Gicht

Was ist Gicht?

Gicht ist eine nicht heilbare Erkrankung, bei der sich Abbauprodukte des Proteintoffwechsels im Körper ablagern. Die Erkrankung kann in Schüben mit schmerzhaften Gelenken verlaufen. Meistens handelt es sich bei Chamäleons jedoch um eine langsam fortschreitende Verschlechterung des Allgemeinzustands durch die von den Abbauprodukten verursachten Nierenschäden.

Urat-Ablagerungen im eröffneten Gelenk eines an Gicht verstorbenen Chamäleons

Wie entsteht Gicht?

Proteine bestehen aus Aminosäuren und sind in allen Futtertieren enthalten. Sie werden in der Leber des Chamäleons zu Purinen und Pyrimidinen abgebaut. Purine widerum werden – ebenfalls in der Leber – enzymatisch zu Harnsäure verstoffwechselt und ins Blut abgegeben. Über die Niere wird die Harnsäure schließlich kristallin in die Kloake gegeben (neben dem Kot findet man die Harnsäurekristalle dann als weißes Urat). Urate, also die Kristalle der Harnsäure, und Harnsäure selbst sind schlecht wasserlöslich. Ist zuviel davon im Blut oder z.B. Gelenksflüssigkeit vorhanden, fällt die Harnsäure als Kristall aus. Diese Kristalle sitzen dann in Organen, Blutgefäßen oder Gelenken. Urate, die sich in Gelenken ablagern, führen schnell zu Entzündungen des Gelenkknorpels (dies nennt man dann Arthritis). Organe, die immer mehr Kristalle einlagern, verlieren ihre Funktion. Die Nieren sind hier besonders stark betroffen, weshalb eine Gichterkrankung oft mit Niereninsuffizienz endet. Andere bevorzugte Organe zur Kristallausfällung sind z.B. der Herzbeutel.

Ursachen

Ein erhöhter Harnsäurespiegel bei Chamäleons kann durch

  • Flüssigkeitsmangel,
  • Über – und Fehlernährung,
  • Vorerkrankungen der Niere,
  • Stoffwechselstörungen

entstehen. In der Terraristik sind häufigste Ursachen für Gicht eine zu hohe Proteinzufuhr in Kombination mit Flüssigkeitsmangel.

Fettleber beim Chamäleon

Über- und Fehlernährung

Überfütterung ist die häufigste Ursache für Gicht bei Chamäleons. Viele Chamäleons werden stark überfüttert oder mit sehr proteinhaltigen Futtertieren (beispielsweise Wachsmaden, Mehlwürmer, Zophobas und andere Käferlarven) ernährt. Je mehr Futter ein Chamäleon bekommt, desto schneller wächst es, desto schneller ist es geschlechtsreif und desto größer wird es auch. Säuger benötigen im Gegensatz zu Reptilien etwa 70% ihrer Energie, um ihre Temperatur aufrecht zu erhalten. Ein Chamäleon braucht dies nicht und benötigt daher auch viel weniger Nahrung. Ein adultes Pantherchamäleon z.B. ist mit wenigen Futtertieren an zwei oder drei Tagen in der Woche völlig ausreichend ernährt.

Flüssigkeitsmangel

Zu trockene Haltung kann ebenfalls ein erster Schritt in Richtung Gicht sein. Sind Chamäleons ausgetrocknet, ist auch die Ausscheidungsfunktion der Niere herabgesetzt, so dass mehr Harnsäure im Blut bleibt. Haltung z.B. frei im Wohnzimmer bietet Chamäleons neben vielen weiteren Problemen nicht die benötigte Luftfeuchtigkeit. Besonders Chamäleons aus relativ trockenen Gegenden wie dem Süden Madagaskars werden oft fälschlicherweise zu trocken gehalten, weil der Flüssigkeitsbedarf der Tiere sowie das Wasservorkommen im natürlichen Habitat unterschätzt wird. uch im Terrarium sind viele Chamäleons nicht ausreichend mit Wasser versorgt. Viele trinken erst größere Mengen Wasser, wenn es über längere Zeit durchgehend regnet. Die üblichen Regenanlagen und Terrarien ohne Abfluss/Drainage bieten diese Möglichkeit jedoch nicht. Tropftränken sind hier eine gute Alternative, den Tieren ohne Zwang ständig Wasser anzubieten.

Symptome

Sind die ersten Symptome für den Halter zu erkennen, ist die Gicht bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Die Harnsäurekristalle lagern sich bevorzugt in den Gelenken ab, was zu typischen verdickten Zehen-, Ellbogen- oder Hand- und Fußgelenken führt. Einige Chamäleons entwickeln durch die schlecht funktionierenden Nieren zusätzlich Kehlsacködeme (d.h. Flüssigkeit befindet sich im Gewebe). Eingeweidegicht lässt sich von außen nicht erkennen.

Gicht ist auch für Chamäleons schmerzhaft. Die Beweglichkeit der Tiere wird durch die schmerzenden Gelenk eingeschränkt. Bei stark fortgeschrittener Gicht klettern Chamäleons nur noch wenig und bleiben stattdessen lieber über Stunden auf dem gleichen Ast sitzen. Im Endstadium lassen viele Chamäleons Arme und Beine vom Ast hängen, um die schmerzenden Gliedmaßen zu entlasten. Die sich verschlechternde Nierenfunktion führt auf Dauer zu einem stetig schlechter werdenden Allgemeinbefinden und Apathie.

Niere mit Gichttophi

Niere mit Gichttophi

Diagnostik

Bei Verdacht auf diese Erkrankung ist sobald wie möglich ein reptilienkundiger Tierarzt aufzusuchen. Dieser wird dem Chamäleon unter anderem Blut entnehmen, an Hand dessen er das Vorliegen einer Gicht beurteilen kann. Eventuell wird er auch ein Röntgenbild anfertigen (Gichttophi in Gelenken sind im Gegensatz zu vielen anderen Ursachen verdickter Gelenke nicht röntgendicht). Ist ein Chamäleon bereits verstorben, so kann Gicht auch am toten Tier noch in einer Sektion beim reptilienkundigen Tierarzt oder einem auf Reptilien spezialisierten Labor nachgewiesen werden.

Therapie und Pflege

Eine Heilung dieser Erkrankung ist nicht möglich, da die Niere sich nicht regenerieren kann. Das Fortschreiten der Gicht kann jedoch verlangsamt und die besonderen Bedürfnisse des kranken Chamäleons unterstützt werden.

Wichtig bei einem gichtkranken Chamäleon ist die Wasserversorgung. Eine Tropftränke sollte jederzeit verfügbar sein, außerdem sollte das Terrarium mehrfach am Tag besprüht/beregnet werden. Ein Tränken per Pipette ist ebenfalls hilfreich. Oft muss Flüssigkeit auch beim Tierarzt per Spritze infundiert werden.

Die Ernährung des Chamäleons sollte unbedingt optimiert werden: Weniger ist mehr! Sämtliche stark proteinhaltigen Futtertiere sollten gestrichen und viele futterlose Tage eingeführt werden.

Medikamentell kann ein Xanthinoxidase-Hemmer verabreicht werden. Dieser hemmt ein Enzym, das Harnsäure in der Leber bildet. Dadurch wird der Harnsäurespiegel niedrig gehalten und es können weniger Kristalle ausgefällt werden. Die Dosierung richtet sich nach Status der Erkrankung und Zustand des Tieres. Der behandelnde Tierarzt wird entsprechend beraten und einen passenden Behandlungsplan aufstellen. In aller Regel müssen an Gicht erkrankte Chamäleons lebenslang behandelt werden. Zusätzlich kann das Chamäleon bei akuten Schüben Schmerzmittel und Entzündungshemmer bekommen.

Gicht führt über kurz oder lang unweigerlich zum Nierenversagen und damit zum Tod des Chamäleons. Mittels intensiver Therapie kann dies jedoch bei frühem Eingreifen herausgezögert und dem Tier noch ein schönes Leben bereitet werden. Befindet sich das Chamäleon bereits im Endstadium der Gicht, ist apathisch und kann sich kaum noch bewegen, bietet der Weg zum Tierarzt zumindest eine schnelle Erlösung.

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