of Comparative Pathology 146 (2): 1-11. Download
- 8Heckers, K.O., Aupperle, H., Schmidt, V., Pees, M. (2011): Melanophoromas and Iridophoromas in Reptiles. Journal of Comparative Pathology 146 (2): 1-11. Download
- 9Garner, M.M., Hernandez-Divers, S.M., Raymond, J.T. (2004): Reptile neoplasia: A retrospective study of case submissions to a specialty diagnostic service. Veterinary Clinic of North American Exotic Animal Practice 7(3): 653-671.
- 10Garner, M.M., Hernandez-Divers, S.M., Raymond, J.T. (2004): Reptile neoplasia: A retrospective study of case submissions to a specialty diagnostic service. Veterinary Clinic of North American Exotic Animal Practice 7(3): 653-671.
- 11Meyer, J., Kolodziejek, J., Häbich, A.-C., Richter, B. (2018): Multicentric squamous cell tumors in panther chameleons (Furcifer pardalis). Journal of Exotic Pet Medicine 29: 166-172.
- 12Abou-Madi, N., Kern, T.J. (2002): Squamous cell carcinoma associated with a periorbital mass in a veiled chameleon (Chamaeleo calyptratus). Veterinary Ophthalmology 5(3): 217-220.
- 13Meyer, J., Kolodziejek, J., Häbich, A.-C., Richter, B. (2018): Multicentric squamous cell tumors in panther chameleons (Furcifer pardalis). Journal of Exotic Pet Medicine 29: 166-172.
- 14Meyer, J., Kolodziejek, J., Häbich, A.-C., Richter, B. (2018): Multicentric squamous cell tumors in panther chameleons (Furcifer pardalis). Journal of Exotic Pet Medicine 29: 166-172.
- 15Heckers, K.O., Dietz, J., Marschang, R.E. (2015): Hauttumore bei Chamäleons. Tagungsband der 44. Tagung der AG Amphibien- und Reptilienkrankheiten, Gera: 95.
- 16Meyer, J., Kolodziejek, J., Häbich, A.-C., Richter, B. (2018): Multicentric squamous cell tumors in panther chameleons (Furcifer pardalis). Journal of Exotic Pet Medicine 29: 166-172.
- 17Heckers, K.O., Aupperle, H., Schmidt, V., Pees, M. (2011): Melanophoromas and Iridophoromas in Reptiles. Journal of Comparative Pathology 146 (2): 1-11. Download
- 18Hellebuyck, T., Couck, L., Ducatelle, R., Van den Broeck, W., Marchang, R.E. (2021): Cheilitis associated with a novel Herpesvirus in two panther chameleons (Furcifer pardalis). Journal of Comparative Pathology 182: 58-66.
- 19Heckers, K.O., Dietz, J., Marschang, R.E. (2015): Papillomatose bei Chamäleons. Tagungsband der 44. Tagung der AG Amphibien- und Reptilienkrankheiten, Gera: 87.


















