Brookesia desperata

CITES-Quoten
kein legaler Export möglich

Erstbeschreibung:

Glaw, Köhler, Townsend & Vences, 2012

Herkunft des Artnamens:

Frank Glaw von der Zoologischen Staatssammlung München, Jörn Köhler vom Hessischen Landesmuseum Darmstadt, Ted Townsend von der Universität San Diego (USA) und Miguel Vences vom Zoologischen Institut der TU Braunschweig beschrieben die Art Brookesia desperata zeitgleich mit einigen weiteren, ähnlich kleinen Brookesia-Arten. Von diesen neu beschriebenen Arten waren die Überlebenschancen bereits zum Zeitpunkt der Beschreibung bei Brookesia desperata am geringsten, da die Art in einem nur sehr schlecht geschützten und massiv von Brandrodung und Abholzung bedrohtem Wald lebt. Entsprechend wurde das Lateinische desperatus als Artname gewählt, was so viel wie verzweifelt bedeutet.

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Brookesia desperata

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Forêt d\'Ambre: -12.467314, 49.187851

Verbreitung:

Diese kleinen Chamäleons kommen nur im Forêt d’Ambre vor, einem Stück Wald nördlich des bekannteren Nationalparks Montagne d’Ambre. Fährt man zum Montagne d’Ambre, kommt man auf etwa 470 Meter zwingend am Forêt d’Ambre vorbei. Das nächstgelegene Dorf ist Sakaramy. Der Forêt d’Ambre steht zwar offiziell seit 1958 als Spezialreservat unter Schutz, praktisch wird dieser Schutz jedoch nicht umgesetzt. Die Ränder des Forêt d’Ambre sind auf der Seite von Joffreville (Ambohitra) und Sakaramy besiedelt, so dass der Wald sehr stark unter Abholzung leidet und jedes Jahr weiter schrumpft. Brookesia desperata kommt erstaunlicherweise allerdings nicht nur im südlichen Rest des Regenwaldes vor, sondern auch am Fuße größerer Mangobäume und anderer Sekundärvegetation an den Rändern des eigentlichen Waldes. Sogar in Bananenplantagen wurde die Art schon gefunden.

Aussehen & Größe:

Größenvergleich: Ein Brookesia desperata auf einem menschlichen Zeigefinger

Diese sehr kleinen Erdchamäleons werden bis zu vier Zentimeter lang und sind damit etwas größer als die in der Nähe vorkommenden Arten Brookesia tuberculata, Brookesia tristis und Brookesia confidens. Seitlich am Kopf tragen sie drei kleine Tuberkel. Entlang des Rückens verlaufen bei beiden Geschlechtern 12 bis 14 Tuberkel, die sich auf dem Schwanz fortsetzen. Statt eines Hüftschildes tragen Brookesia desperata einen kleinen „Hüftstachel“ (pelvic spine). Weibchen sind etwas breiter und gedrungener als Männchen, bei denen die verhältnismäßig großen Hemipenistaschen sehr gut zu erkennen sind. Farblich zeigen Brookesia desperata meist eine auffällig hellere Rückenlinie, die sich vom Kopf bis zur Schwanzspitze zieht.

Besonderheiten:

Dieses Chamäleon gehört zu den kleinsten Amnioten weltweit, der sogenannten minima-Gruppe.

 

Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Durchschnittl. Temperatur 24 27 28 27 27 26 25 24 25 25 28 27
Minimale Temperatur 27 25 25 25 25 24 23 21 22 22 25 25
Maximale Temperatur 29 29 30 30 29 28 28 27 27 28 30 29
Regentage 18 16 15 6 3 2 1 1 0 1 3 9

Die angegebenen Daten wurden von uns innerhalb mehrerer Jahre mit Thermo- und Hygrometern direkt an den Fundorten der Tiere gemessen und zusammengetragen. "Durchschnittliche Temperatur" bedeutet, dass die Werte eines gesamten Monats zu einem Durchschnittswert berechnet wurden, z.B. wurden alle gemessenen Minimalwerte eines Monats zu einem durchschnittlichen Minimalwert für Februar berechnet. Das bedeutet im Klartext, dass einzelne Spitzenwerte eines Tages deutlich höher oder niedriger als die durchschnittlichen Minimal- und Maximalwerte liegen können. Es ist also möglich, dass zwar das durchschnittliche Maximum bei 29 Grad liegt, es aber an einigen Tagen des Monats 33°C oder gar 35°C warm war.

Normalerweise stimmen die Klimadaten nahe gelegener Städte nicht zwingend mit dem benachbarten Chamäleon-Habitat überein. Beim Forêt d'Ambre ist das jedoch ausnahmsweise anders. Hier entspricht das Klima in Joffreville, madagassisch Ambohitra, ziemlich genau dem Klima des "Waldes". Denn viel Wald ist überhaupt nicht mehr da, es handelt sich mehr um winzige Waldreste mit hauptsächlich Sekundärvegetation dazwischen.

Der Forêt d'Ambre liegt auf 470 bis knapp 1100 m, wodurch es nachts immer recht frisch wird, aber nicht ganz so kalt wie im etwas höher gelegenen Montagne d'Ambre. Während der Trockenzeit bleiben die Temperaturen vor allem tagsüber etwas niedriger mit bis zu 25°C. Es regnet hier bei Weitem nicht so viel wie im höher gelegenen Montagne d'Ambre, aber immer noch mehr als "gar nicht", wie es manchmal monatelang in Diego Suarez der Fall ist. Während der Regenzeit wird es tagsüber ab und zu bis zu 30°C warm, meist bleibt es aber mediterran warm. Die Durchschnittstemperatur liegt allerdings etwas niedriger. Während der Regenzeit schüttet es mehrfach täglich, und auch mal ganze Tage durch.

2016 UVI Montagne d'Ambre

Die UVB-Daten wurden mit einem Solarmeter 6.5 im Frühjahr (Ende April) zur höchsten Aktivitätszeit der Chamäleons gemessen. Gemessen wurden jeweils maximal für das Chamäleon zu erreichende Werte im Habitat.

Leider sind noch keine Bodentemperaturen für den Forêt d'Ambre verfügbar.

Habitat:

Die folgenden Fotos zeigen Ausschnitte aus dem Habitat von Brookesia desperata am Rande des Forêt d’Ambre. Diese kleinen Chamäleons leben an den Füßen größerer Bäume, wobei es sich dabei nicht um Urwaldriesen und Primärwald handeln muss. Wir haben sie auch schon am Fuße von Mangobäumen und Sekundärvegetation wie in den Fotos entdeckt. Der Boden besteht aus einer Mischung aus Laterit und Erde.

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