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Bodengrund

Bodengrund im Parsons Terrarium

Eigentlich ist es mit dem Bodengrund ganz simpel: Man orientiert sich auch hier am besten am natürlichen Lebensraum des Chamäleons. Bei den meisten Arten hat sich in der Terraristik ein „lebendiger Bodengrund“ seit Jahren bewährt: Dabei handelt es sich um feuchte Erde aus Laubwäldern inklusive aller enthaltenen Kleinstlebewesen. Der Boden darf vor dem Einbringen ins Terrarium natürlich nicht im Ofen erhitzt werden, denn damit würde man jegliche Bakterienflora, Insekten und Einzeller abtöten. Diese sind für einen natürlichen Bodengrund aber unabdingbar. Die Vorteile dieses Bodens liegen klar auf der Hand:

  • Die Luftfeuchtigkeit im Terrarium wird hervorragend gehalten.
  • Pflanzen können direkt in die Erde gepflanzt werden.
  • Tropftränken und Beregnungsanlagen können bei gut durchwurzeltem Boden täglich genutzt werden, ohne dass Wasser aufgefangen werden müsste.
  • Weibchen können ihre Eier problemlos ablegen.
  • Kot wird vollständig beseitigt und muss nicht entfernt werden.
  • Der Bodengrund kommt den natürlichen Gegebenheiten am nächsten.
  • Einmal eingespielt ist der Boden sehr pflegeleicht und muss über Jahre nicht gewechselt werden. Lediglich Laub wird regelmäßig nachgefüllt.

In Deutschland kann die Gefahr, sich durch heimische Reptilien mit der Erde Parasiten einzuschleppen, vernachlässigt werden. Auch dass kleine Tausendfüßler oder Schnecken ihr Biotop verlassen und durch’s Wohnzimmer krabbeln, kommt bei gut eingefahrenem Bodengrund so gut wie nicht vor. Die Kleinstlebewesen bevorzugen ihren feuchten, heimischen Lebensraum ganz klar gegenüber trockenem, zugigem Wohnzimmerboden.

Terrarien, die nicht über einen Abfluss im Boden verfügen, sollten mit einer Drainageschicht unter der Erde versehen werden. Dazu eignen sich Blähtonkugeln, die man im Baumarkt oder Gartencenter im Sack kaufen kann. Über die Blähtonschicht legt man ein Vlies (ebenfalls in Gärtnereien erhältlich), um eine Vermischung der Drainageschicht mit dem Erdboden zu verhindern. Darüber schüttet man Erde auf, am besten eignet sich hier Erde aus einem Laubwald inklusive aller enthaltenen Kleinstlebewesen. Zum Mischen kann Erde aus dem Baumarkt verwendet werden. Ungedüngt muss die Erde nicht zwingend sein, es sollten lediglich keine kleinen Düngerkügelchen oder -stückchen enthalten sein – diese könnte das Chamäleon versehentlich beim Fressen mal mitschießen. Eine Laubschicht darüber kommt dem lebenden Boden zu Gute, sorgt für ein natürliches Aussehen und wird relativ zügig verwertet. Ein so eingerichtetes Terrarium sollte im besten Fall einige Wochen „einlaufen“, damit die Pflanzen sich im Boden verwurzeln und so deutlich mehr Wasser aufnehmen können. Wer möchte, kann zusätzlich zu den schon vorhandenen Lebewesen beispielsweise tropische Asseln im Terrarium aussetzen.

Blähtonkugeln, hier Seramis, in Säcken

Blähtonkugeln, hier Seramis, in Säcken

Für die Haltung von Weibchen (auch unverpaarten) sollte der Bodengrund eine Mindesthöhe von 20 cm haben, damit Eier darin abgelegt werden können. Chamäleon-Weibchen können auch unverpaart Eier anbilden und geeignete Ablageplätze verhindern eine Legenot. Bei Bedarf kann die Erde mit etwas Sand gemischt werden, um eine höhere Stabilität zum Graben zu erreichen. Reiner Sand als Ablagemöglichkeit vereinfacht das Ausgraben und Säubern der Eier vor der Inkubation. Einige Chamäleonarten Madagaskars leben auch in der Natur auf Sand. Man sollte bei diesen jedoch immer besonders darauf achten, dass möglichst kein Sand versehentlich mit Futtertieren oder bei Mineralmangel aufgenommen werden kann. Im Magen-Darm-Trakt befindlicher Sand kann zu starken Verstopfungen führen, die nur schwer zu therapieren sind.

Einen einzigen Nachteil hat der natürliche Bodengrund: Haben sich darin Pflanzen verwurzelt, ist es für den Halter schwieriger, abgelegte Eier im Boden zwecks Inkubation wieder auszugraben. Viele Chamäleonweibchen bevorzugen nämlich grade den verwurzelten, schlecht zugänglichen Bereich im Terrarium zur Eiablage. Möchte man öfter züchten, kann man für trächtige Weibchen ein Terrarium mit Pflanzen in Töpfen anbieten.


Nicht
als Bodengrund für Chamäleons geeignet sind folgende Materialien:

  • Küchenpapier oder Zeitung: Ausgenommen zur Quarantäne sollte ein Terrarium stets einen funktionierenden Bodengrund haben. Küchenpapier und Konsorten bieten Bakterien keinerlei Konkurrenzflora, so dass sich potenziell schädliche Keime (z.B. aus dem Kot des Chamäleons) gut vermehren können. Kot muss täglich entfernt werden, die Luftfeuchtigkeit wird nicht gehalten und Pflanzen müssen eingetopft bleiben. Dazu haben Weibchen in so spartanisch ausgestatteten Becken keine Möglichkeit, ihre Eier abzulegen.
  • Rindenmulch, Räuchergold (Holzschnitzel): Rindenmulch oder Räuchergold schimmelt in feuchten Terrarien gerne und hält die Luftfeuchtigkeit in keinster Weise. Dazu kann es vom Chamäleon versehentlich aufgenommen zu gefährlichen Darmverstopfung oder gar –rupturen führen, da die Stücke nicht verdaut werden können.
  • Kleintierstreu: Kleintierstreu ist nicht geeignet, um die Luftfeuchtigkeit in Chamäleon-Terrarien zu halten. Dazu ist es nicht grabfähig (wichtig bei Weibchen), Pflanzen können darin nicht wurzeln und heruntergefallenem Kot wird keinerlei Konkurrenzflora entgegengesetzt.
  • Spaghnum-Moos: Das Moos schimmelt zwar nicht und hält Feuchtigkeit sehr gut, ist aber keine alleinige Lösung für den Bodengrund. Zumindest eine Erdschicht sollte stets darunter liegen. Bei einer guten Schicht Laub ist das Moos nicht mehr nötig.
  • Kokosfasern: Die Fasern können in Einzelfällen vom Chamäleon versehentlich aufgenommen im Magen-Darm-Trakt Schaden anrichten. Ansonsten gibt es die gleichen Probleme wie bereits bei anderen Materialien genannt.
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