Klettermöglichkeiten

Große Parsons Terrarien

Bevor ein Terrarium von seinem neuen Bewohner bezogen werden kann, benötigt es eine passende Einrichtung. Neben lebendem Bodengrund, Rückwand und lebenden Pflanzen und braucht ein Chamäleonterrarium vor allem eines: Klettermöglichkeiten. Dieser Artikel stellt vor, was alles möglich und was für Chamäleons auch sinnvoll ist.

Grundlegende Überlegungen

Ein dicht bepflanztes Terrarium bietet seinem Bewohner genügend Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten. Chamäleons, die „auf dem Präsentierteller“ sitzen, leben meist nicht solange, wie sie bei guter Haltung könnten. Sichtschutz durch dichte Bepflanzung ist also bei allen madagassischen Chamäleons wichtig. Dazu sollten die Klettermöglichkeiten so eingebracht sein, dass das Chamäleon jeden Platz im Terrarium erreichen kann. „Ungenutzte Luft“ im oberen Teil des Terrariums bringen dem Tier nichts. Chamäleons sind zum Klettern gemacht. Sie bewegen sich mühelos von Ast zu Ast und nutzen ihren Schwanz als fünfte Extremität ebenfalls zum Greifen. Die Abstände der Klettergelegenheiten zueinander sollten nicht größer sein, als das Chamäleon einschließlich Schwanz lang ist. Es bietet sich an, die Äste und Klettermöglichkeiten innerhalb des Terrariums so zu arrangieren, dass das Chamäleon „Rundwege“ laufen kann, die miteinander verbunden sind. Das nutzen sowohl größere Arten wie Furcifer pardalis als auch Erdchamäleons wie Brookesia superciliaris.

Je nach Größe der Chamäleonart, die ins Terrarium ziehen soll, wählt man die Pflanz- und Astdichte aus. Sehr kleine, Baum bewohnende Arten profitieren meistens von extrem dicht bepflanzten, dünnen Astwerken, in die man von außen kaum hineinschauen kann. Größere Arten benötigen mehr Platz zwischen den Ästen und können weniger mit extrem dichtem Blatt- und Astwerk anfangen. Grundsätzlich gilt: Je länger man das Chamäleon in seinem Terrarium suchen muss, desto besser ist es bepflanzt.

Das obere Drittel des Beckens darf generell etwas lichter bleiben und sollte Möglichkeiten zum direkten „Sonnen“ unter den UV-B-Lampen bieten. Dazu benötigt man Äste bis unter die Deckelgaze, aber weniger dichte Bepflanzung. Vorsicht: Die UV-B-Strahlung und die Grundbeleuchtung müssen so angepasst werden, dass das Chamäleon sich auch auf seinem höchsten Ast nicht verbrennen kann.

Klettermöglichkeiten

Äste

Holunderäste sind weich und flexibel, sie eignen sich für fast alle Chamäleons als Klettermöglichkeit

Äste sind wohl am einfachsten aufzutreiben und entsprechen der Wildnis am ehesten, denn auch auf Madagaskar leben Chamäleons vorwiegend auf Ästen. Selbst Boden bewohnende Erdchamäleons nutzen Äste zum Schlafen. Gut geeignet sind Äste, die das Chamäleon vollständig mit seinen Händen und Füßen umgreifen kann. Ein paar wenige Äste des Terrariums dürfen etwas dicker sein. Ganze Baumstämme sind eher nichts fürs Chamäleonterrarium.

Nadelgehölze sollten wegen ihres Harzes vermieden werden. Stattdessen sind Äste von Obstbäumen, Haselnuss, Holunder, Weiden oder anderen Laubbäumen gut geeignet. Gerade von alten Obstbäumen bekommt man oft urig verwachsene Äste, die mit Flechten oder Moos bewachsen sind. Die Flechten halten sich je nach Wasserversorgung und Temperaturen im Terrarium nicht immer. Schnittfrische Äste erhält man auf freundliches Nachfragen in Schrebergärten oder gleich im eigenen Garten, tote oder bei Stürmen abgebrochene Äste kann man im Wald sammeln. Vorsicht bei vom Boden gesammelten Ästen: Sie sollten nicht hohl und brüchig sein. Besprüht man bereits brüchige Äste regelmäßig mit Wasser, brechen sie bald vollständig durch – womöglich genau dann, wenn das Chamäleon darüber läuft.

Das Risiko einer Infektion mit Parasiten ist in Deutschland für Chamäleons zu vernachlässigen, entsprechend können die Äste direkt benutzt werden. „Abbacken“ oder ähnliche Maßnahmen sind nicht notwendig. In anderen Ländern, zum Beispiel in Florida, wo es wildlebende eingeschleppte Chamäleons gibt, sollte man die Äste vor Verwendung von Parasitenstadien befreien bzw. reinigen und desinfizieren.

Lianen

Lebensraum von Calumma radamanus und Furcifer pardalis im Regenwald auf Nosy Mangabe

Lianen sind Rankpflanzen, die sich an Bäumen oder anderen standfesten Pflanzen nach oben hangeln. Sie bilden verholzende Stämme, die man im Terrarium als Klettergelegenheit nutzen kann. Auf Madagaskar werden auch Luftwurzeln häufig als Lianen bezeichnet, auch wenn es streng genommen keine sind. Lianen sorgen für ein tropischeres Flair im Terrarium und sehen dekorativ aus. Dazu werden sie meist gerne von Chamäleons zum Klettern angenommen.

Der Zoohandel bietet eine Fülle natürlich gewachsener Lianen an. Die meisten werden aus Brasilien, Malaysia oder Indien importiert. Diese Lianen sind starr und unbeweglich, müssen also „wie sie sind“ im Terrarium untergebracht werden. Nur die Länge kann man mit einer Astschere einkürzen. Im Gegensatz zu Ästen sind Lianen relativ kostenintensiv. Am besten kauft man dort, wo man sich die Lianen vor Ort anschauen kann, denn jede Liane ist anders gewachsen. Im Internet kann man in der Regel nicht aussuchen, ob man besonders schön geschwungene oder eher gerade gewachsene Lianen bekommt.

Auch künstliche Lianen kann man im Zoohandel kaufen. Meist handelt es sich dabei um Draht oder andere flexible Materialien, die mit einem künstlichen Überzug versehen ist, der eine Lianenoptik nachahmt. Das hat den Vorteil, dass die Lianen biegsam sind.

Korkröhren und Korkplatten

Korkröhren sind in der Terraristik sehr beliebt, weil sie natürlich aussehen und vielen Reptilien eine gute Schutz- und Versteckmöglichkeit bieten. Sie bestehen aus der Rinde der Korkeiche (Quercus suber). Für Chamäleons sind Korkröhren und –platten eher ungeeignet. Korkröhren werden von Chamäleons in der Regel nicht genutzt, nehmen aber durch ihren großen Durchmesser viel Platz im Terrarium weg. Korkplatten, die man waagrecht an den Rück- und Seitenwänden befestigt, benötigen Chamäleons mit ihren enorm guten Kletterkünsten einfach nicht. Sie brauchen keinen „Sitzplatz“, der breiter als ein umgreifbarer Ast ist. Kork ist also als Rück- und Seitenwand im Chamäleonterrarium prima, zur Einrichtung selbst leider nicht.

Seile

Hanf-, Kokosfaser und Sisalseile kann man theoretisch im Chamäleonterrarium nutzen, praktisch sind sie für die Tiere eher nicht. Chamäleons beklettern Seile zwar wie alles, was man ihnen anbietet, finden daran aber häufig keinen stabilen Halt und „kippen“ gerne mal auf die Unterseite des Seils. Verschieden dicke Äste und Lianen sind hier sicherlich die bessere Klettergelegenheit.

Leitern und Brücken

Wer es optisch schön findet, kann auch kleine Holzleitern und Brücken im Terrarium anbringen. Für Chamäleons haben diese keinen Vorteil gegenüber möglichst vielen Ästen. In naturnahen Terrarien wirken solche „Nager- und Vogelspielzeuge“ meist eher deplatziert.

Kokosnetze

Diese werden bereits im Bereich Rückwände besprochen.

Bambus

Bambusrohre unterschiedlichen Durchmessers

Bambus wird in der Terraristik vor allem im Geckobereich sehr viel verwendet. Für Chamäleons können Bambusstangen zwar genutzt werden, sie sind aber häufig zu glatt für eine gute Grifffestigkeit. Zudem bewegen sich Chamäleons auf Madagaskar so gut wie nicht über Bambusstangen, solange andere Bäume und Pflanzen in der Nähe sind. Sie bevorzugen in aller Regel Äste mit unterschiedlichen, griffigen Oberflächen. Mit dem hohlen Innenteil der Röhren können Chamäleons im Gegensatz zu Geckos nichts anfangen.

Weinreben

Weinreben oder Wingertsknorzen (die alten, verwachsenen und dicken Teile der Weinrebe) sehen optisch sehr urig aus. Man kann sie vor allem in Weingegenden oft kostenlos bei Winzern bekommen, die gerade einen alten Weinberg neu anlegen oder einzelne Weinstöcke austauschen. Im Terrarium erweisen sie sich als langlebig und stabil. Einen großen Nachteil haben sie allerdings: Die rindenartige Oberfläche ist enorm fransig und schält sich mit der Zeit langsam ab. Die sich lösenden Fasern können eine Verletzungsgefahr darstellen, reibt das Chamäleon beispielsweise seine Augen daran.

Diesen Nachteil kann man umgehen, indem man sandgestrahlte Weinreben verwendet. Diese sehen optisch weniger urig und weniger natürlich aus, haben teils aber dafür hübsche Farbverläufe.

Mangrovenwurzeln, Mopani, Opuwa und andere

Mangrovenwurzeln gibt es im Zoohandel in allen möglichen Formen und Größen. Sie werden in aller Regel in tropischen Ländern geerntet – da Mangrovenwälder sehr empfindliche Ökosystem sind, kann man über die Nachthaltigkeit hier sicher streiten. Ursprünglich wurden Mangrovenwurzeln vor allem in der Aquaristik verwendet, heute halten sie auch in der Terraristik Einzug.

Mangrovenwurzel

Ebenfalls ursprünglich in der Aquaristik verwendet ist Mopani-oder Mopane-Holz. Dabei handelt es sich um das Holz des Mopane-Baumes (Colophospermum mopane). Mopane wächst in Südafrika und wird dort als Brenn- und Bauholz sowie für Zäune verwendet. Wegen seiner enormen Dichte, Härte und Witterungsfestigkeit wurde es auch für Eisenbahnschwellen benutzt. Deswegen ist es auch als „Eisenholz“ bekannt.

Unter ähnlichen Werbeversprechen wird auch Opuwa-Holz beworben. Allerdings handelt es sich bei Opuwa nicht um einen Baum, sondern eine Stadt in Namibia. Ähnlich ergeht es sogenanntem „driftwood“, eigentlich Treibholz. Welches Holz genau sich dahinter verbirgt, ist unklar.

Für Baum bewohnende Chamäleons sind Mangrovenwurzeln, Mopaniholz und Co in aller Regel zu klein und daher ungeeignet. Für Erdchamäleons jedoch können sie durchaus im Terrarium dekorativ genutzt werden. Sie sollten aber nicht alleinige Klettermöglichkeit für Erdchamäleons bleiben, zusätzliche Äste insbesondere als Schlafgelegenheit sind ein Muss.

Der Zoohandel bietet inzwischen getrocknete und gereinigte Stücke von Bananenwurzeln an, die man „falsch herum“ ins Terrarium stellen kann. Dabei ragen die Wurzeln dann „astähnlich“ in die Höhe. Für Erdchamäleons eventuell ganz interessant, aber auf Grund der extrem dichten Wurzelteile eher ungeeignet zum Beklettern. Tipp: Natürliche, ähnlich aussehende Äste und Wurzelteile findet man mit etwas Geduld bereits tot im Wald und dazu noch gratis.

Vuka Wood

Optisch außergewöhnlich sind Kakteenskelette, manchmal auch Vuka Wood oder Cholla Wood genannt. Das sind die sandgestrahlten, getrockneten Innenteile des Kaktus Chylindropuntia cholla aus Mexiko. Für Chamäleons haben sie keinen Vorteil gegenüber normalen Ästen. Dafür liegen sie preislich auf Grund der Optik um ein Vielfaches höher. Vorsicht: Innerhalb des Kakteenskeletts verstecken sich gerne Futtertiere.

Künstliche Dekorationselemente

Ob aztekische Ornamente, Wasserspeier, Groot-Figuren, Dino-Eier, Plastik-Schädel oder andere Dekorationsobjekte: Es gibt inzwischen eine Vielfalt an Dekorationsobjekten im Zoohandel. Meist sind sie aus Plastik, manchmal auch aus Epoxidharz oder Styropor. Eins haben sie alle gemeinsam: Für Chamäleonterrarien sind sie einfach unnötig. Wer sich trotzdem künstliche Deko ins Terrarium stellen möchte, sollte stets dabei bedenken, dem Tier nicht unnötig Platz weg zu nehmen, also nur so wenig davon wie möglich zu verwenden.

Höhlen und Tunnel

Der Zoohandel bietet inzwischen eine große Fülle von Höhlen als Versteckmöglichkeiten für Reptilien an. Dabei reicht die Palette von naturbelassenen Kokosnüssen über Plastikhöhlen bis zu Steinimitaten aus Epoxidharz. Höhlen sind generell für Chamäleons ungeeignet. Chamäleons verstecken sich nicht darin, die Höhlen nehmen im Terrarium also nur unnötig Platz weg. Genauso verhält es sich mit Tunneln.

 

Befestigung von Klettermöglichkeiten im Terrarium

Silikon

Eine Kartusche Aquariensilikon

Eine Kartusche Aquariensilikon

Die Befestigung von Ästen im Terrarien kann man am einfachsten mit Aquarien- oder Lebensmittelsilikon bewerkstelligen. Das Silikon kann man in Kartuschen im Baumarkt kaufen. Zum Aufspritzen benötigt man eine Kartuschenpresse, wobei hier auch die günstigsten Modelle reichen. In die an Rück- und Seitenwände gespritzten Silikonflecke drückt man den Ast hinein und drückt das Silikon mit angefeuchteten Fingern so an, dass es eine Art „Halterung“ für den Ast ergibt. Das Silikon sollte gut 24 h durchtrocknen. Danach sollte man das Terrarium noch einige Tage auslüften lassen, bevor ein Chamäleon einzieht. Silikon ist mit Ceranfeldschabern sehr gut wieder zu entfernen, solange man es nicht allzu flächig aufgebracht hat.

Schrauben

Aber einer gewissen Größe von Chamäleon und Ästen reicht Silikon zur Befestigung nicht mehr aus. Dann müssen stabilere Lösungen her. Am einfachsten ist es, mit dem Akkuschrauber lange Schrauben durch Äste bis in Rück- oder Seitenwand zu schrauben. Die spitzen Enden der Schrauben müssen unbedingt in Wänden enden, sonst können Chamäleons sich daran verletzen.

Klemmen und verkanten

Kabelbinder im Terrarium

Sehr leichte, dünne Äste für ebenso kleine Chamäleons kann man manchmal auch einfach zwischen Terrarienwänden einklemmen. Bei schwereren Tieren funktioniert das jedoch oft nicht mehr. Und Vorsicht: Oft stehen die so verkanteten Äste unter Spannung – wenn sie sich lösen, fliegen sie dem Terrarienbewohner mit Schwung um die Ohren oder das Tier stürzt damit einfach ab.

Bast, Kabelbinder

Eine weitere Variante, Äste miteinander zu verbinden, sind Bast oder Kabelbinder. Beides muss man oft nach einiger Zeit nachziehen, da sie sich etwas lockern können. Bei Kabelbindern schneidet man die überstehenden Enden mit dem Saitenschneider ab und berundet die Plastikkanten mit der Feile etwas, damit nichts scharfkantiges übrig bleibt.

 

Beispiele für eingerichtete Terrarien

Links ein Terrarium aus Aluminiumprofilen und Forex mit vollständiger Gazetür und Gazedeckel sowie lebendigem Bodengrund. Die Rückwand wurde mit Zierkork abgedeckt. Das Terrarium ist ordentlich bewachsen, das obere Drittel etwas heller gehalten. Am Boden wachsen diverse Korbmaranthen und Bergpalmen, rechts rankt eine Passionsblume nach oben. Hinten rechts ist eine Grünlilie an der Wand angebracht, links mittig an der Wand ist ein Nestfarn und mittig ein weiterer Farn. Ganz rechts oben und an der Rückwand oben sind jeweils Efeututen, die durch das Becken ranken. Dazu sind drei Lousiana-Moose an Ästen befestigt. Die Äste sind von Apfelbäumen.

Das rechte Terrarium ist ein sehr hohes, großes Becken mit lebendigem Bodengrund und sehr vielen Ästen eines alten Pflaumenbaums. Die Rückwände sind von einer Matte aus Weidenästen bedeckt, die beklettert werden können.  Der untere Bereich wird von einer Kentia-Palme und einem Ficus benjamini gedeckt, im oberen Bereich wächst eine Passionsblume. Links ist ein Pflanztopf mit einer Efeutute angebracht. Die beiden Kletterpflanzen sollten noch etwas wuchern, damit das Terrarium besser begrünt ist.

Das linke Terrarium zeigt ein gut eingerichtetes Terrarium für kleinere Chamäleon-Arten mit lebendigem Bodengrund. Die Seiten sowie Tür und Deckel sind aus Gaze. Es verfügt über viele Äste, das obere Drittel ist etwas lichter, die Rückwand besteht aus Zierkork. Bepflanzt ist das Becken mit verschiedenen Asplenium-Arten und Rademachera.

Das rechte Terrarium sieht zwar nett aus, ist aber für die Chamäleonhaltung ungeeignet: Rechts ist eine Plastikpflanze vorhanden, vorne links eine Wasserschale – beides gehört nicht in Chamäleonterrarien. Dazu ist der Bodengrund für Chamäleons ungeeignet, es handelt sich hier um Rindenmulch. Ein weiterer Problempunkt ist die wenig dichte Bepflanzung und die dicken Korkröhren statt vieler, dünner Äste. Mit den Korkröhren können Chamäleons nichts anfangen, sie verschwenden lediglich wertvollen Platz.

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