Futtertiere selbst fangen

Im Sommer bieten Wiesen einen reich gedeckten Tisch für Chamäleons – man muss sie nur ernten. Viele Halter kennen selbst gefangene Futterinsekten unter dem Begriff „Wiesenplankton“. Die Futtertiere von draußen müssen nicht weiter angefüttert werden und bieten eine große Abwechslung. Immer wieder kursiert die Aussage, mit dem Verfüttern frei lebender Insekten könne sich das Chamäleon leicht Parasiten holen. Für Deutschland gilt dies jedoch nicht. Die hierzulande bei frei lebenden Reptilien vorkommenden Parasiten können entweder auf Grund ihres niedrigen Vorkommens oder der niedrigen Infektiösität für Chamäleons vernachlässigt werden. Hierzulande schleppt in den meisten Fällen der Halter selbst Parasiten ein, sei es über Gegenstände, Neuzgänge ohne Quarantäne oder die eigenen Hände.

Wann fangen?

Im Winter gibt es in Deutschland nichts zu fangen, die Saison beginnt etwa Mitte April und endet Anfang Herbst im August. Besonders gut lassen sich Heuschrecken und Konsorten morgens (wenn es noch kühl ist) und abends fangen.

Wo fangen?

Am besten geeignet sind ungemähte Wiesen, die möglichst nicht an vielbefahrenen Straßen oder direkt neben einem Industriegebiet liegen. Hat man nicht sehr gute Kenntnisse über Insekten, sollte man von besonderen Habitaten wie Mooren oder Feuchtwiesen lieber die Finger lassen. Genauso sind Naturschutzgebiete zu meiden.

Was fangen?

Futtertiere

Kleine Ausbeute an selbst gefangenen Futtertieren im August

In Frage kommt grundsätzlich alles, was man fangen kann. Geschütze Arten sollten nicht verfüttert, sondern direkt am Ort des Einfangens wieder ausgesetzt werden. Stechende oder giftige Insekten sollten ebenfalls nicht unbedingt auf dem Speiseplan stehen, wobei Chamäleons v.a. Wespen und Bienen in der Regel ohne gestochen zu werden vertilgen können.

Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) sowie die EU-Artenschutz-Verordnung listen etliche Insekten und Spinnentiere als geschützt. Besonders geschützt nach dem Bundesnaturschutzgesetz sind in Deutschland unter anderem Libellen, Bockkäfer (z.B. der Zimmermannsbock, kleiner Eichenbock, Wespenbock), Prachtkäfer, einige Schmetterlinge (z.B. Schwärmer, Schwalbenschwanz), Wildbienen, Laufkäfer, bestimmte Ameisen, Hummeln, Wespen und Hornissen. Diverse geschützte Heuschrecken sind die große Höckerschrecke (Arcyptera fusca, nur auf der schwäbischen Alb), die grüne Strandschrecke (Aiolopus thalassinus, nur im Oberrheintal), die große Sägeschrecke (Saga pedo) oder diverse Ödlandschrecken. Bei den Spinnen sind z.B. die Kreuzspinne geschützt. Besonders geschützte Arten zu fangen ist nach § 44 BNatSchG verboten.

Fangmethoden

Mit etwas Übung und einem Behälter zum Aufbewahren kann man Insekten auf der Wiese gut per Hand einfangen. Einige Insekten wie z.B. Blattläuse lassen sich für kleine Chamäleonarten von Mai bis August auch an Wildrosen oder Brennnesseln absammeln, einige Spinnentiere (z.B. Zitterspinnen) findet man ganzjährig im Haus. Mit einem Kescher lassen sich Insekten etwas bequemer fangen. Man streift damit einfach wie beim Mähen mit der Sense schnell durch die Wiese. Wer die Insekten aus dem Netz ungern per Hand sortieren möchte, kann sich an das untere Ende des Netzes auch eine Plastikflasche anbauen. So gelangen die gefangenen Insekten direkt in den Auffangbehälter. Geeignete Kescher mit einem tiefen Netz/Beutel und langem Stiel erhält man im Entomologie- oder Aquaristikbedarf. Die gekescherten Insekten kann man mittels Umstülpen des Beutels einfach in ein mitgebrachtes Behältnis geben.

Besonders nachtaktive Insekten, z.B. verschiedene Falter, lassen sich leicht mit einem weißen Tuch oder einer weißen Decke, die man abends aufspannt und mit Licht bestrahlt, anlocken. Sie können dann per Hand abgesammelt werden. Etwas ungewöhnlichere Fangmethoden sind spezielle Bodenfallen – grundsätzlich ist alles erlaubt, solange man die o.g. Bestimmungen einhält und keine für die Chamäleons giftigen Substanzen einsetzt.

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