Oops! It appears that you have disabled your Javascript. In order for you to see this page as it is meant to appear, we ask that you please re-enable your Javascript!

Wieviel füttern?

Furcifer pardalis aus Ankaramibe, 2017 Weibchen
Furcifer pardalis aus Ambilobe, Männchen, 2017
Furcifer pardalis aus Ambanja, Männchen, 2017
Furcifer pardalis Lokalform Djangoa
Furcifer pardalis Lokalform Ankaramy
Furcifer pardalis Lokalform St. Marie
Furcifer pardalis Lokalform Ambilobe

Grundsätzlich gilt: Zurückhaltend füttern kommt fast jedem Chamäleon sehr zu Gute. Viele Chamäleons in Menschenhand sind stark überfüttert, was der Gesundheit sehr abträglich ist und zu verfrühtem Ableben führt. Warum das so ist und weshalb man besser daran tut, sein Chamäleon nicht zu dick zu füttern, soll dieser Artikel erklären.

Warum nicht zuviel füttern?

Auf Madagaskar ist Futter nicht immer ausreichend verfügbar. In der Regenzeit herrscht ein großes Angebot und die Chamäleons fressen, soviel sie können. In der Trockenzeit kann es jedoch abhängig von der Region Tage oder Wochen dauern, bis ein Chamäleon wieder Futter findet. Im Süden und Westen Madagaskars, beispielsweise um Tolagnaro, Toliara und Morondava, geht die Insektenpopulation während der rund acht Monate anhaltenden Trockenzeit ganz massiv zurück. Und selbst in den immerfeuchten Regionen der madagassischen Ostküste ist das Futterangebot während der weniger regenreichen Jahreszeit nicht ganz so üppig und Futter nicht stetig vorhanden.

1: Normale Muskelwölbung im Helm von Furcifer pardalis, der mittlere Knochenkamm ist deutlich sichtbar
2: Hier wären die Muskeln stark verfettet

Als Menschen überschätzen wir zudem den Futterbedarf unserer Tiere regelmäßig. Dass unsere Haustiere allein auf Grund ihrer viel geringeren Körpergröße bereits viel weniger Futter benötigen als wir, wird oft vergessen. So rollen Hunde, Katzen und auch Reptilien mit überflüssigen Fettpolstern durchs Leben, die meist gut gemeint, aber leider schlecht für das Tier sind. Generall brauchen Chamäleons nicht soviel Futter wie wir als Säugetiere: Wir verbrauchen etwa 70% der aufgenommenen Energiemenge, um unsere Körpertemperatur auf dem gleichen Level zu halten. 70% der Mengen an Essen, die wir als Menschen zu uns nehmen, werden also nur für unsere stetige Körpertemperatur von 36 bis 38°C benötigt. Ein Reptil braucht diese Energie als wechselwarmes Tier nicht. Es läuft zu einem warmen Platz und wärmt sich dort auf.  Chamäleons benötigen also nicht nur wegen der viel geringeren Körpergröße weniger Futter, sondern auch, weil sie ihre Körpertemperatur gar nicht halten müssen.

Dazu kommt, dass Chamäleons sich in freier Natur deutlich mehr und über weitere Strecken bewegen. Sie bewegen sich auf der Suche nach Futter, auf der Flucht vor Beutegreifern oder beim Aufsuchen paarungswilliger Artgenossen. Chamäleons verbrauchen in der Natur also auch mehr Energie als ein im Terrarium gehaltenes Chamäleon.

Ein Chamäleon frisst aber als Wildtier auch in Gefangenschaft alles, was es bekommen kann. Im Terrarium führt das dazu, dass die Tiere deutlich mehr fressen, als gut für sie ist, wenn ständig Futter verfügbar ist. Es gibt keinen „Lerneffekt“. Somit ist zurückhaltende, sehr begrenzte Fütterung über die gesamte Lebenslänge des Chamäleons wichtig.

Chamäleons restriktiv füttern

Einige Grundregeln für die Fütterung von Chamäleons:

  • Die angebotenen Futtertiere sollten stets kleiner als die Maulbreite des Chamäleons sein.
  • Besser mehrere kleine Futtertiere als ein einzelnes großes anbieten.
  • Jungtiere bis zum Alter von wenigen Monaten sollten noch ständig Futter zur Verfügung haben, spätestens ab dem Alter von vier bis sechs Monaten sollte das Angebot jedoch begrenzt und Tage ohne Futter eingeführt werden.
  • Etwa 15 Futtertiere mittlerer Größe pro Woche pro ausgewachsenem, mittelgroßem Chamäleon (entspricht zum Beispiel einem Pantherchamäleon) sind ausreichend.
  • Adulte Chamäleons sollten nicht täglich, sondern nur alle paar Tage gefüttert werden.
  • Ein möglichst breites Spektrum verschiedener Futtertiere ist anzustreben.

3: Breite des Maules bei einem Pantherchamäleon, nach der man die Futtetiergröße aussucht

Die Futtermenge orientiert sich letztlich auch an der Art des Chamäleons. Es gibt Tiere, die mit drei, vier großen Futterinsekten pro Woche sehr gut auskommen, genauso gibt es aber Chamäleons, die zwanzig Insekten pro Woche benötigen. Der Bedarf ist nicht nur abhängig von Größe, Alter und Bewegung des Chamäleons, sondern auch von den Temperaturen im Terrarium. Je wärmer es ist, desto mehr Nahrung wird benötigt. Während kühler Haltungsperioden stellen einige Arten die Nahrungsaufnahme dagegen sogar ganz ein.

Larven und Maden (zum Beispiel Mehlwürmer oder Zophobas) sollten vom Speiseplan grundsätzlich gestrichen oder nur extrem selten verfüttert werden. Sie sind auch nicht als „Päppelfutter“ geeignet. Ebenfalls nicht auf den Futterplan sollten Säugetiere wie junge Mäuse oder Vögel  stehen. Auch wenn gerade einige größere Chamäleonarten in der Natur durchaus in der Lage sind, sich ab und zu mal einen kleinen Vogel oder einen kleineren Artgenossen zu schießen, so ist dies für die Fütterung im Terrarium nicht empfehlenswert. Zum einen sind junge Mäuse wie auch Vögel übermäßig nahrhaft und eine starke Belastung für Leber und Nieren. Zum anderen ist die Verletzungsgefahr des Chamäleons beim Verfütterung von Wirbeltieren höher als bei Insekten. Nicht zuletzt stehen auch Tierschutzaspekte dem Verfüttern lebender Wirbeltiere an Chamäleons negativ gegenüber.

Bei der Fütterung bevorzugen viele Chamäleons geflügelte Futtertiere wie beispielsweise kleine Motten oder grüne Schaben. Aber auch Fliegen (ein Futter mit enorm wenig Nährwert, das man daher häufiger anbieten kann)  werden von vielen Arten sehr gerne erbeutet. Grundsätzlich sollten viele verschiedene Futtertier-Arten angeboten werden. In der Natur fressen Chamäleons ein enorm weites Spektrum verschiedenster Futtertiere, darunter viele Mücken, Schmetterlinge, Käfer und Spinnentiere. Einen kleinen (sehr kleinen!) Ausschnitt der vielen, verschiedenen Futtetiere auf Madagaskar bieten die folgenden Fotos.

 

Woran erkennt man, dass ein Chamäleon zu dünn oder zu dick ist?

Chamäleons lagern ihr Fett nicht, wie beispielsweise der Mensch, gut sichbar unter der Haut an – sie haben Abdominalfettkörper. So kann man anhand des äußeren Zustandes der Tiere kaum auf Ihren Ernährungszustand schließen. Es ist bei Chamäleons völlig normal, dass man Rippen und Hüftknochen erkennen kann. Selbst ein völlig überfüttertes, extrem fettes Chamäleon hat stets gut sichtbare Rippen!

Es empfiehlt sich, regelmäßig das Gewicht des Chamäleons zu kontrollieren. Ein zu fettes Chamäleon erkennt man am sich hervorwölbenden Helm, „Pausbacken“, stämmigen Beinen und sehr rundem Schwanz. In diesem Fall sind bereits die Muskeln verfettet. Fett wird jedoch erst in Muskeln eingelagert, wenn alle übrigen Speichermöglichkeiten des Körpers bereits erschöpft sind. Ein solches Chamäleon befindet sich also bereits auf bestem Wege zu Fettleber, Nierenschäden und damit stark verkürzter Lebenserwartung. Der Mythos, der Helm eines Chamäleons enthalte zusätzliche Fettdepots, ist falsch! Der Helm enthält ausschließlich Kaumuskulatur. Chamäleons, die regelmäßig überfüttert werden und sich ohne Grenzen an Futtertiere bedienen können, stellen häufig das Fressen über kürzere oder längere Phasen ein (Vorsicht: Auch kranke Chamäleons können das Fressen einstellen). Dies sollte bei einem gesunden, restriktiv gefütterten Chamäleon nicht passieren.

Bei einigen Arten ist allerdings selbst ein fortgeschrittenes Stadium von Fetteinlagerungen in den Muskeln kaum zu erkennen, so zum Beispiel bei Calumma parsonii. Bei diesen Tieren ist eine zurückhaltende Fütterung und das Einhalten von Winterruhen besonders wichtig – umso mehr, da gerade diese Art in den Augen vieler Halter schnell beeindruckende Größen erreichen soll. Viele Parsons büßen die Überfütterung im Alter von nur wenigen Jahren mit dem Tod, obwohl sie bei guter Haltung 15 Jahre und mehr erreichen können.

Ein zu dünnes Chamäleon ist so gut wie nicht zu erkennen, in der Regel allerdings auch kein Problem der Terraristik. Überfütterte Chamäleons kommen deutlich häufiger vor. Lediglich bei schwer kranken Tieren kann man in einer Sektion keine Abdominalfettkörper mehr finden, von denen Chamäleons lange zehren können. Oft bauen kranke Tiere auch Muskeln ab, was man an der stark hervorstehenden Wirbelsäule erkennen kann.

Digiprove sealCopyright secured by Digiprove