Mykosen

Mykose – was ist das?

Mykose ist der Fachbegriff für eine Pilzinfektion. Bei einer Dermatomykose handelt es sich um eine Pilzinfektion, die sich nur auf die Haut beschränkt. Bei Organmykosen handelt es sich um einen Pilzbefall der inneren Organe des Tieres.

Ursachen

Fakultativ pathogene Pilzsporen sind immer in der Umgebung und auf der Haut des Chamäleons zu finden. Sie werden in der Regel erst dann zu einem Problem, wenn eine Erkrankung oder ein geschwächtes Immunsystem vorliegt und dem Pilz günstige Bedingungen zum Wachstum bietet. Mögliche Gründe sind häufig suboptimale Haltungsbedingungen wie Pärchen- oder Gruppenhaltung von Einzelgängern, unzureichende Beleuchtung des Terrariums oder zu hohe Luftfeuchtigkeit in Kombination mit mangelnder Belüftung. Auch alte Verbrennungen oder Narben vorhergegangener Verletzungen sind oft Ausgangspunkt von Pilzinfektionen. Bei Chamäleons wurden bisher unter anderem Aspergillus, Penicillium, Paecilomyces lilacinus, Phycomycetes, Mucor und Paecilomyces viridis nachgewiesen.

Dermatomykose auf einer alten Narbe bei einem weiblichen Furcifer pardalis

Es gibt jedoch ein paar wenige Ausnahmen. Am bekanntesten sind ein Pilz, der aktuell den Namen Chrysosporium Anamorph von Nannizziopsis vriesii (Abkürzung CANV) trägt, sowie Nannizziopsis dermatitidis und Metarhizium granulomatis (früher Chamaeleomyces). Bei diesen Pilzen sind in den letzten Jahren vermehrt auch gesunde Chamäleons betroffen. Studien weisen darauf hin, dass diese Pilze obligat pathogen, also immer krankmachend, für Chamäleons und andere Echsen sind. Nannizziopsis und Metarhizium gelten als stark infektiös. Sie werden offenbar über bloßen Hautkontakt bereits von Tier zu Tier übertragen. Das bedeutet, dass auch der Chamäleonhalter selbst die infektiösen Sporen z.B. von einer Börse mitbringen und auf das eigene Chamäleon übertragen kann. Genauso kann ein bisher scheinbar symptomloses Chamäleon die Pilzsporen mit in sein neues Zuhause bringen. Ein weiterer Grund für Quarantäne beim Kauf neuer Chamäleons! Paecilomyces und Metarhizium granulomatis können wahrscheinlich zusätzlich über die Aufnahme infizierter Insekten übertragen werden.

Symptome – Was sind Anzeichen einer Pilzinfektion?

Betroffene Hautareale verfärben sich mit der Zeit, werden gelblich oder bräunlich, manchmal auch schmierig weißlich-grau. Die Haut kann sich blasig verändern. Die veränderten Hautbereiche werden langsam (oft über Monate) größer oder es tauchen immer neue Stellen am ganzen Körper auf. Seltener können auch verkürzte Häutungsintervalle bis hin zu ständiger, ununterbrochener Häutung beobachtet werden. Pilzinfektionen können auch sekundär als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen auftreten, zum Beispiel im Zuge einer Pododermatitis oder Maulfäule.

Bei schweren Verläufen und Infektionen mit CANV oder Nannizziopsis dermatitidis kommt es meist zur Ausbildung sogenannter Granulome, Pilzknoten. Diese werden häufig als Knubbel auf der Haut sichtbar. Granulome in der Zunge können vor allem am Zungengrund als kleine, gelb-weißliche Knoten sichtbar werden und das Chamäleon beim Schießen von Insekten behindern. Gefährlich sind CANV und Nannizziopsis dermatitidis aber vor allem deshalb, weil sie auch andere Organe wie Leber, Lunge, Herz oder Nieren betreffen können. Dies bleibt für den Halter unsichtbar, bis fortgeschrittene Organschäden auftreten und das Chamäleon ein zunehmend schlechteres Allgemeinbefinden mit eingeschränkter Futteraufnahme zeigt.

Diagnostik

In der Regel werden betroffene Chamäleons leider sehr spät beim reptilienkundigen Tierarzt vorgestellt. Der Tierarzt untersucht das Tier und nimmt Tupfer von auffälligen Hautbereichen, um sowohl Bakteriologie als auch Mykologie und Resistenztest einzuleiten. Auch wenn eine Pilzinfektion wahrscheinlich ist, kann eine sekundäre bakterielle Infektion betroffener Haut ohne Abstrich nicht ausgeschlossen werden. Bei weit fortgeschrittenen Mykosen kann eine Biopsie betroffener Hautareale in Narkose notwendig sein, um die Hautveränderung von Tumoren abzugrenzen.

Dieses Chamäleon starb an einer Infektion mit Nannizziopsis dermatitidis – zum Todeszeitpunkt waren selbst in Rippen und Wirbelfortsätzen  Pilzgranulom zu finden

Nicht jeder Pilz, den man per Abstrich nachweisen kann, ist auch tatsächlich pathogen (krankmachend) für das Chamäleon. Daher sollte sowohl das Tupfern als auch die Auswahl eines geeigneten Labors und die Beurteilung des Ergebnisses stets durch einen reptilienkundigen Tierarzt erfolgen.

Im Falle von CANV oder Nannizziopsis dermatitidis kann weitere Diagnostik in Form von Röntgen-, Ultraschall- und Blutuntersuchungen sinnvoll sein. Häufig hat dieser Pilz sich bis zur Vorstellung in der Tierarztpraxis längst im gesamten Körper des Chamäleons ausgebreitet. Man nennt dies einen systemischen Befall.

Therapie

Dermatomykosen haben nur dann gute Heilungschancen, wenn das Chamäleon bereits in einem frühen Stadium beim reptilienkundigen Tierarzt vorgestellt wird. Je kleiner das betroffene Hautareal, umso besser die Prognose. Die Behandlung von kleinen Hautarealen kann lokal mit einer oder mehrerer vom Tierarzt verschriebenen Salben erfolgen. Bei mehreren betroffenen Hautstellen oder gar systemischer Ausbreitung kann eine Behandlung mit oral eingegebenen Medikamenten notwendig werden.

Pilzbehandlungen dauern in der Regel mehrere Wochen bis zu Monate und sollten erst beendet werden, wenn der behandelnde Tierarzt es für sinnvoll hält. Bei längeren Behandlungsintervallen kann es notwendig sein, regelmäßig Blutuntersuchungen zur Kontrolle der Organwerte durchzuführen.

Bei CANV oder Nannizziopsis dermatitidis ist die Prognose leider grundsätzlich ungünstig. Ist die Erkrankung bereits fortgeschritten, kann sie in der Regel nicht mehr geheilt werden. Häufig enden Infektionen bei Chamäleons bei Nannizziopsis mit massiven Einschränkungen der Lebensqualität durch schwere Organschäden. Das Tier muss letztendlich eingeschläfert werden.

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