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Aufzucht von Jungtieren

Brookesia brygooi in Kirindy, Jungtier 2017
Calumma globifer Jungtier
Calumma ambreense Jungtier
Furcifer angeli Jungtier
Furcifer pardalis Jungtier aus Ankify
Furcifer oustaleti Jungtier

Hat man Chamäleons erfolgreich verpaart, war die Eiablage erfolgreich und die Eier sind gut inkubiert worden, ist es Zeit für den Schlupf und damit die Aufzucht der Jungtiere. Aber wie macht man das eigentlich, und worauf muss man achten? Wir möchten hier ein paar Gedankenanregungen dazu geben.

Das passende Terrarium

Für die Aufzucht sollte man passende Nachzuchtterrarien bereit stellen. Die Größe orientiert sich an der Art, denn beispielsweise Brookesia-Schlüpflinge sind natürlich wesentlich kleiner als Calumma parsonii-Jungtiere. Für Pantherchamäleons haben wir gute Erfahrungen mit Nachzuchtterrarien in der Größe 30 x 30 x 50 cm (Breite x Länge x Höhe) für je fünf Jungtiere, bei Parsons Chamäleons verwenden wir 30 x 40 x 40 cm für jedes Jungtier. Auch Nachzuchtterrarien sollten wie die Becken für die adulten Chamäleons über eine großzügige Belüftung verfügen. Die Terrarien sollten außerdem gut zu reinigen sein.

Ob man lebendigen Bodengrund verwendet oder die Jungtiere während der ersten Woche auf Küchenpapier aufzieht, ist Geschmackssache. Bei der Wahl von Küchenpapier muss man sich allerdings über den höheren Reinigungsaufwand im Klaren sein. Lebendige Pflanzen sollten in jedem Aufzuchtterrarium vorhanden sein, sei es im Topf oder direkt in den Bodengrund gepflanzt. Als Äste haben sich Haselnuss und Korkenzieherweide bewährt. Wichtig neben der Einrichtung des Terrariums ist die Versorgung der Jungtiere mit lebenswichtigem UV-B. Das kann entweder über die Verwendung von Metalldampflampen direkt über dem Terrarium geschehen (Vorsicht, auf Mindestabstand achten!) oder über die zusätzliche Nutzung einer Osram Vitalux 300 W täglich für 30 Minuten aus 80-100 cm Abstand. Bei den Temperaturen muss man mit Chamäleon-Jungtieren oft etwas vorsichtiger sein. Viele Arten vertragen sehr hohe Temperaturen als Jungtier nur schlecht. Über 28° Celsius sollten Nachzuchtbecken deshalb nicht gehen.

Nachzuchtterrarien müssen regelmäßig – mindestens wöchentlich – gereinigt werden. Kot sollte von Blättern entfernt werden, Futtertier- und Supplementreste gehören entsorgt. Wer Küchenpapier nutzt, sollte es alle paar Tage auswechseln.

Einzeln oder in Gruppen?

Grundsätzlich vertragen sich Chamäleons schlecht miteinander. Eine Ausnahme sind Jungtiere, die man oft bis zum Alter von einigen Monaten gemeinsam aufziehen kann. Bei Arten wie Furcifer lateralis, Furcifer pardalis oder Furcifer oustaleti haben wir bisher gute Erfahrung in der Aufzucht in Gruppen gemacht. Die Tiere fressen besser und vertragen sich meist gut. Grundsätzlich sollte man bei Gruppen darauf achten, dass genügend Rückzugsmöglichkeiten für alle Jungtiere vorhanden sind. Außerdem sollte man die Gruppen nach Größen aufteilen, so dass nur möglichst gleich große Jungtiere in einem Terrarium sitzen. Die Gruppen muss man auch während der Aufzucht immer mal wieder neu zusammen stellen, wenn Jungtiere unterschiedlich wachsen und Größenunterschiede zu arg werden. Außerdem sollten Ausweichterrarien bereit stehen, falls sich einzelne Jungtiere als besonders aggressiv herausstellen.

Bei der Aufzucht in einzelnen Terrarien benötigt man je nach Gelegegröße sehr viele Becken, was sowohl finanziell als auch platztechnisch einen wesentlich höheren Aufwand bedeutet. Bei empfindlicheren Arten wie Calumma parsonii parsonii, Calumma parsonii cristifer oder Furcifer minor hat sich allerdings die Einzelaufzucht gegenüber der Gruppe besser bewährt. Man kann die Jungtiere so besser kontrollieren, weiß genau, wer wieviel gefressen hat und kann Notizen zu einzelnen Jungtieren an die Terrarien heften.

Fütterung

Frisch geschlüpfte Jungtiere haben meist noch einen kleinen Dottersack. Solange dieser vorhanden ist, werden sie darüber mit Nahrung versorgt und fressen teils noch nicht selbstständig. Sobald der Dottersack aufgebraucht ist, sollten kleine Chamäleons an ihre ersten Futtertiere gehen. Sie können von Anfang an jagen, klettern und schießen. Nur die Futtertiergröße muss an die kleinen Chamäleons angepasst werden. Als erstes Futter haben sich bei allen madagassischen Arten Fruchtfliegen bewährt. Fressen die Jungtiere diese gut, kann man das Angebot langsam mit Blattläusen, Ofenfischchen, Bohnenkäfern und anderen Futtertieren erweitern, bis man schließlich auch Microgrillen anbieten kann. Die Fütterung sollte in den ersten Wochen täglich erfolgen, so dass stets Futtertiere im Terrarium sind und die Jungtiere sich nach Belieben bedienen können. Erst mit der Abgabe an die neuen Halter reduziert man die Futtermenge.

Supplementierung

Besonders bei Chamäleon-Jungtieren ist auf eine gute Supplementierung der Futtertiere zu achten. Bei jeder Fütterung werden die Futtertiere im Wechsel mit Kalzium und Vitaminsupplement bestäubt. Wir nutzen seit Jahren Korvimin ZVT + Reptil. Mangelnde Supplementierung kann insbesondere bei Jungtieren schnell zu Rachitis führen.

Tränken

Jungtiere trinken im Vergleich mit den adulten Chamäleons relativ viel. Sie schlüpfen auf Madagaskar außerdem zur Regenzeit, so dass man auch in der Terraristik stets auf ein gutes Wasserangebot achten sollte. Tropftränken werden von den meisten Jungtieren noch nicht angenommen. Es hat sich stattdessen bewährt, alle paar Stunden die Terrarien mit Wasser zu besprühen. Die Tiere lecken es dann von den Blättern. Jungtiere von Calumma parsonii kann man im Alter von einigen Wochen schon langsam an das Tränken per Pipette gewöhnen.

Geschlechtsbestimmung bei Jungtieren

Die Geschlechtsbestimmung bereitet gerade Anfängern in der Chamäleonhaltung immer wieder Probleme. Bei vielen madagassischen Chamäleons sind die Geschlechter schon sehr früh zu erkennen, bei Furcifer pardalis teils schon am Schlupftag. Die Männchen sind spätestens mit drei Monaten eindeutig an den Hemipenestaschen auszumachen. Diese Taschen verurusachen bei den Männchen eine Verdickung direkt hinter der Schwanzwurzel, die aber nicht mit der bei beiden Geschlechtern vorhandenen Kloake verwechselt werden darf. Zur Geschlechtsbestimmung bei den unterschiedlichen Arten findest du genauere Informationen unter den jeweiligen Artbeschreibungen. Nur bei wenigen Arten wie vielen Brookesia oder Calumma parsonii ist es mangels deutlich ausgeprägter Hemipenestaschen etwas kniffeliger, das Geschlecht bei Jungtieren herauszufinden.

Abgabealter

Erste Häutung eines Parson’s Chamäleons

Grundsätzlich sollte man nur Chamäleons an neue Besitzer abgeben, die gesund und mit hoher Sicherheit stabil sind. Das heißt, die Jungtiere fressen selbstständig und stetig, bewegen sich sicher durch ihr Terrarium und zeigen keinerlei Krankheitsanzeichen. Sinnvoll ist es auch, Sammelkotproben der Jungtiere beim Tierarzt regelmäßig untersuchen zu lassen. Ein parasitenfreies Jungtier, das supplementiert unter UV-B aufgewachsen ist, hat bestmögliche Startbedingungen. Bei den meisten Chamäleon-Arten ist ein Alter von mindestens drei Monaten ein guter Abgabezeitpunkt. Hat man „Sorgenkinder“ dabei, spricht aber nichts dagegen, einzelne Jungtiere länger zu behalten.

Das Jungtier sollte in einer geeigneten Transportbox ins neue Heim umsiedeln. Außerdem müssen Herkunftsnachweis und ein Merkblatt zu Haltungsbedingungen mitgegeben werden. Die meisten Chamäleonzüchter sind aber auch nach der Abgabe des Jungtiers gerne Ansprechpartner für „ihren“ Nachwuchs und dessen Halter.

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