Seit den 1970er Jahren werden Mikrochips dafür verwendet, Tiere zu kennzeichnen. Da auch bei Reptilien im Artenschutz sowie in der Forschung die Kennzeichnung und Identifikation einzelner Tiere immer wieder ein Thema ist, soll dieser Artikel das Thema eingehender bei Chamäleons betrachten.
Wie funktioniert ein Mikrochip?
Bei den üblichen Mikrochips für die Kennzeichnung von Tieren handelt es sich um sogenannte RFID-Transponder (Abkürzung für den englischen Begriff radio frequency identification). Sie werden mittels einer Kanüle in die Haut implantiert und können lebenslang dort verbleiben. Mittels eines Lesegerätes kann eine Nummer auf dem Chip über Radiowellen abgelesen werden, ohne das Tier berühren zu müssen.
Mikrochips gibt es in verschiedenen Größen. Die kleinsten sind knapp so groß wie ein Reiskorn. Die Nummern, die auf den Mikrochips gespeichert sind, bestehen aus 15 Ziffern. Die ersten drei Ziffern verraten, in welchem Land oder von welchem Hersteller der Mikrochip hergestellt wurde. Wurde ein Mikrochip in Deutschland hergestellt, so sind seine ersten drei Ziffern beispielsweise immer 276, in Frankreich 250, in den USA 840. Zusätzlich gibt es einige Ziffernfolgen, die nicht ländergebunden sind, sondern den Hersteller des Chips verraten. Mikrochips dürfen in vielen Ländern ausschließlich von einem Tierarzt implantiert werden.
| Deutschland | 276 | Belgien | 056 |
| England | 826 | Niederlande | 528 |
| Frankreich | 250 | Schweiz | 756 |
| Italien | 380 | Österreich | 040 |
| USA | 840 | Großbritannien | 826 |
Kann man Mikrochips bei Reptilien verwenden?
Ja, Mikrochips können bei vielen Reptilienarten eingesetzt werden. Allerdings gibt es einige Unterschiede zur Anwendung beim Säugetier wie Hund und Katze.

Durchschnittlich großer Mikrochip auf einer Fingerkuppe
Reptilienhaut ist wesentlich dünner als die Haut von Säugetieren und enthält keine Fettzellen. Dadurch entstehen zwei Probleme, wenn man Reptilien genauso chippen wollen würde wie Säugetiere. Zum einen könnte der Mikrochip problemlos mit einem kleinen Hautschnitt wieder entfernt werden, was nicht im Sinne der dauerhaften und unveränderlichen Kennzeichnung wäre. Zum anderen neigen die Mikrochips in bzw. unter der dünnen Reptilienhaut stärker zum Wandern.
Daher empfiehlt es sich, einen Mikrochip bei Reptilien nicht unter der Haut zu implantieren, sondern innerhalb eines Muskels. Dort bleibt der Chip wie gewünscht an Ort und Stelle und ist nur sehr schlecht zu entfernen. Bei Echsen nimmt man meist den linken Oberschenkel zur Implantation eines Mikrochips. Der Mikrochip ist für die Implantation im Muskel vom Hersteller allerdings nicht vorgesehen, es handelt sich also um eine Umwidmung bzw. einen off-label use.
Kann man Mikrochips bei Chamäleons verwenden?
Grundsätzlich ist es möglich, Chamäleons mit Mikrochips zu versehen. Es gibt allerdings einige Argumente, die gegen die Implantation von Mikrochips bei Chamäleons sprechen.
Die AG ARK, der größte europäische Zusammenschluss reptilienkundiger Tierärzte und Tierärztinnen, empfiehlt ausdrücklich, Echsen mit einem Gewicht unter 200 g nicht zu chippen. Darunter fallen fast alle in der Terraristik häufig gehaltenen Chamäleons. Und selbst große Arten wie Calumma parsonii parsonii oder Furcifer oustaleti überschreiten diese Gewichtsgrenze nicht innerhalb des ersten Jahrs, in dem die Kennzeichnung zur eindeutigen Identifikation jedoch gewünscht wäre (später könnte man das Tier ja bereits gegen ein ähnliches ausgetauscht haben).
Bei Chamäleons ist selbst der kleinste Mikrochip in Relation zur Körpergröße bzw. dem verwendeten Oberschenkelmuskel unverhältnismäßig groß. Verletzungen von Blut- oder Nervenstrukturen sind daher wahrscheinlicher als bei großen Reptilien wie beispielsweise grünen Leguanen oder Nilkrokodilen. Daher sollte die Implantation bei Chamäleons im besten Fall in Narkose erfolgen. Die Haut muss nach der Injektion, da sie sich nicht wie beim Säugetier zügig von selbst verschließen kann, bei Chamäleons nach dem Chippen genäht oder mit einem speziellen Gewebekleber verschlossen werden. Sie wird in der Regel an der Schnittstelle für einige Zeit schwarz. Dieser Aufwand und die damit verbundenen Risiken stehen in einem schlechten Verhältnis zum Nutzen.
Eine Alternative statt der Verwendung des Oberschenkel-Muskels ist die Implantation des Mikrochips direkt in die Coelomhöhle. Da es sich dabei um eine Operation handelt, ist ebenfalls eine Narkose notwendig. Der Mikrochip sitzt danach nicht fest an der inneren Bauchwand, sondern bewegt sich frei in der Brust-Bauch-Höhle. Dies kann zu Entzündungen, Verklebungen mit Darm und anderen Organen oder Bauchfellentzündungen führen. Es kann jedoch auch sein, dass der Mikrochip reaktionslos in der Coelomhöhle verbleibt – leider weiß man vor der Implantation aber nicht, was davon passieren wird oder nicht.
Die World Small Animal Veterinarians Association (WSAVA) empfiehlt generell, bei Echsen unter 12,5 cm Kopf-Rumpf-Länge (snout-vent-length, SVL), einen Mikrochip in die Coelomhöhle zu setzen und bei größeren Echsen die Haut im linken Inguinalbereich zu verwenden. Die AG ARK empfiehlt in einer Stellungnahme das Chippen von Chamäleons ausdrücklich nicht.
Interessantes aus dem Artenschutz dazu: 2013 testete die Herpetologin Krystal Tolley in Südafrika, Chamäleons mit Mikrochips zur Identifikation auszustatten. Sie platzierte die Chips unter der Haut und erhoffte sich davon, den illegalen Handel mit geschützten Arten zu reduzieren. Leider hat sich diese Hoffnung bisher nicht erfüllt. Zum einen sind die Mikrochips unter der Haut sehr einfach wieder zu entfernen. Zum anderen ist der mit dem Chip verbundene Aufwand bisher nicht flächendeckend finanzierbar.
Artenschutz: Eindeutige Kennzeichnung zur Identifikation
In Deutschland fordert die Bundesartenschutzverordnung, genauer § 12, dass bestimmte artgeschützte Tiere (genannt in Anlage 6 Spalte 1) individuell gekennzeichnet werden müssen. Die Fotodokumentation als Alternative zum Chippen ist ausdrücklich vorgesehen, sie kann und darf einen Chip ersetzen.

Jedes Chamäleon hat eine so individuelle Zeichnung, dass sie zur Identifikation eines einzelnen Tieres herangezogen werden kann
Wichtig dabei ist allerdings, dass die Dokumentation regelmäßig (mindestens einmal jährlich) und fortwährend ab dem Schlupf erfolgt und die erstellten Fotos von guter Qualität sind. Ein standardisierter, ruhiger Hintergrund, wie er für Schildkröten häufig genutzt wird, bietet eine gute Möglichkeit dazu. Auf den Fotos sollte der gesamte Körper des Chamäleons gut und scharf zu erkennen sein. Zusätzlich bieten sich scharfe, gut ausgeleuchtete Fotos des Kopfes an. Die Schuppen- und Farbmuster von Chamäleons sind individuell unterschiedlich, so dass ein Foto ähnlich eines Fingerabdrucks ein einzelnes Chamäleon sicher identifizieren kann.
Aktuell besteht eine Kennzeichnungspflicht per Fotodokumentation lediglich für die Arten Chamaeleo chamaeleon und Brookesia perarmata. Die Behörden einiger Städte bestehen auf eine Kennzeichnung auch aller übrigen Chamäleons per Fotodokumentation, obwohl es für diese Arten nicht vorgeschrieben ist. Es empfiehlt sich jedoch grundsätzlich zu Dokumentationszwecken, regelmäßig gute Fotos der eigenen Chamäleons zu archivieren.

















